Von der Geschichtslosigkeit Amerikas zu sprechen, war stets der lächerlichste Vorwurf im Arsenal transatlantischer Kulturkritik. Kaum eine Nation beruft sich so emphatisch auf die eigene Tradition wie die Vereinigten Staaten. Das Land wird jedoch nicht erst seit dem Attentat von Charlottesville, als Rechtsradikale und Ku-Klux-Klan gegen die Demontage eines Reiterstandbildes des Südstaatengenerals Robert E. Lee protestierten, von einer immer lauter erhobenen Forderung umgetrieben.

Aktivisten und Intellektuelle mahnen: Die finstersten Kapitel dieser Vergangenheit dürfen nicht länger verklärt werden. Nicht die Versklavung von Millionen Menschen und nicht der Bürgerkrieg, der von 1861 bis 1865 um den Fortbestand von Sklaverei und weißer Herrschaft geführt wurde. Was aber, wenn diese dunkle Vergangenheit nicht mehr bloß umstritten, sondern historisch unsicher würde? Wenn ihre Fakten zu flirren begännen, bis irgendwann die Vergangenheit eine ganz andere wäre? Und was, wenn sich aus einer solchen alternativen Vergangenheit eine andere Gegenwart entwickelt hätte?

Es sind sogenannte alternative-history-Erzählungen, die mit diesen provokanten Fragen spielen. Sie erzählen Geschichte im Konjunktiv, machen Science-Fictionim Gewand des Historienromans. An einem bestimmten Punkt in der von der Forschung etablierten Historie haken sie ein, um zu fragen: Was wäre, wenn der Lauf der Geschichte eine andere Abzweigung genommen hätte? Kontrafaktische Geschichte nennen Historiker solche Spekulationen. In rascher Folge verkündeten jüngst der amerikanische Bezahlsender HBO und kurz darauf Amazon Studios, dass sie an Serien arbeiten, die eine solche kontrafaktische Version des Bürgerkriegs und der schwarzen Sklaverei erzählen sollen. Was von der fiktiven Welt bekannt wurde, in der die HBO-Serie Confederate spielen wird, sorgte allerdings für einen öffentlichen Aufschrei und offenbarte die politische Dimension der Alternativhistorie. 

Confederate erzählt von einer Welt, in der die Südstaaten den Bürgerkrieg gegen den Norden nicht verloren haben. Eine Welt, in der deshalb die Konföderierten Staaten von Amerika bis heute existieren. Auch die Versklavung der schwarzen Bevölkerung des Südens, derentwegen 1861 der Bürgerkrieg ausbrach, besteht in diesem Paralleluniversum fort. Bislang existiert zwar noch nicht einmal die Serie Confederate selbst – es gibt noch keine Dreharbeiten, kein Set, keine Drehbücher. Trotzdem erntete der Fernsehsender HBO mit der Ankündigung, dass Confederate das Nachfolgeprojekt der Game-of-Thrones-Macher David Benioff und Dan Weiss werden solle, große Aufmerksamkeit. Und jede Menge Ablehnung. Eine Geschichte, die über ein Gegenwartsamerika fantasiert, in dem Schwarze als Sklaven leben, hielten Kritiker wie der Schriftsteller Ta-Nehisi Coates für einen falschen, einen empörenden Einfall. Insbesondere, wenn diese Geschichte von weißen Männern produziert wird.

Alternativgeschichte als Erfolgskalkulation?

So groß war die Wut, dass während der Ausstrahlung der dritten Folge der aktuellen Game-of-Thrones-Staffelweltweit der Hashtag #noConfederate trendete, den die Aktivistin April Reign ins Leben gerufen hatte. Reign stand bereits 2015 hinter der Kampagne #OscarsSoWhite, die gegen die eklatante Missachtung schwarzer Schauspieler bei der Verleihung der Academy Awards protestierte. Zwar beeilte sich HBO, auf Nichelle und Malcolm Spellman hinzuweisen, die als gleichberechtigte Partner an der Entwicklung der Serie beteiligt sein sollen. Die Spellmans sind schwarz und fühlten sich vom Urteil, Confederate sei eine "weiße" Show, nicht weniger als verschwiegen. Die Kritiker blieben dennoch skeptisch. Zu präsent ist nicht zuletzt bei vielen die Erinnerung an jene Game-of-Thrones-Szenen, in denen die blonde Figur der Daenerys Targaryen als weiße Retterin hilfloser Sklaven auftritt.

Nur zwei Wochen später verkündete der einflussreiche Produzent Will Packer, dass er für den Streamingdienst von Amazon ebenfalls an einer Serie arbeite, die den Ausgang des Amerikanischen Bürgerkriegs hinterfragt. Obwohl Black America bei Amazon Studios schon seit einem Jahr entwickelt wird, wirkt die Serie wie ein Gegenentwurf, wie eine Antwort auf Confederate aus schwarzer Perspektive: Will Packer und der Drehbuchautor Aaron McGruder sind Afroamerikaner. Undwährend im fiktiven Amerika von Confederate die Sklaverei in den Südstaaten fortbesteht, wird sie in Black America nicht nur abgeschafft. Der unterlegene Süden muss zudem drei seiner Staaten als Reparationsleistung an die nun freien Sklaven abtreten. Aus Louisiana, Mississippi und Alabama wird der unabhängige Staat New Colonia geformt. Die verbliebenen Vereinigten Staaten erleben im 21. Jahrhundert eine Phase des wirtschaftlichen und politischen Niedergangs, wohingegen sich New Colonia zur aufstrebenden, wachsenden Nation entwickelt.

Was bedeutet es, wenn gleich zwei Alternativweltserien über den Amerikanischen Bürgerkrieg am Produktionshorizont auftauchen? Zunächst einmal liegt der Verdacht nahe, dass hinter dieser Gleichzeitigkeit schlicht Erfolgskalkulationen der Studios stecken. Geschichte, die es nie gegeben hat, ist ein populärer Stoff. Zu den beliebtesten Spielarten des Genres gehören kontrafaktische Geschichten über einen anderen Verlauf des Zweiten Weltkriegs: Die vor zwei Jahren angelaufene Alternativweltserie The Man in the High Castle wurde für Amazon zur bis dahin erfolgreichsten Produktion seines Streamingdienstes. Die Adaption des Science-Fiction-Romans von Philip K. Dick malt ein Amerika, das von den Siegern des Zweiten Weltkriegs besetzt ist, den Achsenmächten Japan und Großdeutschland.

An die Popularität der Nazi-Fiktionen reicht in den USA seit Jahrzehnten nur ein anderes Thema heran: der Bürgerkrieg und immer neue Geschichten, die vom Sieg der konföderierten Südstaaten handeln. Sie reichen von Ward Moores Roman Bring the Jubilee von 1953 bis zu Kevin Willmotts Rassismuskritik im Gewand des Pseudo-Dokumentarfilms C.S.A.: The Confederate States of America von 2004. Die Beliebtheit solcher Szenarien ist kaum verwunderlich: Was ist unterhaltsamer als der Schauder, den man als Leser oder Zuschauer beim Gedanken an den Triumph der anderen, der "bösen" Seite empfindet? Wenn man nicht gerade Angehöriger einer Minderheit ist, muss man sich auf dem sicheren Couchplatz auch meist nicht mit den tatsächlichen Opfern eines solchen fiktiven Geschichtsverlaufs identifizieren.

Alles bloß provokatives Entertainment?

Im Amerika des Jahres 2017 scheint sich an den Alternativweltserien aber ein fundamentaler Dissens zu offenbaren, der die Züge einer großen Verunsicherung trägt: Es ist, als wisse das Land nicht mehr so recht, was seine Geschichte eigentlich gewesen ist. Die unzuverlässigen Erzählungen aus der virtuellen Geschichte füllen diese Lücke. Deshalb schwingt in der Debatte auch immer die Frage mit, welche Funktion den Alternativhistorien eigentlich für unsere Gegenwart zukommt: Erklären Alternativweltgeschichten bloß die Vergangenheit, indem sie das ganze Spektrum ihrer Entwicklungspotenziale durchspielen? Oder warnen sie uns vor den unsichtbaren Gefahren, die auch in der Jetztzeit stets nur eine falsche Abzweigung entfernt sind?

Wahrscheinlich gilt für die alternativen Weltentwürfe, was für die Prophezeiungen der Science-Fiction so oft gilt: Sie sind weniger eine Weltbeschreibung als eine zutreffende Kartographierung unserer gegenwärtigen Ängste. Die Gegner von HBOs Confederate sprechen einer solchen Serie die Fähigkeit ab, Amerika überhaupt irgendetwas über seine Wirklichkeit zu lehren. Confederate würde den Blick auf die Realität eher verstellen, monierte die Aktivistin Bree Newsome in einem Kommentar für die Washington Post, indem sie zur Alternativwelt erkläre, was in Wirklichkeit harte amerikanische Realität sei: dass die Südstaaten im Bürgerkrieg nämlich keineswegs untergegangen seien und dass die schwarzen Bürger Amerikas noch immer in einem Zustand der Unterdrückung und Unfreiheit lebten. 

In den Augen ihrer Kritiker verdeckt die Serie Confederate also die bis in die Gegenwart reichenden Konsequenzen der Sklaverei, die sich bis heute beispielsweise in einem rassistisch strukturierten Justizsystem manifestierten: Seit dem Verbot der Sklaverei im Jahr 1865 haben, so lautet die Ansicht, die sozialen und juristischen Mechanismen der Benachteiligung dafür gesorgt, dass Schwarze weit überproportional ihre bürgerlichen Freiheitsrechte im Justizvollzug verlieren. Afroamerikaner werden in den USA noch immer mit fünffach höherer Wahrscheinlichkeit zu Gefängnisinsassen, und es gibt Prognosen, wonach jedes dritte Kind schwarzer Eltern, das heute geboren wird, in seinem Leben einmal inhaftiert werden wird.

Eine Poetologie des schlechten Gewissens

Sollten die Set-Designer nach Inspiration für die Darstellung der modernen Sklaverei in Confederate suchen, würden sie im Amerika unserer Tage an Orten wie Angola, dem berüchtigten Staatsgefängnis von Louisiana, auf erschreckende Weise fündig: Schwarze Häftlinge auf der Plantage, unter der brennenden Sonne, bewacht von berittenen Wärtern mit Funkgeräten. Im Hintergrund Pickup-Trucks, Wachtürme, scharfe Wachhunde. Das Gefängnis hat seinen Namen Angola vom Herkunftsland der Sklaven, die einstmals auf eben dieser Plantage arbeiteten – Sklaven, von denen nicht wenige der Häftlinge abstammen dürften. Bedeutet die Existenz solcher Orte, dass ihre Fiktionalisierung des Fortbestands der Konföderation eine Beleidigung ist und eine gefährliche noch dazu? In einer postfaktisch verwirrten Welt, so die Kritik, sollte für eine kontrafaktische Serie wie Confederate kein Platz sein. Ein sowieso schon historisch ungebildetes Publikum würde sich nach dem Serienkonsum nur in falscher Erleichterung über die vermeintlich freien Zustände in der realen Welt wiegen. Die schreckliche Fantasiewelt sei also geneigt, unsere schreckliche Wirklichkeit weniger schrecklich erscheinen zu lassen. 

Wartet in den Alternativwelten also wirklich nur Verklärung statt Aufklärung? Muss man alle spekulative Fiktion, die sich vom historischen Realismus entfernt, strikt ablehnen? Oder macht man es sich damit nicht doch zu leicht? Die Verfremdung der Wirklichkeit ist schließlich der älteste Kniff der Literatur, um uns die Welt mit anderen Augen sehen zu lassen. Denn natürlich wird die Serie Confederate, wenn sie von der modernen Sklaverei spricht, nicht bloß hypothetisch, sondern auch allegorisch sprechen: die wirklichen Verhältnisse sind mitgemeint.

Wie eine solche Kritik der Verhältnisse im Modus des Kontrafaktischen aussehen könnte, hat im vergangenen Jahr Ben Winters Roman Underground Airlines gezeigt. Winters Alternativweltgeschichte nimmt sich ebenfalls den Bürgerkrieg als Prämisse vor, geht aber davon aus, dass dieser überhaupt nicht stattgefunden hat. Die Nordstaaten, besorgt um den Zusammenhalt des amerikanischen Staatenbunds, einigen sich mit den Sklavenhalter-Staaten des Südens. Konsequenz: Auch in dieser Alternativwelt besteht die Sklaverei bis ins 21. Jahrhundert fort. Die "Underground Railroad" ist in Colson Whiteheads gerade erschienenem Roman eine tatsächliche Untergrundbahn aus den Sklavenhalterstaaten in die Freiheit des Nordens. In Wirklichkeit war die Underground Railroad ein Netzwerk von Fluchthelferzellen, durch das im 19. Jahrhundert geflohene Sklaven ins sichere Kanada gelangen konnten. In der Gegenwart von Winters Roman wird aus der aktualisierten Metapher eine moderne "Underground Airline".

Underground Airlines ist eine literarische Analyse des modernen Rassismus in Amerika. Der Protagonist des Romans, ein ehemalige Sklave namens Victor, hat gelernt, dass er sich auch in den Nordstaaten so vorsichtig in den rassistischen Denkmustern seiner weißen Mitmenschen bewegen muss, als steuere er ein Floß durch die sumpfigen Kanäle des Südens. Underground Airlines handelt aber auch ganz allgemein von der Fähigkeit der Mehrheitsgesellschaft, sich mit moralisch desaströsen Zuständen abzufinden: In Winters Fiktion sind die Vereinigten Staaten durch die Sklaverei in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurückgefallen, nicht zuletzt der Sanktionen wegen, die die Europäische Union gegen die USA verhängt haben. Auch würde kein aufgeklärter Konsument in den Nordstaaten je Waren aus der Sklaverei-Produktion in Alabama kaufen, davor bewahren entsprechende Fair-Trade-Siegel. Doch vom schlechten Gewissen einmal abgesehen, scheint man sich mit der Situation leidlich arrangiert zu haben.

Der Bogen der Geschichte neigt sich zum Chaos

Bleibt also nur die Resignation? Mag sein, dass die gegenwärtige Konjunktur der Alternativwelt-Erzählungen mit einer allgemeinen Verunsicherung über den Lauf der amerikanischen Geschichte zusammenhängt. Die schärfste Kritik an HBOs Confederate übte der Schriftsteller Ta-Nehesi Coates, der die Serie in die Nähe des Geschichtsrevisionismus stelle, in die Nähe des sogenannten Lost Cause, der "Verlorenen Sache" des Südens. Gemeint ist eine Schule von Historikern, aber auch eine Reihe von Romanen und Hollywoodfilmen, die seit dem Ende des Bürgerkriegs erfolgreich eine im eigentlichen Sinne "alternative Geschichte" propagiert haben, wie Coates schreibt. Filme wie Vom Winde verweht haben die Südstaaten als verwunschenes Land ritterlicher Galanterie in der amerikanischen Erinnerung verankert. Die Sklaverei wird in solchen Darstellungen zu einer feudalen Fürsorgeeinrichtung, Sklaven werden zu Familienmitgliedern oder zu sanften Kindern, um die die weißen Herren sich patriarchalisch sorgen. Diese alternative Geschichtsschreibung mit den Mitteln Hollywoods sei nicht ohne Folgen für die reale Welt geblieben. Confederate, so Coates, erfinde eine Welt, die aus den Träumen des Ku-Klux-Klan stammen könnte – und deshalb sollte man die Serie auf keinen Fall produzieren.

Spätestens seit dem großen Erfolg seines Buches Between the World and Me von 2015 hat Coates’ Stimme Gewicht. Anfang Oktober erscheint sein neues Werk We were Eight Years in Power über die Regierungszeit Barack Obamas, des ersten schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Coates gehörte zu den größten Bewunderern Obamas, aber auch zu seinen verzweifeltsten Kritikern. Es war vor allem Obamas scheinbar grenzenlos optimistisches Geschichtsverständnis, das Coates nicht teilen konnte. Mit keinem Leitmotiv der Obama-Ära hat sich Coates so sehr auseinandergesetzt wie mit dem Zitat von Martin Luther King, das Obama oft verwendete und sogar in den Teppichboden des Oval Office knüpfen ließ: "Der Bogen des moralischen Universums ist lang, aber er neigt sich der Gerechtigkeit zu." Das Zitat ist der programmatische Ausdruck des Geschichtsverständnisses hinter Obamas Politik: Die Geschichte mag voller Widerstände sein, aber eine geduldige Politik der Reformen, des pragmatischen Optimismus wird uns in eine stetig bessere Zukunft führen – Yes we can. Es ist die pragmatische Variante eines heilsgeschichtlichen Pathos, das schon seit der Gründung das Verständnis der amerikanischen Nation von ihrer historischen Aufgabe prägt. Coates war stets überzeugt und sah sich nach der Wahl Donald Trumps bestätigt: Der Bogen der Geschichte neigt sich nicht der Gerechtigkeit zu, er neigt sich zum Chaos. Die gegenwärtige Popularität der Alternativweltgeschichten scheint zu diesem Pessimismus zu passen, zu einer Geschichte, die unsicher geworden ist und unvorhersehbar.

"Eine materielle Wiedergutmachung muss Utopie bleiben"

Vielleicht tut sich inmitten dieser Verunsicherung doch auch der Raum für neue Erzählungen auf. Seit Octavia Butler in ihrem Roman Kindred aus dem Jahr 1979 zum ersten Mal das Thema der Sklaverei mit erzählerischen Elementen der Science-Fiction verband, ist eine ganze Generation selbstbewusster schwarzer Science-Fiction-Autoren hervorgetreten. Unter dem Label des Black Futurism oder Afrofuturismus, zu dessen jungen Vertretern Schriftstellerinnen wie Nnedi Okorafor zählen, entwerfen sie Utopien, in denen People of Colour die Helden der Zukunft sind. Fantasy, Technologiebegeisterung, afrikanische Mythologien und Popkultur vermischen sich im Afrofuturismus zu einer Ästhetik, deren Anziehungskraft keineswegs nur auf die Literatur beschränkt geblieben ist: Superstars von Rihanna über Beyoncé bis Solange Knowles haben den Afrofuturismus in den letzten Jahren auf die globale Bühne gebracht.

Noch ist wenig bekannt über Amazons angekündigte Serie Black America. Was bekannt ist, macht jedoch klar, dass auch Black America seine Geschichte im Geist dieser selbstbewussten schwarzen Perspektive erzählen will. Und tatsächlich ist das Spannende an der Alternativwelt von Black America ihr utopisches Potential: Dass der fiktive schwarze Staat "New Colonia" explizit als Resultat von Reparationsleistungen seitens der Südstaaten eingeführt wird, knüpft die Prämisse von Black America eng an den radikalen politischen Diskurs. Reparationen für das Unrecht der Sklaverei sind ein Kernanliegen der Black-Lives-Matter-Bewegung. Ta-Nehisi Coates hat diese Forderung in einem langen Gespräch mit dem scheidenden Präsidenten Barack Obama vertreten. Coates tat dies in dem Wissen, dass eine solche materielle Wiedergutmachung immer Utopie bleiben muss, weil sie politisch nicht umsetzbar ist, nicht einmal durch den ersten schwarzen Präsidenten. Wenn man sie wortwörtlich ins Deutsche übersetzt, sind Utopien bekanntlich Nichtorte. Orte, die es in unserer Welt nicht gibt. Vielleicht kann man sie auf den Landkarten der Alternativwelt finden.