ZEIT ONLINE: Frau Turanskyj, Ihr Film handelt von einer Frau, die ihren Job verliert und sich durch Berlin treiben lässt. Warum haben Sie ihn Eine flexible Frau genannt?

Tatjana Turanskyj: Der Titel ist ironisch. Mich hat genau das Gegenteil einer "flexiblen Frau" interessiert: nämlich eine Frau, die überhaupt nicht bereit ist, sich den Gegebenheiten anzupassen. Ich wollte die ökonomischen Zwänge unserer Zeit darstellen und wie sie sich gerade auf Frauen auswirken.

ZEIT ONLINE: Inwiefern tun sie das?

Turanskyj: Es wird ja gerne propagiert, Frauen seien die Gewinnerinnen der Krise. Das ist absolut zynisch. Denn warum sind sie das? Weil sie häufig in Berufen mit schlechter Bezahlung unter schlechten Bedingungen arbeiten. Sie sind also flexible Dienstleisterinnen, und das wird als Emanzipation verkauft. Für mich ist das eine konservative Emanzipation – die Bestätigung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse, eine Affirmation des Status quo.

ZEIT ONLINE: Ihre Protagonistin Greta ist 40, Architektin, alleinerziehende Mutter und bewegt sich im Mittelklasse-Milieu. Eigentlich nicht die typische Frau in prekären Verhältnissen.

Turanskyj: Ich habe ganz bewusst eine Frau gewählt, die einen klassischen Beruf in einer eher männlich dominierten Branche ausübt und nicht bereit ist, ihren Status aufzugeben. Außerdem wollte ich das Prekärwerden von Biografien durch unsichere Lebens- und Arbeitsverhältnisse darstellen, was typisch für Berlin und unsere Zeit ist.

ZEIT ONLINE: Warum haben es Frauen Ihrer Ansicht nach immer noch schwerer auf dem Arbeitsmarkt als Männer?

Turanskyj: Das ist eine Frage, die ich selbst nicht beantworten kann und die ich mit meinem Film gerne aufwerfen möchte. In meiner ursprünglichen Drehbuchversion sollte Greta auf eine Stadt der Frauen treffen, die in meiner Vorstellung sehr positiv war. Aber dann dachte ich: Das ist Kitsch, es gibt momentan keine Aufbruchsbewegung. Ich sehe zurzeit auch keine feministische Alternative. Heutzutage gibt es vor allem eine Vereinnahmung verschiedener vulgarisierter feministischer Themen in populären Serien und Filmen, die auf ein weibliches Publikum zielen. Vor allem die der sexuellen Freiheit und der Freiheit, zu tun und zu lassen, was man will. Das ist ein hohes Gut. Und dennoch verdienen Frauen in unserer Gesellschaft im Schnitt 25 Prozent weniger als Männer. Warum? Weil sie in Berufen arbeiten, in denen traditionell schlechter verdient wird oder weil sie in Teilzeit arbeiten.