Die Geschichte hat etwas Märchenhaftes: Ein kleiner Junge aus einem bitterarmen, einsamen Landstrich im Himalaya verlässt seine Heimat, tritt in ein indisches Kloster ein und kehrt nach lehrreichen Jahren als junger Heiliger zurück, um den Menschen Glück und Wohlstand zu bringen. Es ist eine wahre Geschichte und der Berliner Regisseur Martin Hoffmann erzählt sie in seinem Dokumentarfilm Dolpo Tulku, der gerade in den deutschen Kinos angelaufen ist.

Bilder einer gewaltigen Bergwelt, vor deren Kulisse sich die Menschen wie Pünktchen ausmachen. Ein junger Buddhist, der dazu ausersehen ist, einem kleinen, in Armut lebenden Volk Hoffnung und Zuversicht zu geben. Eine Welt voller fremd anmutender Rituale und Traditionen des tibetischen Buddhismus. Der Film nimmt uns auf eine Reise in die Region Dolpo in Nepal mit, eine der abgelegensten Regionen der Welt, abgeschnitten von praktisch allem, was wir so Zivilisation nennen. Das Dolpo ist nur zu Fuß oder auf einem zotteligen Reittier über unwegsame Pässe von mehr als 5000 Meter Höhe zu erreichen. Die Menschen leben hier nicht anders als im Mittelalter: Ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne eine moderne medizinische Versorgung und ohne moderne Kommunikationsmittel, die das Tempo der westlichen Welt bestimmen.

Von hier nahm 1992 ein Großvater seinen Enkel Sherap Sangpo zu einer Zeremonie des Dalai Lama ins nahe gelegene Tibet mit. Dieses beeindruckende Erlebnis besiegelte das Schicksal des kleinen Jungen: Mit zehn Jahren entschloss er sich, ein buddhistischer Mönch zu werden. Nur wenige Monate später wurde er als Reinkarnation eines buddhistischen, hochstehenden Lama, als ein "Tulku" erkannt und in einem indischen Kloster fortan darauf vorbereitet, eines Tages als Auserwählter, als buddhistisches Oberhaupt in seine ferne Heimat Dolpo zurückzukehren.

Als der Filmemacher Martin Hoffmann diesen Auserwählten vor rund zwei Jahren auf einer Reise nach Südindien zufällig kennenlernte, da wirkte der Rinpoche Sherap Sangpo Tulku nicht auffälliger als andere buddhistische Mönche, die in dem Kloster Nandrolung leben. Er präsentierte sich als kleiner, bescheidener, moderner Mann,  der zwei Handys besitzt und gern im Internet surft. Er erzählte Hoffmann von seiner Bestimmung und der bevorstehenden Rückkehr in den Himalaya. Zweifelnd fragte er sich, ob so ein kleiner Mensch wie er die Hoffnungen und Wünsche der Menschen im Dolpo erfüllen könne.

Martin Hoffmann ließ sich daraufhin auf das Abenteuer seines Lebens ein und begleitete die Rückkehr des früheren Hirtenjungen in seine Heimat Dolpo mit einem Kamerateam. Er tat dies, so muss man sagen, wider jede Vernunft: Zu Beginn der Dreharbeiten war die Finanzierung des Films unklar, denn ein wichtiger deutscher Fernsehsender hatte seine Zusage für eine Beteiligung zurückgezogen. Doch Martin Hoffmann entschied sich für das Risiko. Auch das gesamte Produktionsteam war entschlossen, diesen Film zu machen – zur Not zunächst ohne Honorar.