Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will eine Anlaufstelle für Opfer sexueller Übergriffe in der Kreativbranche finanzieren. "Die Betroffenen brauchen einen geschützten Raum, in dem sie sich anonym und ohne Angst vor negativen Folgen offenbaren und beraten lassen können – auch rechtlich", sagte Grütters in einem Gespräch vor dem Start der Berlinale mit der Deutschen Presse-Agentur. "So ein Hilfsangebot darf nicht am Geld scheitern. Wir bieten an, das für den Kulturbereich anzuschieben und für drei Jahre zu finanzieren."

Die CDU-Politikerin hat eigenen Angaben zufolge bereits mit Spitzenvertretern aus den Bereichen Film, Theater, Tanz und Musik gesprochen. "Ich wünsche mir, dass wir das Projekt branchenübergreifend auf den Weg bringen. Denn das Problem betrifft viele Berufe, gerade solche, die künstlerisch mit Körper und Seele arbeiten. Es geht um ein asymmetrisches Machtverhältnis zwischen denen, die Aufträge und Rollen vergeben, und denen, die darauf angewiesen sind."

Die #MeToo-Debatte um sexuelle Gewalt und Diskriminierung war durch Vorwürfe gegen Filmgrößen wie Harvey Weinstein ins Rollen geraten. In Deutschland gab es ähnliche Anschuldigungen, unter anderem gegen Regisseur Dieter Wedel. Zum Teil liegen die Erlebnisse jahrzehntelang zurück. 

Nach Ansicht von Grütters zeigt das, wie schwer es den Opfern falle, sich zu wehren und erst recht die Täter anzuzeigen. "So bitter es sein mag: Offenbar sind bei den Betroffenen die Angst, die Scham und die Demütigung so groß, dass sie nicht den Mut haben, sich zu offenbaren. Hier wollen wir mit einer unabhängigen Anlaufstelle helfen."

Mehr Frauen in Regie und Produktion

Dringlich sei nach Ansicht von Grütters aber auch eine bessere Vertretung von Frauen in den bisher stark männergeprägten Berufsbereichen wie Regie und Produktion. "Je mehr Frauen in den relevanten Positionen sind, umso weniger wird es diese asymmetrischen Machtkonstellationen geben. Das eine hängt mit dem anderen zusammen", sagte sie. Durch Quotenvorgaben seien zumindest in den Fördergremien inzwischen 30 Prozent Frauen vertreten, in anderen Bereichen gebe es aber nach wie vor enormen Nachholbedarf.

Gleichwohl sind deutsche Filme erfolgreich. "Nach vorläufigen Schätzungen könnte der Marktanteil für 2017 auf rund 24 Prozent steigen. Das wäre mehr als 2016 und damit ein Zeichen, dass wir mit unserer Förderpolitik richtig liegen", sagte die CDU-Politikerin. Besonders freue sie, dass sich im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb gleich vier deutsche Filme um den goldenen Bären bewerben. Mit Tom Tykwer steht ein deutscher Regisseur der Jury vor.

Noch keine Entscheidung über die Leitung der Berlinale

Zur künftigen Leitung des Festivals äußerte sich die – voraussichtlich auch in der neuen Legislaturperiode zuständige – Staatsministerin nur zurückhaltend. Selbst die Frage, ob in der Nachfolge des langjährigen Direktors Dieter Kosslick eine Doppelspitze kommt oder eine Einzelpersönlichkeit, ist ihren Angaben zufolge noch nicht entschieden. "Das hängt sehr von den Kandidaten ab", sagte sie. "Es wird sicher solche geben, die sich derart vielfältige Aufgaben lieber mit einem Partner teilen. Es gibt aber vielleicht auch jemanden, der alles in einer Hand behalten möchte." Kosslicks Vertrag läuft im Mai 2019 nach dann 18 Jahren aus.