Das ist eine seltsame Revolution der Unterdrückten von ganz unten, die da von einem Mitglied der Regierungselite ganz weit oben angeführt wird. Von diesem Schläferagenten einer seltsamen Notgemeinschaft aus "Bürgern, Arbeitern, Volk", der mitten im Zentrum der Meinungsmacht auf seinen Moment gewartet hat und dem in der linksversifften deutschen Pressewelt nur ein unterdrücktes Organ wie die Welt blieb, um seinen Revolutionsaufruf zu verbreiten (die Welt ist so konservativ, dass immer nur ein einziges Exemplar gedruckt wird, das man sich dann im Flüsterton vorliest, auswendig lernt und im Flüsterton weiterverbreitet).

Alexander Dobrindt hat eine Vision: Deutschland! Als Land für alle, aber nur für alle, die so sind wie "wir". "Wir" haben Kreuze in den Klassenzimmern und geben Frauen die Hand, und alles andere ist ein Angriff auf "Wir", "Heimat", "Leitkultur", und daher "Scharia" und kommunistischer oder islamistischer Kollektivismus. "Wir" täten die anderen schon mögen, auch wenn sie ganz anders sind als "wir", aber nur, wenn sie so werden wie "wir". Unterwerfung! Und "wir" lassen uns Weihnachtsmärkte nicht in Wintermärkte umbenennen, auch wenn das nie passiert und eine nachgewiesene Rechtsradikalen-Ente ist, egal, das ist jetzt "unsere" Ente, auch die Ente ist jetzt Heimat, per Deklaration des CSU-Revolutionszentralkomitees vom 4. Januar 2018.

Konservatives Revolutionscrack

Dieser Text ist ein Zeugnis von hoher intellektueller Verkommenheit. Zur Aufnahme der neuen Groko-Verhandlungen ist er des Autors persönliche bayrische Leitkulturerklärung, ein mutiger neuer Schritt im Wettrennen der anti-elitären bürgerlichen Arbeitervolksparteien, sich rechts von der AfD zu positionieren: CSU-Recht für alle, Grundgesetz nur noch in den Grenzen des CSU-Rechts, weißblaue Mia-san-mia-Scharia.

Was aber, sehr geehrter Revolutionsführer Dobrindt, ist mit den Bürgerinnen und Bürgern unseres schönen Landes, die gerade keinen konservativen Revolutionsbedarf haben? Mit den Menschen, die selber denken möchten, mit Menschen, die Mut genug haben, ihre persönliche Verunsicherung nicht zum politischen Programm zu erheben oder die vielleicht gar nicht verunsichert sind, mit Menschen, bei denen der Ruf des Muezzin vielleicht gar nicht die vorschriftsmäßige Angst auslöst, sondern Neugier auf fremde, bestimmt vielschichtige Kulturen, mit Menschen, die sich ehrlich eingestehen, dass man auf circa 99 Prozent der Fläche unserer schönen Heimat auch einfach nie einen Muezzin rufen hört, es sei denn, man hat zu viel konservatives Revolutionscrack geraucht? Mit den Menschen, die das Grundgesetz, die Religionsfreiheit, ihre eigenen Freiheitsrechte und die anderer ernst nehmen, den Menschen, die nicht verbiestern und vergreisen wollen und denen es vielleicht nicht genügt, mit Ihnen, Herr Dobrindt, die Kreuze in den Klassenzimmern abzustauben? Sie alle möchten nun wissen, was sie tun sollen. Wo sie hinsollen. Sie brauchen Halt, sie brauchen Führung, sie brauchen einen guten Hirten, damit sie nicht verzweifeln.

Und alles, was sie sehen, ist der Hintern eines bräsigen, selbstzufriedenen, aus keiner Not geborenen welt-, gegenwarts- und freiheitsfeindlichen Hyperkonservativismus, der die Sonne verdunkelt, sich über sie senkt, bevor er sich hinsetzt und sie erstickt.