Unsere Gedanken sind heute selbstredend ganz bei den Rechtsschreibreformverlierern. Bei allen Delphinen und Stengeln und Roheiten. So, und nun was zum Feiern: Wie der Rat für deutsche Rechtschreibung verkündet hat, wird es das Eszett künftig als Großbuchstaben geben, und das ist unbedingt eine gute Nachricht. Schließlich hatte es das Eszett in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht immer leicht. Auf Tastaturen liegt es weit oben rechts, noch hinter der Null, auf derselben Taste wie das Fragezeichen, das wie eine Anklage über ihm schwebt, wie ein Waswillstdudennhier an einen Buchstaben, der aus Mitleid eingeladen worden ist, wie damals immer der komische Torben in der dritten Klasse, wo man lernte: kurzer Vokal ss, langer Vokal ß.

Und Torben ist jetzt groß, aber das Eszett musste klein bleiben, auch nach etlichen Rechtschreibreformen, in denen es obendrein so vieler Funktionen beraubt und bald meistens nur noch von Menschen verwendet wurde, wenn sie klingen wollten wie eine Puderperücke aus vergangenen Jahrhunderten, als man noch ein Geheimniß hatte. Das Eszett war lange ein kleiner, abgehängter Buchstabe, den man bald aus dem letzten Schloß und jedem Fluß verjagte und als Buckel-S beschimpfte, als verhärmte halbe Portion, die mit doofen Diphthongen spielen musste. Kurz: Wir wollten das Eszett eigentlich gerne knuddeln und mit Kondensmilch füttern.

Aber jetzt soll es erwachsen werden, was letztlich natürlich auch bedeutet, strafrechtlich relevant mit anderen Großbuchstaben im Internet rumpöbeln zu dürfen, da müssen wir jetzt durch. Denn es kann auch endlich in die Welt hinaus, künftig auf den Reisepässen aller Meißners, Läßigs, Weißmüllers, Waßmers und Voßkuhles, zur Insel Antiqua und zum Spiegelsaal von Versalien. Und das war ohnehin an der Zeit, da sonst kein Buchstabe der Silhouette des gemütlichen Pauschalurlaubers entspricht, der durch reizvolle Landschaften spaziert und das Menschsein von der besten Seite zeigt.

Es kann sich nun auch mit K und Q durch den Tag brunchen, sich mit dem Ü am Buffet streiten, was es dort verloren habe, dem weichen S (seit Kurzem geschiedene T) an der Hotelbar einen ausgeben, sich anschließend mit allen anderen Majuskeln in Flechtslippern über Roaminggebühren beschweren und ansonsten den Müßiggang genießen, draußen bei den Litfaßsäulen, Flößen, Urlaubergfrieß und Ausfallstraßen, wo die reichen Reußen und Preußen in ihre Scheißgeländewagen ohne Rußfilter steigen. Daß hat sich daß Eszett sowaß von verdient, und an diesem Festtag sollte uns diese Schreibweise bitte gestattet sein, ohne daß irgendein ABC-Heckenschütze Beschwerde einlegt.