Auszeichnung - Nobelpreis für Literatur geht an Kazuo Ishiguro Die schwedische Akademie in Stockholm ehrt den britischen Schriftsteller für seine Werke. Seine Romane seien von großer emotionaler Kraft. © Foto: Alastair Grant/AP Photo//dpa

Der Nobelpreis für Literatur geht an den britischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro. Der 62-Jährige wird für "seine Romane von starker emotionaler Kraft" ausgezeichnet, wie die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekanntgab. Er lege darin den Abgrund unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt bloß.

"Ishiguros Werk ist geprägt durch eine vorsichtige Form des Ausdrucks, die unabhängig ist von den Ereignissen, die es erzählt", schrieb das Komitee in einem Brief nach der Bekanntgabe. "Gleichzeitig enthält seine neueste Prosa fantastische Elemente."

Ishiguros bisheriges Schaffen umfasst acht Romane und mehrere Drehbücher. Seine ersten beiden Werke, Damals in Nagasaki (1982) und Der Maler der fließenden Welt (1986), befassen sich mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die japanische Gesellschaft. Für Was vom Tage übrig blieb erhielt er 1989 den Booker Prize. 1993 wurde der Roman verfilmt mit Emma Thompson und Anthony Hopkins in den Hauptrollen. Auch Alles, was wir geben mussten kam ins Kino, besetzt mit Keira Knightley und Andrew Garfield. Sein jüngster Roman heißt Der begrabene Riese und ist 2016 auf Deutsch erschienen.

"Kreuzung aus Jane Austen und Frank Kafka"

Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro wusste noch nichts von seiner Auszeichnung, als sein Name in Stockholm verkündet wurde. Sie habe ihn zuvor nicht erreicht, sagte die Jury-Chefin Sara Danius. Sie beschreibt Ishiguro als brillanten Romanautor. Er sei "eine Kreuzung aus Jane Austen und Franz Kafka", ein sehr authentischer Schriftsteller, der seine eigene Ästhetik entwickelt habe.

2013 war er einer von rund 500 Autoren, die mit einem internationalen Aufruf gegen "die systematische Massenüberwachung" in der digitalen Welt protestierten.

Geboren wurde der Autor in Nagasaki, seine Familie zog nach Großbritannien, als er fünf Jahre alt war. Sein Geburtsland sah er erst 1989 wieder. Während seiner Schulzeit trat er als Gitarrist, Pianist und Sänger auf und wollte Popmusiker werden. Musik ist bis heute sein Hobby. Nach dem Abitur arbeitete Ishiguro unter anderem als Jagdhelfer der Königinmutter auf Schloss Balmoral in Schottland und trampte dann durch die USA und Kanada. In den späten Siebzigerjahren schloss Ishiguro ein Studium in Englischer Philologie und Philosophie an der Universität Kent ab. Bevor er sich ganz dem Schreiben widmete, war er als Sozialarbeiter unter anderem in einem Obdachlosenasyl aktiv. 1982 wurde er britischer Staatsbürger.

Heute lebt er mit seiner Familie in London. Schon 1995 zählte die International Herald Tribune Ishiguro zu Englands besten Romaschriftstellern. Im selben Jahr wurde er zum Officer des Order of the British Empire ernannt, drei Jahre später zum Ritter des Ordre des Arts et des Lettres geschlagen. 

Die Auszeichnung von Kazuo Ishiguro ist eine Überraschung, tauchte sein Name doch bisher nicht im oberen Feld der Wettlisten auf. 2016 hatte sich die Nobelpreis-Jury für den Musiker Bob Dylan entschieden und mit dieser Wahl so viel Aufsehen erregt wie selten zuvor. Der Nobelpreis ist in diesem Jahr mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotiert.