Lichtenfels ist ein Städtchen in Oberfranken. Es bietet dem Besucher eine Fossiliensammlung in der Herzog-Otto-Mittelschule und einen Campingplatz. Ende des Jahres hält hier der letzte ICE. Für seine Medienlandschaft war Lichtenfels bisher nicht bekannt.

Das will David Bendels jetzt ändern. Er lebt in Lichtenfels und will von hier aus den Deutschland-Kurier starten, eine neue Boulevardzeitung, die wöchentlich erscheint. Am Mittwoch erhalten 300.000 Berliner Haushalte kostenlos und ungefragt die erste Ausgabe der "Bild von rechts", wie Bendels das Projekt beschreibt. In großen Lettern, mit vielen Fotos und einem klassischen Tabloidlayout soll die Zeitung die Leser erreichen, für die die Junge Freiheit zu intellektuell und die Preußische Allgemeine Zeitung zu bieder ist.

Der 32-jährige PR-Berater Bendels mit stets korrekt gegeltem Haar und der Deutschlandfahne am Anzugrevers ist nicht nur Chefredakteur des neuen Blatts, sondern gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten e.V., der auch Herausgeber des Deutschland-Kuriers ist. Der Verein steht seit einem Jahr in der Kritik, weil er millionenschwere Werbekampagnen für die Alternative für Deutschland (AfD) zu den vergangenen Landtagswahlen organisiert hatte. Woher das Geld stammt, ist bis heute nicht transparent. Kritiker werfen der Vereinigung darum "verdeckte Wahlwerbung" vor. Teil der Kampagnen war auch stets ein kostenlos verteiltes Extrablatt.

Themen, die angeblich anderswo verheimlicht würden

Thematisch scheinen sich Extrablatt und Deutschland-Kurier sehr zu ähneln. Die neue Zeitung wirkt wie das Zentralorgan der Wutbürger mit den rechtspopulistischen Hits der letzten Jahre: Einwanderungskritik, Merkel-Kritik, EU-Kritik. Im Gespräch mit ZEIT ONLINE sagte Bendels, dass sich das Boulevardblatt in der ersten Ausgabe dem "Versagen von Rot-Rot-Grün in Berlin", dem "Gender-Gaga mit den Unisex-Toiletten", der "Vetternwirtschaft von Martin Schulz" und dem "Linksterrorismus" widmen werde. Außerdem wolle man darüber aufklären, wie Justizminister Heiko Maas die Meinungsfreiheit abschafft und was "Merkels teurer Freund Emmanuel Macron" uns Deutsche kosten wird. Themen, die angeblich von anderen Medien verheimlicht würden. Mit dieser Mischung und dem behaupteten Mut zur Haltung hatten zuletzt das Querfront-Magazin Compact und die Junge Freiheit ihre Auflagen steigern können.

Im Gegensatz zu anderen Klatschblättern soll es in dem achtseitigen Kurier jedoch keinen Sport geben, keine Wirtschaftsthemen, keine Promi-Enthüllungen – und auch keine nackten Mädchen. Inhaltlich soll sich das Blatt allein mit Politik beschäftigen.

Chefredakteur und PR-Berater David Bendels © Nicolas Armer/dpa

Für die rechtspopulistischen Zuspitzungen hat Chefredakteur Bendels prominente Kolumnisten verpflichtet, die vor allem eins verbindet: Es sind Ehemalige. Der Ex-Bild-Chef Peter Bartels, die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, der Ex-FAZ-Redakteur Konrad Adam und die Ex-FPÖ-Bundespräsidentschaftskandiatin in Österreich, Barbara Rosenkranz. Der Dresdner Ex-CDUler und Neu-AfDler Maximilian Krah soll regelmäßig über das "Skandalurteil der Woche" berichten, Steinbach wird in der ersten Ausgabe darüber schreiben, "Warum wir im deutschen Bundestag wieder eine echte Oppositionspartei brauchen".

Die Personalien zeigen, wie stramm rechts die Wochenzeitung ausgerichtet sein wird. So publizierte der ehemalige Bild-Redakteur Bartels zuletzt im verschwörungstheoretischen Umfeld des Kopp-Verlags, die erzkonservative FPÖ-Politikerin Rosenkranz gilt als "Galionsfigur der Rechten" im Nachbarland, und Erika Steinbach war in der Vergangenheit vor allem durch ihre rechten Provokationen auf Twitter aufgefallen.