Die amerikanische Schauspielerin Meryl Streep bei den diesjährigen Golden Globe Awards in Beverly Hills, wo sie für ihren Film "Julie & Julia" eine Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie erhielt © Valerie Macon/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Mrs. Streep , wieso sehen wir Sie in letzter Zeit in so vielen Komödien. Haben Sie etwa Ihre komische Seite entdeckt?

Meryl Streep: Ach, ich habe eigentlich schon immer in allen möglichen Filmen mitgespielt. Aber leider ist es ja meistens so, dass man in der allgemeinen Wahrnehmung eher auf das festgenagelt wird, was man am Anfang immer gemacht hat. Bei mir sind das nun mal Dramen. Viel zu bedeuten hat das allerdings nicht. Das zeigen auch meine jüngsten Filme.

ZEIT ONLINE: Alles, was Sie in die Hand nehmen, gelingt Ihnen mit absoluter Perfektion. Was ist Ihr Geheimnis?

Streep: Meine Mutter hat mich einfach nur gut erzogen! Um ehrlich zu sein, haben all die Superlative, mit denen ich gerne beschrieben werde, für mich privat gar keine Bedeutung. Ich bin mir meiner eigenen Fehler und Makel sehr bewusst, und zwar als Mutter, Ehefrau und Schauspielerin! Gerade in meiner Schauspielerei ist es die menschliche Zerbrechlichkeit, die mich am meisten interessiert. Ich bin auf der Suche nach dem, was eben nicht perfekt ist.

ZEIT ONLINE: Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Karrierefrau und fürsorglicher Mutter?

Streep: Zuerst einmal verdanke ich viel meinem großartigen Ehemann. Ich habe diesen sicheren Hafen vor vielen Jahren gefunden, vor über drei Jahrzehnten! In dieser Hinsicht kann ich mich also sehr glücklich schätzen. Was den Rest angeht? Man braucht viel Durchhaltevermögen und Organisationstalent. Mein Leben besteht zu einem großen Teil aus Planungen, Planungen und nochmals Planungen.

ZEIT ONLINE: Was macht Sie glücklich?

Streep:  Man bemerkt irgendwann, dass wirkliche Glücksgefühle meistens durch die simpelsten Dinge hervorgerufen werden: Mir kommen da etwa Liebe, Sex und Essen in den Sinn! Vieles andere – Macht, Einfluss, Stärke – erweckt oft das Gefühl, wichtiger zu sein, aber dem ist nun mal nicht so.

ZEIT ONLINE: Für viele Menschen repräsentieren Sie Stil und Glamour, aber trotzdem scheint Sie Hollywood kalt zu lassen.

Streep: Ich wohne ja noch nicht mal dort.