Ein Künstlerkollektiv hält die Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz seit Freitag besetzt, um gegen Gentrifizierung zu demonstrieren. Die Aktivisten hängten ein Transparent mit der Aufschrift "Doch Kunst" über den Eingang des Theaters und verschlossen die Türen mit Ketten. Eine Sprecherin der Besetzer sagte, in der Volksbühne solle ein Anti-Gentrifizierungsszentrum und ein Parlament der Wohnungslosen entstehen. Berlin sei in den vergangenen Jahren der "Verwertung des Kapitals" ausgesetzt worden. 

Auf Flugblättern kündigten die Aktivisten eine "dauerhafte Übernahme des Hauses als eine darstellende Theaterperformance" an. Für die kommenden drei Monate seien Gastspiele, Festivals und Tagungen anberaumt. Auch hätten die Aktivisten, die sich selbst "Staub zu Glitzer" nennen, eine Stiftung und einen Verein zur Umsetzung ihrer Ziele gegründet.

Räumung der Volksbühne ist derzeit nicht geplant

Die Kassen im Theater blieben vorerst geschlossen, teilte die Volksbühne mit. Den Mitarbeitern sei die Arbeit dort unter den aktuellen Umständen nicht zuzumuten. Der Intendant Chris Dercon sagte: "Sollte die Besetzung am Montag noch andauern, sind wir gezwungen, den Probenbetrieb an der Volksbühne einzustellen." Eine Räumung sei derzeit nicht geplant. Die bisherigen Gespräche zwischen Volksbühne, dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und den Aktivisten waren ohne Ergebnis geblieben.

Die Mitglieder des Künstlerkollektivs erklärten, bei der Aktion stehe nicht die Person des neuen Intendanten im Fokus. Der Belgier Dercon hatte die Intendanz nach einem Vierteljahrhundert von Frank Castorf übernommen und gilt als nicht unumstritten. Kritiker äußerten wiederholt die Sorge, dass der ehemalige Direktor der Tate Modern in London die Volksbühne zu einem kommerziellen Eventtheater umgestalten könnte.

Aktuell finden Aufführungen der Volksbühne auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Im Haus am Rosa-Luxemburg-Platz sollen ab November Vorstellungen zu besuchen sein. Die Berliner Volksbühne war 2017 wie auch im Vorjahr zum Theater des Jahres gewählt worden.