Polizeibehörden in New York und London ermitteln gegen Harvey Weinstein wegen des Vorwurfs des sexuellen Übergriffs. Die Londoner Polizei untersucht nach britischen Medienberichten einen Vorfall aus den 1980er-Jahren. Die New Yorker Polizei ermittelt in einem Fall aus dem Jahr 2004. Etliche Schauspielerinnen und Firmenangestellte hatten vergangene Woche in der New York Times massive Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen den US-Filmproduzenten erhoben hatten.

Die Polizei von London teilte mit, ihr sei ein Vorwurf von der Polizei in Merseyside im Nordwesten Englands gemeldet worden. Ermittler des Teams für Sexualstraftaten würden sich damit befassen. Weiter hieß es, der Vorwurf betreffe "einen angeblichen sexuellen Übergriff in der Londoner Gegend in den 1980ern". Die britische Polizei nennt die Identität von Verdächtigen nicht, die noch nicht offiziell beschuldigt wurden. Britische Medien berichteten, der mutmaßliche Täter sei Weinstein.

In New York untersucht die Polizei, ob es zusätzliche Beschwerden und Hinweise zu dem Thema gibt. Nach Informationen der Zeitung Daily News geht es um den Fall der Schauspielerin Lucia Evans. Sie wirft Weinstein vor, er habe sie unter einem Vorwand in ein Hotelzimmer gelockt und zum Oralsex gezwungen. Evans gehört zu einer Gruppe von drei Frauen, die Weinstein laut Recherchen des Magazins New Yorker der Vergewaltigung beschuldigen.

New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance war zuvor unter Druck geraten, weil sein Büro Weinstein 2015 nach Ermittlungen nicht angeklagt hatte. Bei den verdeckten Ermittlungen entstand auch eine Tonaufnahme, in der Weinstein beim Versuch zu hören ist, das Model Ambra Battilana Gutierrez in sein Hotelzimmer zu locken. Am Tag zuvor soll er sie mutmaßlich begrapscht haben.

Oscar-Akademie berät über Ausschluss Weinsteins

Die Oscar-Akademie in Los Angeles teilte mit, sie werde bei einer Dringlichkeitssitzung über den möglichen Ausschluss von Weinstein beraten. Das Weinstein vorgeworfene Verhalten sei "widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht", zitierte der Hollywood Reporter aus einem Statement.

Die Akademie verleiht jährlich die Oscars, die als höchste Auszeichnung der Filmbranche gelten. Weinstein ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des Verbands. Seine mit den Miramax-Studios und der Weinstein Company produzierten Filme wurden von der Academy mit insgesamt 81 Oscars ausgezeichnet. Zuvor hatte bereits der britische Filmverband Bafta Weinsteins Mitgliedschaft ausgesetzt. Das Filmfestival Cannes, wo Weinstein seit Jahren zu den bekanntesten Gästen zählt, zeigte sich in einer Mitteilung "bestürzt" über die Vorwürfe.

Wegen des Skandals war Weinstein am vergangenen Wochenende von seinem Filmstudio entlassen worden. Die Weinstein Company teilte mit, sie habe nichts von den Vorfällen gewusst. Doch die New York Times berichtete unter Berufung auf einen Anwalt Weinsteins, er habe sich außergerichtlich mit drei oder vier Frauen geeinigt, damit diese über die Vorfälle Stillschweigen bewahrten.