Harald Schmidt Die Show als AccessoireSeite 2/2

Trotz guter Momente: Ein intellektueller Spaß ist die Sendung selten. Beinahe nichts geschieht spontan. Man kann Schmidt nicht beim Denken zuschauen, er hat sich ja vorher schon alles überlegt.

In der Summe ist die Sendung so verschroben, fast dadaistisch, dass man ihr eigentlich den Sendeplatz von Alexander Kluge mitten in der Nacht wünschen muss, falls der noch mit seiner Prime Time auf Sendung ist. Wenigstens wünscht man Schmidt ein paar Atemzüge mehr.

Dass er den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erfüllen wolle ist Unsinn, so wie es eine Fehlinterpretation ist, die Sendung richte sich an Intellektuelle. Beides wird gerne geglaubt, vermutlich lacht Schmidt sich darüber genüsslich ins Fäustchen. Es sei ihm gegönnt.

Seine Show funktioniert wie das Kunstwerk Fountain, das Pissoir von Marcel Duchamp, auf das er in der Sendung mehrfach zu sprechen kommt: Es ist doch alles nur ein Trick. Schmidt als Illusionskünstler schleudert dem Publikum Namen und Stichworte zu. Wer Baudrillard, Foucault oder gar Groys schon einmal gehört hat, der mag sich angesprochen, geschmeichelt und als Teil der vermeintlichen Zielgruppe Bildungsbürgertum fühlen.

Die Show taugt nun wieder als Accessoire, mit deren Schauen man sich schmücken kann wie mit der Zeitung, die man unter den Arm geklemmt durch die Stadt spazieren trägt. Man kann wohl schon die Gespräche in den Bars für das kommende Wochenende voraussagen:

"Schaust Du nun wieder Harald Schmidt?!

"Klar, das ist doch jetzt wieder viel lustiger und anspruchsvoller, wo der Pocher nicht mehr dabei ist."
 

 
Leser-Kommentare
    • KHJ
    • 18.09.2009 um 14:13 Uhr

    Das gestern Abend, nach der langen Sommerpause, wieder der Altmeister des Kabarett und Comedy zu schlug, war für das Deutsche Fernsehn eine Wohltat. Politik und Kultur waren seine Themen, die der auch zum Besten gab.

    Die mehr oder weniger Einmannshow, hat das gehalten, was sie uns versprochen hatten. Es war wirklich ein Feuerwerk der guten Laune im Mief der ARD. Das auch der ''geliebte Ksta'' vorkam, war vor allen die Story eines Buchautor geschuldet. Der Name tut wirklich nichts zur Sache.

    Es bleibt einfach anerkennend zu sagen : Weiter so, bis zum nächsten Donnerstag, Harald Schmidt! Egal was die Zeitungen schreiben!

    Die Brüller:

    ''Einmal hat es richtig gefunkt in diesem Wahlkampf. Das war die Landung von Müntefering in Stuttgart''

    ''Nicht geborene Mütter kriegen nicht geborene Frauen''

    „Die einzige Partei, bei der schon mal ein Spitzenpolitiker vom Himmel gefallen ist''

    ''Ordnungshüter, die ein paar Wildgriller (mit MigraHi) in einem Park ermahnten''

    ''Zahlenterror der drei Spitzenkandidaten der Opposition (Westerwelle, Gysi und Tretin''

    ''Peter-Scholl-Latour'' usw.

    KHJ aus Köln

  1. Stimme dem Kommentar zu. Wesentlich unterhaltsamer war da schon Kurt Krömer im Anschluss an Schmidt. Die Sendung war spürbar lebendig und viel weniger geplant. Natürlich nicht so glatt, taugt also auch nicht als Accessoire. Aber bei Schmidt hab ich nur 2x wirklich gelacht, bei Krömer dagegen sicherlich 1x pro Minute. Köstlich, wie er und Heide Simonis interagieren.

  2. Kleinigkeit am Rande: Ich gehe mal davon aus, dass Trigema-Chef Grupp von der "Alb" und nicht von einer "Alp" gesprochen hat?!
    [ Anmerkung: Vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler inzwischen korrigiert. Die Redaktion/m.e. ]

  3. ...stinklangweilige veranstaltung. noch bestenfalls ein halbes jahr und dann ist sense. lustig wie es herr grupp schafft seinen affen zur besten sendezeit in einer ehemals unterhaltenden sendung zu platzieren.

  4. 5. @KHJ

    ...also die von Ihnen zitierten "Brueller" ueberzeugen mich persoenlich ehrlich gesagt davon, dass ich absolut gar nichts verpasst habe.
    Lauwarme Schmidt-Spruechlein halt.
    Meike Fries' Kommentarartikel trifft's wohl generell schon ganz gut, und exakt so habe ich mir Schmidts Rueckkehr vorgestellt, allen Beteuerungen, er wolle die Latte wieder hoeher legen und sich an Jon Stewart orientieren, zum Trotz.

    • hagego
    • 18.09.2009 um 15:40 Uhr

    Noch scheint nicht wirklich klar zu sein, wer wen wirkungsvoller schmückt: Die ARD den neuen intellektuell eingefärbten Harald Schmidt? Oder eben Harald Schmidt die ehrwürdige Allgemeine Rundfunk-Anstalt Deutschland?

    Herr Schmidt ohne sein bepochertes Schmuddelkind ist wieder zu einer Marke im Segment der Unterhaltung geworden. Endlich vorbei die Zeit, als beide versuchten, jeden Comedian an albernen Verbal-Verrenkungen zu überbieten.

    Was können wir von Schmidt-pur in Zukunft erwarten? Politisches Kabarett? Flachland-Gefühle im Hochland-Gebirge? Anmerkungen eines Clowns? Nachrichten, satirisch verpackt? Oder von allem etwas, also so eine Art "goldenes Kaufhaus-Angebot"?

    Harald Schmidt ist weder Alexander Kluge noch Hans Magnus Enzensberger. Er ist auch nicht Dieter Hildebrandt. Er ist ein Entertainer, der, in Hochform, ein Publikum glänzend unterhalten kann. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Diese Eigenschaft sollte man nicht gering einschätzen. Und es ist zu begrüßen, dass Schmidt seine ex-zotige Zeit hinter sich lassen will.

    Vielleicht wäre es ja spannend, wenn sich beispielsweise Hape Kerkeling, Volker Pispers, Dieter Nuhr (würde Dieter Hildebrandt auch noch wollen? Oder Dr. Ludger Stratmann?) und Harald Schmidt die Donnerstag-Abende der ARD alternierend aufteilen würden?

    Vielleicht könnte Abwechslung verhindern, dass Satire zum Gipfel wortreicher Verpackungen wird.

  5. Harald Schmidt hat mich anfangs überzeugt, nach und nach wurde die Show dann schwächer. Hier und da wurd's nochmal gut, für die Stakkato-Dreier-Runde vor dem Gespräch mit Grupp war ich wohl zu blöd - alles in allem ein passabler Start.
    Bauerfeind hatte leider nicht allzu viel Platz, ihr Talent zu entfalten, was sie zweifelsohne besitzt. Vielleicht täte Schmidt gut daran, ihr bei den nächsten Kino-Tipps nicht dauernd ins Wort zu fallen und zu versuchen, die Pointen zu "klauen".
    Die beste Geschichte, da gebe ich dem Kommentar recht, ging bei dem Tempo der Sendung etwas unter.
    Ich werd's wieder gucken.

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    aber Pointen sind da vermutlich nicht zu klauen (@Bauerfeind)

    aber Pointen sind da vermutlich nicht zu klauen (@Bauerfeind)

  6. Früher bei sat 1 waren die Eröffnungsstatements von Harald Schmidt weltklasse. Sie wirkten spontan, hatten einen aktuellen Bezug (die Sendung lief ja fast täglich), waren teilweise an der Grenze des sog. guten Geschmaks (oder knapp darunter)aber doch pfiffig vorgetragen. Auch in Dikussionssendungen oder Interviews ist Schmidt geistreich und wiklich witzig.

    Einstudierte gags - so auch bei Schmidt - sind langweilig. Und nur weil angeblich intelektuelle Bezüge hergestellt werden, ist dies noch lange nicht witzig. Auch die Schnelligkeit der Sendung, dadurch wird man noch lange nicht zum Schnelldenker, war anstrengend. Mir eine Sendung als Accessoire anzusehen, ist mir zu blöd.

    Hoffentlich überdenkt Schmidt sein Sendungskonzept und spielt wieder seine Stärken aus.

    Anlässlich des Artikels habe ich darüber nachgedacht, wann ich beim TV so richtig gelacht habe: es war der erste Auftritt von Gerhard Schröder nach der verlorenen Bundestagswahl mit Siegerpose. Nach m.E. immer wieder eine Erinnerung wert.

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