Zum Tod von Patrick Swayze Der Schwerelose
Er war ein Hollywoodstar der Achtziger, tanzte durch seine Filme und war kein Mann von Skandalen. Nun ist Patrick Swayze anderthalb Jahre nach seiner Krebserkrankung verstorben.
© MJ Kim/Getty Images

Patrick Swayze (hier in einer Aufnahme von 2005) arbeitete bis zum Ende an seinen Filmprojekten
Männer mit breiten Schultern haben in Hollywood oft Knarren in der Hand. Selten tragen sie auch Ballettschühchen. Patrick Swayze war eine Ausnahme. Als Tänzer, der er seit frühester Jugend war, verband er die stählerne Präsenz seines athletischen Körpers mit einer Dynamik der Lüfte, die noch etwas anderes als Stärke, Kraft und Durchsetzungsfähigkeit in sich trug. "Ich wollte dem Publikum etwas Positives geben", sagte er 1990 über seine Rolle als untoter Banker in Ghost, der aus dem Jenseits mit seiner Verlobten kommunizieren will, "ich wollte, dass die Menschen ihr Leben höher wertschätzen."
Als im Januar 2008 bei Swayze Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde, hatte seine Weigerung, sich von dieser besonders aggressiven Form des Krebses behelligen zu lassen, beinahe etwas Manisches. "Wie soll ich meine positive Einstellung erhalten, wenn die Statistiken mir sagen, dass ich ein toter Mann bin? Ich gehe zur Arbeit", lautete seine Losung. Und er stürzte sich in die Dreharbeiten zu dem Fernsehmehrteiler The Beast. Trotz Chemotherapie und akutem Gewichtsverlust ("Ich gehe durch die Hölle, und ich habe erst den Anfang davon gesehen") stand er als undurchschaubarer Undercover-Ermittler täglich zwölf Stunden vor der Kamera. Und er verkörperte einen Mann, der so tief in seine eigenen seelischen Abgründe gestürzt war, dass er sich mit allem abgefunden zu haben schien, sogar mit der Möglichkeit zu sterben.
Ganz anders Swayze selbst. Der trotzte der Überlebenserwartung zunächst – "Ich bin ein Wunderknabe." Nach einer Lungenentzündung zog er sich mit dem Plan auf seine Pferderanch zurück, seine Autobiografie zu schreiben. Am Montag ist er gestorben, er wurde 57 Jahre alt.
Patrick Swayze schien als Schauspieler eine Passion für Leute zu haben, die auf der Erde und mit der Schwerkraft kein Glück haben. Bei seinem internationalen Durchbruch Mitte der Achtziger als Orry Main in Fackeln im Sturm humpelte er mit zertrümmertem Bein durch die Südstaatenserie, ein gestürzter und damit romantisch eingetrübter Kriegsheld. Er würde keine Sprünge mehr machen können, wie er es zuvor als jugendlicher Rollschuh-Virtuose in Skatetown U.S.A. getan hatte, seinem Spielfilmdebüt 1979. Oder als angehender Eishockey-Profi in Youngblood, der auf dem Eis rasante Pirouetten dreht.
Nicht nur, dass Swayze im Vergleich zu anderen Hollywoodstars seiner Generation höchst sporadisch in die Öffentlichkeit trat, aus seiner schmalen Filmbiografie stechen vor allem Momente schwereloser Leichtigkeit heraus – sei es, dass er in der Ferienromanze Dirty Dancing als mittelloser Tanzlehrer in einen Waldsee steigt, um seinem "Baby" den Zauber intuitiver Bewegungsabläufe spüren zu lassen, einen Zauber, den das Mädchen aus besserem Hause nie wieder vergessen wird, oder dass er sich in „Ghost“ gleich ganz aus der irdischen Welt verabschiedet. Ganz zu schweigen von Gefährliche Brandung, wo er als Anführer einer Surfer-Clique den ultimativen Kick sucht. Obwohl ihn Dirty Dancing und Ghost in die Riege der Blockbuster-Stars aufsteigen ließ, ist Kathryn Bigelows Surf-Thriller von 1991 Swayzes Meisterwerk.
Gegen sein Image als einfühlsamer Frauenschwarm besetzt ist er seinen finsteren Dämonen und dem Wunsch nach spiritueller Erfüllung nie näher gekommen als mit dieser Figur des rücksichtslosen Adrenalin-Junkies Bodhi, der sich seine Abenteuer durch Banküberfälle finanziert. Er reitet riesige Wellen ab, springt aus Flugzeugen, ballert in der Gegend herum und alles in Ballettschuhen. Am Ende der Verfolgungsjagd fragt er den jungen FBI-Agenten (Keanu Reeves), der sich bei seiner Gang als Surf-Anfänger eingeschlichen hatte: "Surfst du noch?" Die Antwort lautet: "Jeden Tag."
Einen charismatischeren Bösewicht hat es im Kino selten gegeben. Mit seinem Gegner durch dieselbe Passion verbunden. Das Leben höher schätzen! Es überhaupt schätzenswert zu machen, war Swayzes Mission. Als Katholik kannte er auch den Preis für das Außergewöhnliche und versuchte, ihm mit Religionen wie dem Bahai-Glauben und dem Buddhismus, aber auch mit Scientology beizukommen. Anfang der Achtziger war er aus Enttäuschung darüber, auf das Image des Teenieschwarms festgelegt zu sein, zum Trinker geworden.
- Datum 18.09.2009 - 11:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Lieber Herr Müller,
sie schreiben "...und versuchte, ihm mit so obskuren Ersatzreligionen wie dem Bahia- Glauben, Buddhismus und Scientology beizukommen".
Was bewegt sie dazu, den Buddhismus als obskure Ersatzreligion zu bezeichnen und in einem Atemzug mit Scientology zu nennen????
Das ist grober Unfug.
Redigiert denn niemand solche Texte?
M.
Wenn man noch nicht einmal weiß, wie man Baha'i schreibt, dann sollte man sich hüten, das als obskur zu bezeichnen.
Das ist wirklich grober Unfug.
Die Qualität hier scheint mir obskur.
Wenn man noch nicht einmal weiß, wie man Baha'i schreibt, dann sollte man sich hüten, das als obskur zu bezeichnen.
Das ist wirklich grober Unfug.
Die Qualität hier scheint mir obskur.
Wenn man noch nicht einmal weiß, wie man Baha'i schreibt, dann sollte man sich hüten, das als obskur zu bezeichnen.
Das ist wirklich grober Unfug.
Die Qualität hier scheint mir obskur.
Sie lehrt einen abrahamitischen Monotheismus eigener Prägung, in dessen Mittelpunkt der Glaube an einen transzendenten Gott, die mystische Einheit der Religionen und der Glaube an die Einheit der Menschheit steht. Die Bahai vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision des sozialen Fortschritts verpflichtet.
So eine Unwissenheit bze. Ignoranz erwartet man von der BILD aber nicht von der Zeit!
Vielleicht hat der Autor auch den Glauben gemeint, der in Bahia ortsüblich ist. Das wäre dann Candomblé. Immerhin sollte man selbst für Autoren der ZEIT die Unschuldsvermutung gelten lassen. :D
Die Nachricht vom Tod des Schauspielers hat in unserer Redaktion offensichtlich zu einer solchen Hektik geführt, dass sich in den Text ein grober Fehler eingeschlichen hat: Der Bahai-Glaube und der Buddhismus sind als "obskur" bezeichnet worden. Das ist natürlich falsch und wir entschuldigen uns ganz aufrichtig dafür, dass wir möglicherweise religiöse Gefühle verletzt haben. Wir sind uns sehr wohl darüber bewusst, dass die Anhänger beider Religionen in keiner Weise mit dem in Zusammenhang gebracht werden können, was das Wort "obskur" nahelegen würde.
... Danke Herr Husmann für ihre Antwort und die Änderung des Textes. Der Tagesspiegel, in dem der wortgleiche Artikel ebenfalls erschienen ist, hat sich bisher nicht entschlossen, den Text zu ändern. Trotz ebenfalls kritischer Kommentare der Leserschaft.
http://www.tagesspiegel.d...
M.
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