Was wäre gewesen, denke ich mir, hätte man sich anstelle der schwarzen Roben, welche die Damen in einen dunklen Glanz tauchen, für Turnschuhe und Jeans entschieden, für Joggingklamotten und für keinerlei Versuche, sich schöner zu machen, als man es ohnehin ist. Wie wäre es, eine Nicole Kidman oder eine Laura Dern in Joggingklamotten zu sehen – wären sie nicht schön und interessant genug, wären sie es nicht wert, dass man sie feiert, für das, was sie leisten, für das, was sie sind?

Welche Geschichten wollen wir erzählen? Wir Frauen. Welche Geschichte soll die des kleinen Mädchens sein? Was nützt die ganze #MeToo-Bewegung, wenn wir weiterhin davon erzählen wollen, dass es nicht ausreicht, eine Frau zu sein, eine Schauspielerin, eine Ärztin, eine Gärtnerin, eine Kellnerin, eine Mutter, eine Tochter, eine Schwester, eine Hebamme, eine Pilotin, eine Wissenschaftlerin und so weiter. Dass man bei all dem immer schön sein muss. Dass ein Mensch zu sein, nach wie vor nicht ausreicht, wenn man eine Frau ist.

Mag sein, dass Hollywood kein Maßstab für die Normalsterblichen ist. Dass es dort stets darum gegangen ist, aus Seifenblasen Realitäten zu erschaffen. Aber Hollywoods Protagonisten wollen ja unbedingt an die Realität anknüpfen, davon sprechen sie ja unentwegt. Allerdings propagieren und feiern sie Freiheit, wo keine ist. Die Fassade wird am deutlichsten sichtbar, sobald sie an ihr zu rütteln beginnen. Mit dem glanzvollen Gerede von "Time's up" verhält es sich ungefähr so wie mit einer manisch Kalorien zählenden, sportsüchtigen Freundin, die immerwährend predigt, jeder Körper sei schön.

Es ist traurig, dass diese Frauen, die da oben stehen und die allesamt talentiert und klug sind, sich der Macht nicht bewusst sind, die sie hätten, würden sie sich nicht auf ihre Schönheit und ihre Chanel-Roben berufen, sondern in erster Linie auf ihr Können. Und mit diesem Können könnten sie wirklich so vieles in Bewegung setzen, so viel ändern.

Aber solange sie dies nicht tun und sich stattdessen dafür feiern lassen, dass sie ach so mutig und dabei ach so schön sind, wird die kleine Zuschauerin nur die immerwährende Geschichte von dem Mädchen erzählt bekommen, das auszog, um es von der Tellerwäscherin zur Millionärin zu bringen, wenn es denn schön genug dafür ist.

Ich würde dem Mädchen vor dem Fernseher diese Geschichten gern ersparen. Ich würde mir wünschen, dass es nie ein #MeToo formulieren muss. Weder wegen männlicher Allmachtsfantasien noch infolge des alles bestimmenden Schönheitswettbewerbs.