Neid, heißt es, sei die einzige Todsünde, die überhaupt keinen Spaß macht. Er begehrt verbissen, was ein anderer hat, während Eifersucht um die Angst kreist, etwas Geliebtes oder den Geliebten zu verlieren.

Verglichen mit Neid und anderen Todsünden gilt Eifersucht als Kavaliersdelikt oder mehr noch: als Zeichen der Liebe. Selbst Gott ist eifersüchtig, wenn er uns gleich im ersten der Zehn Gebote anweist, keinem Gott neben ihm zu huldigen. Wenn man es so betrachtet, ist die Bibel ein einziges Schlachtfeld der Eifersüchteleien und Besitzansprüche.

Sabine Kray wurde 1984 in Göttingen geboren. Heute lebt sie in Berlin, wo sie als Autorin und Übersetzerin arbeitet und sich als Mentorin für junge Mädchen bei der Bürgerstiftung Neukölln engagiert. Ihr Debüt, "Diamanten Eddie", ist im Frühjahr 2014 bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen. Sie ist Gastautorin von "10 nach 8".

Wir leben in einer Sharing-Economy, teilen Autos, Wohnungen und Partner miteinander. Wir verstehen uns als selbstbewusste, autonome Individuen. Können wir die Eifersucht nicht langsam mal entsorgen? Eine Studie der Universität Queensland legt nahe, dass intensive Nutzung von sozialen Medien Eifersucht noch verstärken kann. Stehen wir also vor einer Renaissance der Eifersucht? Hoffentlich nicht, denn in ihr wohnt stets der Wille zur Tragödie, ja, die Statistiken zeigen, dass Eifersucht nicht selten tötet.

Drei Typen der Eifersucht

Im Jahr 2013 starben in Deutschland 187 Menschen in sogenannten Intimiziden, wie Morde in Liebesbeziehungen genannt werden. Meist ist Eifersucht der Grund, meist – in 85 Prozent der Fälle – sind Männer die Täter und Frauen die Opfer.

Die bekannteste literarische Verkörperung der Eifersucht ist Shakespeares Othello. Sein Zweifel daran, ob er die schöne, edle Desdemona verdient hat, macht ihn zum leichten Opfer einer Intrige. So ist sie, die Eifersucht. Und obwohl sein Verdacht jeglicher Grundlage entbehrt, bringt Othello die Geliebte schließlich um.

Anne Waak, 1982 in Dresden geboren, ist Journalistin und Buchautorin. Sie gehört zu den Gastgebern des Talk-Formats "NUN – Die Kunst der Stunde" und zu den Gründerinnen von waahr.de, einem Onlinearchiv für Kulturjournalismus. Sie lebt in Berlin. Anne Waak ist Gastautorin von "10 nach 8". © Christian Werner

Die Eifersucht Othellos würden zeitgenössische Psychologen als argwöhnisch-ängstlich charakterisieren. Das bezeichnet die begründete oder in diesem Fall unbegründete Sorge, die sich auf die vermeintliche Untreue des Partners richtet und im Geist des Betroffenen immer mehr Raum einnimmt. Die anderen beiden Typen heißen reaktive Eifersucht – die vermeintlich gesündeste oder nachvollziehbarste Form, weil sie sich auf tatsächliche Ereignisse bezieht – und besitzergreifende Eifersucht, bei der Betroffene oftmals bereits präventiv versuchen, den Kontakt des (heterosexuellen) Partners mit Angehörigen des anderen Geschlechts zu unterbinden. Studien ergaben, dass keine der drei Typen der Eifersucht zu Mord und Totschlag führen muss, um negative Auswirkungen auf die Qualität der Beziehung zu haben. Denn die Eifersucht steuert nicht nur worüber, sondern auch wie gesprochen wird. Die eifersüchtige Kommunikation tendiert dazu, aggressiv und laut zu werden, bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt. Und während die meisten Menschen Gewalt ablehnen, können sie Eifersucht irgendwie nachvollziehen.

Hat Eifersucht biologische Gründe? Tatsächlich gibt es Studien, die feststellen, dass Männer mehr sexuelle Eifersucht und Frauen mehr emotionale Eifersucht verspüren. Dies wird evolutionsbiologisch mit der sogenannten Elternaufwandtheorie begründet, die besagt, dass Frauen mehr Sorge für die Kinder tragen müssen und deshalb den emotionalen Kontakt zum Partner sicherstellen wollen, um sich darauf verlassen zu können, dass er weiter für die Kindessorge zur Verfügung steht. Der Mann hingegen fürchtet nach dieser Theorie vor allen Dingen das Kuckucksei, das ihm ins Nest gelegt werden könnte. Neuere Studien beziehen sich auf die sogenannte Bindungstheorie aus der Psychologie. Sie geht von unterschiedlichen Bindungstypen aus: solchen, die sich sicher dabei fühlen, und solchen, die Furcht vor Bindung haben. Für bindungsängstliche Typen spielt Sex eine größere Rolle in der Beziehung als emotionale Bindung, deshalb ist ihre Eifersucht vor allen Dingen sexueller Natur. Dieser Umstand zeigt sich über die Geschlechtergrenzen hinweg. Der Ursprung unseres Bindungsverhaltens liegt demnach in der Kindheit, weshalb es nicht überrascht, dass auch Freud die Wurzel der Eifersucht in der "Urszene" sucht: Das Kind entdeckt, dass seine Mutter mit dem Vater Sex hat, also eine glückliche Erfahrung macht, von der es ausgeschlossen ist. Es ist weder die Quelle des Begehrens noch des Genießens.