Die Berliner Volksbühne ist zum Theater des Jahres gewählt worden. Der Preis wird jährlich von der Fachzeitschrift Theater Heute vergeben, 18 der 46 Kritiker stimmten für das Team um Frank Castorf. Die Stimmen der Kritiker sind in den vergangenen Jahren oft breit gestreut gewesen, da es keine Nominierungsliste gibt. Die Jurymitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können frei aus allen deutschsprachigen Häusern wählen.

Castorf hatte mit der abgelaufenen Spielzeit seine Intendanz an der Volksbühne nach 25 Jahren beendet. Seinen Posten übernimmt der belgische Museumsexperte Chris Dercon. Kritiker befürchten, dass Dercon die Volksbühne zu einer Art Eventbude macht.

Seit Monaten gibt es deshalb Proteste: Castorf ließ das Symbol der Volksbühne, das Räuberrad, abbauen, in sozialen Medien überziehen Nutzer die neue Theaterleitung mit Hass-Kommentaren. Eine Onlinepetition fordert, dass die Zukunft des Theaters neu verhandelt wird. Sie hat bereits mehr als 40.000 Unterstützer, darunter etliche Prominente.

Zur Schauspielerin des Jahres wurde Valery Tscheplanowa gekürt, die in Castorfs letzter großer Volksbühnen-Inszenierung Faust mitspielte. Schauspieler des Jahres ist Joachim Meyerhoff (11 Stimmen). Er erhält die Auszeichnung für seine Rolle in Die Welt im Rücken nach Thomas Melles gleichnamigem Borderlineroman am Wiener Akademietheater.

Die Volksbühne war bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Maxim-Gorki-Theater, das ebenfalls in Berlin ist, auf Platz eins gewählt worden. Beide Häuser erhielten damals sechs der 46 Stimmen.