Die Untersuchungen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein erreichen erstmals Hollywood: Die Polizei von Los Angeles hat nach eigenen Angaben Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen Weinstein eingeleitet. Die Polizei habe ein mutmaßliches Opfer Weinsteins befragt, das Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhoben habe, erklärte der Polizeisprecher Sal Ramirez. Nähere Angaben zu dem Vorfall machte Ramirez mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht.

Der Los Angeles Times zufolge soll es sich um eine 38-jährige Schauspielerin aus Italien handeln. Demnach soll die Frau angegeben haben, 2013 in einem Hotel in Beverly Hills sexuell missbraucht worden zu sein. Sie schildert dem Blatt zufolge, dass sie Weinstein kurz bei einem italienischen Filmfest in Los Angeles gesprochen habe. Danach sei er "ohne Warnung" in der Lobby ihres Hotels erschienen. Er habe auf ihr Zimmer kommen wollen, doch sie habe Nein gesagt. Er habe dann an ihre Tür geklopft und gesagt, er wollte nur mit ihr sprechen, sagte die Frau. Dann sei er "sehr aggressiv" geworden. Er habe sie ins Badezimmer gezogen und dort vergewaltigt. "Als er ging, hat er so getan, als sei nichts passiert", schilderte die Frau.

Weinstein könne sich zu anonym geäußerten Beschuldigungen nicht äußern, schrieb seine Sprecherin Sallie Hofmeister in einer Stellungnahme. Der 65-Jährige weise die Vorwürfe des nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakts aber deutlich zurück. Mehr als 40 Frauen haben sich in den vergangenen Tagen mit Vorwürfen von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen den Hollywood-Mogul zu Wort gemeldet. Auch die Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie werfen Weinstein sexuelle Belästigung oder Missbrauch vor.

Harvey Weinstein - Oscar-Akademie schließt Starproduzenten aus Wegen zahlreicher Vorwürfe der sexuellen Belästigung wurde Harvey Weinstein von der Oscar-Akademie ausgeschlossen. Er verdiene den Respekt seiner Kollegen nicht, zudem sei es ein Zeichen gegen das Wegschauen in der Filmbranche, so die Akademie. © Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Tarantino hat von Vorfällen gewusst, aber nichts unternommen

Der Filmregisseur Quentin Tarantino gab an, von einigen Vorfällen des unangemessenen Verhaltens von Weinstein gewusst zu haben. Er bereue, nicht mehr dagegen unternommen zu haben, sagte Tarantino in einem Interview mit der New York Times. "Ich wusste genug, um mehr zu unternehmen, als ich tat." Er habe aus erster Hand von Weinsteins Verhalten durch die US-Schauspielerin Mira Sorvino erfahren, mit der Tarantino zu dieser Zeit eine Beziehung führte. Auch eine zweite Schauspielerin, deren Namen er nicht nannte, habe ihm davon berichtet. Der Regisseur arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Weinsteins Produktionsfirma zusammen. Es sei unmöglich gewesen, dass jemand, der sich im näheren Kreis um Weinstein aufhielt, nicht von mindestens einem Vorfall gehört hatte, sagte Tarantino.

Die Polizei in London erwägt nach britischen Medienberichten ein Ermittlungsverfahren gegen den Produzenten. Scotland Yard bestätigte, dass die Polizei den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs prüfe, der von den Kollegen in Liverpool weitergeleitet worden sei. Es handele sich um einen Vorfall aus den Achtzigerjahren. Die New Yorker Polizei kündigte an, sie wolle eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 neu aufrollen.