Wie schreibt man eine Rezension des neuen Films von Sophie Marceau und Dany Boon, ohne die Filmtitel La Boum und Willkommen bei den Sch’tis zu benutzen? Ein Versuch: Die französische Schauspielerin Sophie Marceau – ihre Hauptrolle in diesem französischen Teenager-Streifen über eine Fete machte sie über Nacht zum Star – und der französische Komiker Dany Boon (dem Deutschen Publikum bekannt geworden durch diesen lustigen, französischen Postbotenfilm über Dialekte) spielen in Auf der anderen Seite des Bettes das gestresste Ehepaar Ariane und Hugo.

Gestresst vor allem von sich selbst. Denn während Arianes Alltag durch die drei Jobs Hausfrau, Mutter von zwei Kindern und Schmuckverkäuferin überfrachtet ist, leitet Hugo erfolgreich eine Firma im Baugewerbe und zeigt, wenn er abends nach Hause kommt, herzlich wenig Anerkennung für die Leistungen seiner Frau. Nach einem für Ariane besonders ereignisreichen und kraftraubenden Tag stolpert Hugo beim Betreten des Hauses über liegen gebliebenen Bauschutt eines streikenden Handwerkers. Fassungslos fragt er seine Frau: "Was treibst Du eigentlich den ganzen Tag?" – und hat prompt ihre Faust im Gesicht.
Da es sich bei Auf der anderen Seite des Bettes um eine Komödie handelt, wird das Eheproblem jedoch nicht weiter auf gewalttätige, sondern auf gewitzte Weise gelöst: Ariane und Hugo beschließen einen Rollentausch. Er wird Hausmann, sie übernimmt seinen Job in der Baufirma.

Warum es so müßig und gleichzeitig doch erforderlich ist, die beiden Hauptdarsteller ohne ihre Erfolgsfilme zu benennen, wird dem Zuschauer nach Ende des Films klar: Es drängt sich der Verdacht auf, dass man davon ausging, allein durch das bisher einmalige Zusammenspiel der beiden französischen Stars glänzen zu können – und sich darauf dann ausruht. Denn viel mehr – so hart das klingen mag – hat der Film leider nicht zu bieten.

Wenige Gags gehen über Vorhersehbares hinausgehen. Das Unbeschwerte, das Schelmenhafte aus besagter Briefträgerkomödie von Dany Boon sucht man hier vergebens – von Marceaus Standard-Darbietung ganz zu Schweigen. Einzig der Rechtsanwalt Maurice Cantius (Antoine Duléry) vermag durch sein Spiel für ein paar überraschende Momente zu sorgen – oder vielleicht auch einfach nur, weil er ein neues Gesicht ist. Der Maître soll ursprünglich das Problem des besagten streikenden Handwerkers im Haus des Ehepaares lösen, doch als die Rollentausch-Idee reift, laden Hugo und Ariane ihn zum Abendessen ein, und engagieren ihn als Berater und juristische Instanz, der mittels eines Vertrags die neuen Aufgaben der beiden regelt und ihnen zur Seite steht. Nebenbei bändelt er mit Arianes Mutter an.

Hugo seinerseits lässt es mit Arianes bester Freundin Charlotte zu einer Beinahe-Affäre kommen, die dann doch nur in einer Nacktfoto-Session im Bett eines Stundenhotels gipfelt. Ganz im Gegensatz zu Ariane, die Hugo tatsächlich betrügt. Doch all diese Verstrickungen bleiben merkwürdig unerklärt. Weil sie später für den Plot entscheidende Folgen haben, wirkt das Ergebnis etwas plump inszeniert.

Natürlich ergeben sich durch die neuen Lebensweisen der Protagonisten absurde Situationen: Sie mutiert nach anfänglicher Hilflosigkeit sukzessive zum Patriarchen, während er anfängt, sich die Augenbrauen zu zupfen. Als ihr Sohn in der Schule den Klassenraum verunstaltet und die Lehrerin beide Eltern zum Rapport bestellt, ist es Ariane, die – ganz der Mann – ausflippt und Hugo, der mit weiblichen Engelszungen die Situation entschärfen muss. Leider versäumt es die Regisseurin Pascale Pouzadoux solche Szenen auch mit Komik umzusetzen, die über Klamauk hinausgingen.