#MeToo muss in den Häkelkurs

Wussten Sie, dass etwa 70 Prozent der Deutschen nicht in einer Großstadt leben? Was glauben Sie, wie #MeToo dort ankommt? Ich frage mich das, weil ich in meiner ostdeutschen Heimat oft erlebt habe, zu welchem Widerstand Debatten führen, die als elitär wahrgenommen werden.

Wie soll ich einem Mann dort journalistische Texte erklären, die behaupten, ausnahmslos alle Männer seien in sexistische Übergriffe verstrickt? Überhöre ich die Stimmen ostdeutscher Frauen und Männer, die darauf hinweisen, dass es auch beim Sexismus mindestens zwei deutsche Prägungswelten gibt? Oder gibt es diese Stimmen nicht? Und wie erkläre ich einem weißen Mann, dass sich die Debatte nur um weiße Männer dreht, obwohl Täter offenkundig aus allen Milieus kommen?

Ja, #MeToo ist eine Massenbewegung, allerdings nur eine potenzielle. Die Reaktionären giften schon, #MeToo sei nichts als eine linke Minderheit bei Twitter, die versuche, anderen ihre fragwürdigen Ideale überzustülpen.

Niemand sollte die Kraft solcher Erzählungen unterschätzen. Erinnern sich alle, welchen Schaden die Veggie-Day-Kampagne den Grünen zugefügt hat? Bis heute gelten Umweltschützer vielen als Autoritäre, die den Menschen ihre Entscheidungsfreiheit rauben wollen. Ich befürchte manchmal einen Veggie Day für #MeToo. Eine politische Schubumkehr nach dem Motto: Die wahren Frauenfeinde sind die, die gegen Sexismus kämpfen.

Deswegen muss diese Debatte immer breiter werden. Der Versuch, die Auseinandersetzung mit Alltagssexismus als etwas Linkes abzustempeln, muss absurd und aussichtslos werden. Konservative Frauen müssen mitmachen, Menschen auf dem Land, und natürlich Männer. #MeToo gehört auch in den Häkelkurs und ins Vereinsheim.

#MeToo ist eine Befreiung. Aber trotzdem bringt es unangenehme Fragen mit sich. Nicht nur für die Männer. Wenn die niemand beantwortet, wird es Birgit Kelle tun. Christian Bangel, verantwortlich für das Sonder-Ressort #D17 und Chef vom Dienst