Oswalt Kolle hatte kein Problem mit seinen Wechseljahren. Der Sexaufklärer der Westdeutschen hat noch mit 81 Jahren über seine "Andropause" öffentlich zu Protokoll gegeben, er habe diese Altersphase "fröhlich und sehr potent" erlebt.

Schön für Herrn Kolle. Auch meine Mutter hatte mir vor 30 Jahren erzählt, sie habe die Wechseljahre "gar nicht mitgekriegt". Ich war also guten Mutes. Aber es war geschwindelt, sie hat damals ein Hormonpräparat genommen. Das hat sie mir aber erst kürzlich erzählt, weil ich nämlich meine Wechseljahre durchaus "mitkriege" und noch mal bei ihr nachgefragt habe. Aber so ist meine lebenskluge Mutter. Noch heute, mit 80 Jahren, sagt sie über alles, das nervt und stört: "Was kommt, geht auch wieder." Heißt: prominent ignorieren, einen Versuch ist es wert.

Fürs Protokoll: In die Wechseljahre zu kommen, kann durchaus erfreulich sein. 50 Lebensjahre sind vergangen, Kinder wurden geboren, alle vier Wochen wurde menstruiert – da schließt sich ein größerer Zyklus. Warum, wofür, wozu denn noch Blut vergießen?

Mein Körper hat das dreieinhalb Jahrzehnte lang weltmeisterinnenmäßig geregelt. Danke, das war toll von mir. Aber auch wieder nicht so toll, dass ich nicht gut auf die blöden Bauchkrämpfe und Rückenschmerzen, die Toilettensuche und die wenn guten, dann bescheuert teuren Binden und Tampons hätte verzichten können. Von dem Geld hätte ich mir weiß Gott etwas Schöneres kaufen können. Zum Beispiel Torte. Oder Schnaps.

Ach ja, wo wir gerade davon reden: Wann endlich werden sogenannte Hygieneartikel mit sieben statt 19 Prozent besteuert? Ist doch nicht so kompliziert zu verstehen, dass die Hälfte der Menschheit die braucht, ähnlich wie Milch oder Brot. Egal, wer nach dem 24. September regiert – regelt das endlich mal! Versteht nämlich kein Mensch.

Anja Maier, Jahrgang 1965, ist "taz"-Journalistin und Autorin. © privat

Ich sage also Hallo und Herzlich Willkommen zu meinen Wechseljahren. Nett, dass sie da sind, ich hatte sie bereits erwartet. Sie mögen bitte trotzdem nicht lange bleiben, es fühlt sich nämlich schnell ziemlich unangenehm an in ihrer Gegenwart. Sie rücken mir auf den Pelz, drücken meine Stimmung und nehmen ein paar körperliche Umbauten vor, von denen ich hoffe, dass sie alsbald zum Abschluss kommen mögen. Wechseljahre sind ein bisschen wie lästige Verwandtschaft: Man muss sie blöderweise trotzdem reinlassen.

Zu "wechseln", wie meine Frauenärztin das in ihrer ermutigenden Sprache zu nennen pflegt, heißt ja übersetzt nichts anderes, als alt zu werden. Oder, wie es das Ärzteblatt freundlicher formuliert: "eine Lebensphase der psychosozialen Adaptation mit Abschieden, neuen Herausforderungen und notwendiger Aktivierung von Ressourcen".

Nett gesagt. Gemeint sind körperliche Grenzerfahrungen wie Schweißausbrüche in den unmöglichsten Situationen, Schlafstörungen und Gelenkschmerzen. Außerdem miese Stimmungen inklusive Wutausbrüchen und Erschöpfung. Und worüber keine gern spricht: Bärte, Falten, Gerüche. Aber gegen so etwas gibt es den Rezeptblock.