Der umstrittene Intendant der Berliner Volksbühne, Chris Dercon, gibt seinen Posten auf. Nach Angaben der Kulturverwaltung haben sich Senator Klaus Lederer und der Belgier einvernehmlich darauf verständigt, die Intendanz mit sofortiger Wirkung zu beenden. Wie die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier berichten, wurde diese Entscheidung offenbar bereits Anfang der Woche getroffen.

"Beide Parteien sind übereingekommen, dass das Konzept von Chris Dercon nicht wie erhofft aufgegangen ist und die Volksbühne umgehend einen Neuanfang braucht", heißt es in der Erklärung. Mit der Einigung gebe es nun die Chance für "diesen notwendigen Neustart". Laut Senator Lederer von der Linken soll zunächst der designierte Geschäftsführer der Volksbühne, Klaus Dörr, den Posten des Intendanten kommissarisch zu übernehmen.

"Notwendiger Neustart"

Vom Theater gab es dazu zunächst keinen Kommentar. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat die Theaterleitung für diesen Vormittag eine interne Mitarbeiterversammlung angesetzt. Eine Pressekonferenz soll es laut eines Sprechers nicht geben.

Dercon war im Dezember 2015 zum Nachfolger des langjährigen Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf berufen worden und seit 2017 für das Programm des Theaters verantwortlich. Die Entscheidung für den Belgier war in Berlin sehr umstritten: Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volksbühne sowie große Teile der Berliner Kulturszene hatten den neuen Intendanten und seine Pläne für die Entwicklung des Hauses abgelehnt.

Events statt Schauspielkunst?

Die ersten Inszenierungen unter der Intendanz des 60-Jährigen kamen bei Publikum und Kritik sehr gemischt an. Kritiker werfen Dercon vor, die Volksbühne als Ensemble-Theater zu zerstören und aus der Traditionsbühne eine "Eventbude" im Rahmen eines austauschbaren Festivalbetriebs zu machen. Vorübergehend wurde die Volksbühne sogar besetzt.

Kultursenator Lederer bezeichnete die "persönlichen Angriffe und Schmähungen aus Teilen der Stadt" in seiner Erklärung als inakzeptabel. Solche Formen der Auseinandersetzung seien "unwürdig und entbehren jeder Kultur".

Chris Dercon - Woher kommt der Hass in der Berliner Kulturszene? Der umstrittene Volksbühnen-Intendant Chris Dercon über Mobbing in der Kulturszene und Einmischung der Politik in die Kunst. Ein Videointerview © Foto: Jan Lüthje