Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs. Oder führt Schuluniformen ein, nehmt das Thema Kleidung durch Vereinheitlichung aus dem Fokus und schützt die Jugendlichen vor falscher Aufmerksamkeitsführung.

Filmemacher: Produziert Filme mit Frauenfiguren, die nicht gut aussehen und trotzdem Sympathieträger sind. Es gibt ja mittlerweile durchaus starke Frauenfiguren in Filmen, aber sie sehen durchgehend blendend aus. Männliche Filmhelden tun das natürlich auch meistens, aber hier ist das immerhin kein sine qua non: Es gibt männliche Figuren, die sich nicht durch körperliche Attraktivität auszeichnen und doch positive und prominente Rollen spielen. Wir brauchen Frauenfiguren, die genauso sind – Frauen, die nicht schön und nicht sexy sind und doch sympathisch, energisch, spritzig; Frauen, die zeigen, dass eine Frau mit anderen Qualitäten punkten kann als mit Aussehen.

Und noch eine Warnung an die weiblich-selbstbewussten Frauen, die jetzt sagen: "Ich kann beides, Leistung bringen und gut aussehen, und wer denkt, dass sich das ausschließt, ist Opfer seiner Vorurteile." Im besten Fall läuft das auf eine Doppelbelastung von Frauen hinaus, wie wir sie am Punkt "Kinder und Karriere" schon kennen und fürchten gelernt haben: Es lässt sich eben nicht einfach problemlos beides nebeneinander machen, sondern wer beides macht, bezahlt mit einem insgesamt gesteigerten Stresslevel. Dieselbe Doppelbelastungsgefahr droht auch in puncto "Karriere und Gutaussehen". Mädchen und Frauen dürfen zwar jetzt auch in Sachen Leistung voll ran, ohne aber in Sachen Aussehen dafür entlastet zu werden.

Natürlich kann das Kunststück eines solchen Mehrfacherfolgs im Einzelfall gelingen, mit Glück und günstigen Voraussetzungen in Natur, Umfeld, finanziellen Ressourcen. Aber dass das zu einem gesellschaftlich normalen, erwartbaren Lebensmodell für Frauen insgesamt generalisiert werden kann, ist ins Reich der Märchen zu verweisen. Dass die durchschnittliche Frau ihr dann ja sogar dreifaches Paket aus "Beruf/Karriere", "Kinder/Familie/Haushalt" und "Aussehen" mit ebenso hoher Erfolgsquote gestemmt bekommt wie der durchschnittliche Mann sein in manchen Punkten deutlich entlastetes Paket, ist eine soziologische Milchmädchenrechnung.

Burka für alle oder für keinen

In der #MeToo-Debatte lassen gehässige Kommentatoren verlauten, die beste Lösung sei doch eigentlich die Burka, denn Frauen in Burka würden generell eher selten belästigt. Die in diesem Artikel ausgebreitete "Ohne mich!"-Position kann von übelwollenden oder begriffsstutzigen Lesern als eine Art Burka-Empfehlung aufgefasst werden, nur dass statt Burkas zugeknöpfte Blusen und weite Hosen empfohlen werden.

Wer so denkt, hat das Problem nicht verstanden. Der Punkt ist nicht, dass Frauen sich mehr bedecken sollen, dass sie weniger freizügig sein sollen in irgendeinem absoluten Sinn. Der Punkt ist, dass Freizügigkeit und Blickoffenheit symmetrisch verteilt werden sollen. Entweder alle tragen schützende Kleidung, die Beine und Brust bedeckt und einen Zentimeter Spielraum zwischen Haut und Stoff lässt, oder keiner trägt sie. Entweder alle tragen die Erkennungszeichen ihres Körpers sichtbar in die Welt – wohlgeformte oder schlaffe Brüste, glatte oder behaarte Haut, elegante oder ungestalte Beine, straffe oder schlappe Hintern, flache oder gewölbte Bäuche –, oder keiner tut es. Die strukturelle Asymmetrie, dass nur Frauen dies tun müssen und tun wollen, ist zu beenden. Ihr ist der Konsens zu kündigen.

Männer und Frauen, Kollegen und Kolleginnen: Glaubt ihr, Frauen könnten kein Vergnügen daran haben, in langweiligen Meetings den Blick in Männerausschnitte wandern zu lassen oder hautenge Männerhosen daraufhin zu beobachten, ob sie im Schritt eine unangemessene Wölbung zeigen? Das Abgleiten vom beruflich-sachlichen Fokus auf privat-animalische Interessen ist eine Möglichkeit für alle, nicht bloß für die "natürlicherweise" als Jäger und Beutemacher gebauten Männer. Nur sind die Gelegenheiten dafür ungleich verteilt. Wenn sie symmetrisiert würden, würde damit auch sexuellen Übergriffen, die sich von dieser Asymmetrie nähren, der Boden entzogen.