Die Unesco hat die Altstadt von Hebron im Westjordanland zum Weltkulturerbe erklärt und zugleich auf die Rote Liste gefährdeter Stätten gesetzt. Das gab das Welterbekomitee am Freitag in Krakau bekannt. Mit der von Israel heftig kritisierten Entscheidung zu Hebron gab die Unesco einem umstrittenen Notfallantrag Palästinas statt. In Hebron im Westjordanland liegen die von Juden, Christen und Muslimen verehrten Patriarchengräber, in denen nach biblischer Überlieferung unter anderem die Stammväter Abraham und Isaak begraben sind.

Die Unesco teilte mit, insbesondere die in der Mamluken-Zeit zwischen 1250 und 1517 entstandenen Bauten sollen so geschützt werden. Die Palästinenser setzten sich dafür ein, von der Unesco einen besonderen Schutzstatus für Hebron zugesprochen zu bekommen, weil sie den jüdischen Siedlern Zerstörungen in der Altstadt vorwerfen. Nach israelischen Medienberichten werden die Altstadt und die Patriarchengräber nun als "palästinensische Welterbestätten" aufgeführt. Hebron ist seit 1998 zweigeteilt: 50.000 Palästinenser leben im von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Teil, etwa 800 jüdische Siedler im israelischen.

In einer ersten Reaktion auf den Beschluss sprach das israelische Außenministerium von einem "moralischen Schandfleck". Ministeriumssprecher Emmanuel Nahshon warf der Unesco vor, die jüdische Geschichte der Stadt zu ignorieren und "Fake History" zu betreiben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, die Mitgliedsbeiträge an die UN um rund 900.000 Euro auf rund 1,4 Millionen Euro zu kürzen.

"Hebron (...) und die Patriarchengräber (...) sind die ältesten Kulturerbestätten unseres Volkes", sagte der israelische Erziehungsminister Naftali Bennett. Die Siedlerorganisation Yesha im Westjordanland schrieb in einem Statement: "Hebron ist die zweitheiligste Stätte im Judentum, 4.000 Jahre jüdische Geschichte zu ignorieren ist purer Antisemitismus." Die israelische Regierung und die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley hatten versucht, den besonderen Status für Hebron zu verhindern.

Palästinenser feiern die Entscheidung

Die palästinensische Seite hingegen feierte die Entscheidung als einen Sieg ihrer Diplomatie. Das Abstimmungsergebnis sei ein "Erfolg in der diplomatischen Schlacht", die von den Palästinensern "an allen Fronten" geschlagen werde, um dem "israelischen und amerikanischen Druck" zu widerstehen, teilte das palästinensische Außenamt mit. Mit der Entscheidung habe die Unesco die palästinensische Hoheit über Hebron und die Abrahamsmoschee anerkannt.

Das Welterbekomitee befasst sich seit Sonntag im polnischen Krakau mit der Neuaufnahme von nominierten Stätten und dem Schutz gefährdeter Welterbestätten. Das Komitee prüft den Zustand von 99 eingeschriebenen Stätten sowie 55 auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Darunter sind alle sechs Welterbestätten Syriens. Das Komitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. 

Bisher stehen auf der Welterbeliste 1.052 Kultur- und Naturstätten in 165 Ländern. Kriterien für die Anerkennung sind etwa der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte und ein Managementplan, der die Erhaltung für zukünftige Generationen sicherstellt. Mit der Einschreibung in die Liste verpflichten sich die Vertragsstaaten, die Stätten auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren.

Seit der Aufnahme Palästinas in die Unesco im Jahr 2011 haben sich die Beziehungen zwischen den Vereinten Nationen und Israel zunehmend verschlechtert. Ende Dezember vergangenen Jahres forderte der UN-Sicherheitsrat erstmals seit 1979 in einer Resolution den sofortigen Stopp israelischer Siedlungsaktivitäten im Westjordanland und Ost-Jerusalem. Israel hatte das UN-Votum scharf kritisiert.