Guttenberg trifft Möller Gladiator in Klammern

Ein Mann geht seinen Weg: Ralf Möller trifft sich mit Karl-Theodor zu Guttenberg und spricht über Afghanistan. Wieso eigentlich? Von David Hugendick

Ralf Möller (Gladiator) und Karl Theodor zu Guttenberg (Verteidigungsminister)

Ralf Möller (Gladiator) und Karl Theodor zu Guttenberg (Verteidigungsminister)

Wenn Journalisten der Prominenz einer Person misstrauen, greifen sie zu einer List: Sie hängen ihr eine erklärende Klammer an, die der Prominente fürderhin durch jeden Artikel schleift und die seine Berühmtheit beglaubigt.

Im Fall des Mannes, der am Mittwochabend im Bendlerblock Autogramme gibt, der Karl Theodor zu Guttenberg einen "Wunderminister" nennt und geradeheraus sagt, dass Krieg herrscht in Afghanistan – wer also diesen breitschultrigen, braungebrannten Mann nicht so recht zuordnen kann, dem hilft seit Jahren die Presse auf die Sprünge: "Ralf Möller (Gladiator)." Klar soweit?

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Gladiator (Regie: Ridley Scott) meint einen Actionfilm, von Oscars überschüttet, neun Jahre ist das her. Ralf Möller (Gladiator) spielte darin eine Nebenrolle, schwang das Schwert und schwieg zumeist ergeben, wenn der Hauptdarsteller (Russell Crowe) ins Bild kam. Vielleicht hat das genügt. Und da Journalisten auch etwas Abwechslung brauchen, schreiben sie zuweilen: Ralf Möller (Hollywoodstar). Denn er lebt seit 17 Jahren in Kalifornien (USA), und sobald ein deutscher Schauspieler dort wohnt, heißt es, habe er es geschafft (Yeah).

Er wird eingeladen ins Frühstücksfernsehen , gibt freundlich Auskunft zu gesunder Ernährung (Kohlenhydrate, Gemüse, Proteine), zum Geheimnis des Erfolgs (Mr. Universum 1986) und dem großen Vorbild (Arnold Schwarzenegger). Er spielt in Werbespots für Kleinbusse (VW), reist mit Reportern in seine Heimatstadt (Recklinghausen). Und auch sonst ist ständig etwas los: ob Außenwette ( Wetten Dass...? ), neuer Fernsehfilm (RTL) oder Großkampagne (Du bist Deutschland), Ralf Möller ist dabei, selten mitten drin, aber sichtbar platziert. Falls mal nichts los ist, erfindet er ein Duftset (RM), denn überhaupt keine Action ist doof. Und schon steht in der Zeitung: Ralf Möller (Gladiator) bringt Duftlinie auf den Markt.

Vor vier Jahren ist Möller mal Angela Merkel (CDU) auf der Berlinale begegnet, und er (Möller) unterstützte sie fortan auf ihrem Weg ins Kanzleramt. So steht er wenig später in ihrer Parteizentrale (Konrad-Adenauer-Haus) rum, trifft auch Ursula von der Leyen (Projekt Starke Typen ) und im vergangenen Jahr Franz-Josef Jung, setzt ihn auf einen Cross-Trainer (Puls war gut) und übergibt ihm Fitnessgeräte (30.000 Euro) für die Soldaten in Afghanistan (Krisengebiet). Dort war auch wieder etwas los.

"Mein Beitrag für den Frieden", sagt Möller. Dann sagt er einem Reporter ( BILD ) Bescheid, geht zum Flughafen (Köln), steigt ins Flugzeug (Transall) und bleibt eine Woche (sieben Tage) bei den Streitkräften. Als er wieder kommt, ist er plötzlich Experte. Ein paar Monate später ist Karl-Theodor zu Guttenberg (Baron) Verteidigungsminister. Seitdem er mit Möller (Gladiator), Merkel (Bundeskanzlerin) und Schwarzenegger (Terminator) auf der Cebit (Hannover) gesprochen hat, sei man halt befreundet.

Dann steht man plötzlich im Bendlerblock (Berlin), lädt Presse ein, lässt Kameras (Digital) klacken, und redet Klartext: "Die Soldaten brauchen Fitness" (Möller). Und bei allem Bauch-Beine-Po darf eines nicht vergessen werden: "Viele trauen ihm (Guttenberg) das Kanzleramt zu, auch ich." So dröhnt Möller, und fast klingt er dabei, als wünschte er sich, dass endlich etwas anderes hinter seinem Namen steht. Bereits vor ein paar Jahren ließ er im Spiegel (Nachrichtenmagazin) ausrichten, er könne sich das Ministerpräsidentenamt (NRW) vorstellen. Dann hieße es bald: Ralf Möller (Politiker).

Im nächsten Jahr will Möller mit seinem Freund (Baron) erneut nach Afghanistan. Verständnis wecken für den Einsatz, Truppen fit machen. Wieder in einer Nebenrolle. Und wieder wird es heißen: "Die Fitnessgeräte haben voll eingeschlagen." (Bumm)

 
Leser-Kommentare
  1. Passt irgendwie zu "Prominent ignoriert".....

  2. an den Autor Journalist) für diesen amüsanten Beitrag (Artikel).
    In Zukunft werde ich (Boulevard-muffel) wohl immer lachen müssen wenn ich den Gladiator (Möller) im Fernsehn (Intelligenzvernichter) sehe.

  3. 3. Ralle

    ...in NRW heißt Ralf Möller schlicht und einfach "Ralle" und wer da jetzt denkt, daß der kleine Ralle sich bei Guttenberg beliebt machen möchte... nee, falsch gedacht.

    Genau umgekehrt ist es. Trotz schmaler Strichlippen. Guttenberg möchte über Ralle nach Hollywood. Ein Haus in Malibu würde ihm gefallen und dann so eine kleine Nebenrolle in einem Gladiatorenfilm so als Schildträger oder so, egal...so wird n Schuh draus...

  4. ..da hatte ich ja heute doch noch was zu lachen.

  5. ...VERSENKT !!

    Immer wieder interessant (und in dieser Darstellung äußerst amüsant!)zu erkennen, wie inoffizielle (uns verborgen bleibende) Begegnungen in offiziellen Verbindungen und Engagements aufgehen...

  6. witzige Dinge über Arnold S. (38. Gouverneur von Kalifornien) geschrieben hätten ...
    Wer hätte übrigens je gedacht, dass Angela M. (Physikerin mit Hosenanzug) oder auch Wolfgang S. (Jurist und vergesslich ab 100.00DM) es jemals zu Etwas bringen würden?
    Schon verrückt, diese Welt ...

  7. ...hat das David Hugendick (Journalist).;-))

    Danke.

  8. Es wäre zwar leicht aber auch unfair, Ralf Moeller auf seine Nebenrollen zu reduzieren.

    Was soll das?

    Ist "unser Mann in Hollywood" nur als Nebendarsteller bekannt?

    Keineswegs!

    Dem insbesondere auch im übertragenen Sinne breiten Publikum dürfte nicht die eine oder andere Hauptrolle entgangen sein.

    Gewissermaßen exemplarisch sei hier das cineastische Ausnahmewerk "Hai-Alarm auf Mallorca" erwähnt.

    Und das wird sicherlich nicht das Ende der subalternen Fahnenstange gewesen sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aufgrund begehens grober humorlosigkeit (gelegenheitsarbeiter) musste dieser kommentar ordnungsgemaess (deutsche tugend) und schnellstmoeglich (deutsches pflichtbewusstsein) gemeldet werden.

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