Der Friseursalon ist ein perfekter Drehort. Nirgendwo sonst kann ein Regisseur so unkompliziert Dialoge streuen, nirgendwo sonst findet sich jeder Zuschauer sofort wieder. In Hollywood-Dramen versammeln sich die Frauen gerne vor Hochzeiten und anderen dramatischen Feiern im "Beauty Salon" und lassen während des Lockendrehens ein Familiengeheimnis platzen. Im französischen Film, etwa in Der Mann der Friseuse, ist der Coiffeur eher ein Ort der Sinnlichkeit und der Verführung. Auf der Berlinale haben sich nun auch zwei deutsche Filmemacher dem Friseursstand gewidmet: die Regisseurin Doris Dörrie mit Die Friseuse und der Filmstudent Christian Hornung mit Glebs Film.

Beide wollen natürlich nicht nur vom Haareschneiden erzählen, sondern von den Berührungen zwischen den Menschen, die dieser Beruf mit sich bringt. Dörries Friseuse, das sieht man schon am ausladenden Hintern auf den Filmplakaten, ist schwer, sehr schwer. Ihre Probleme sind es auch. Der Mann weg, die Tochter feindselig, die Wohnung ein Loch in einem Plattenbau in Berlin-Marzahn. Den versprochenen Job bekommt sie nicht, also macht sie sich als "mobile Friseuse" im Altersheim selbstständig und nimmt während all dem eine Gruppe illegal eingewanderter Vietnamesen bei sich auf. Am Ende erkrankt sie – puh, einmal kurz Luftholen – noch an multipler Sklerose.

Würde Gleb, der Friseur und Hauptdarsteller in Christian Hornungs Kurzfilm, seinen Kundinnen so eine Geschichte vorsetzen, die alten Damen würden unter ihren Lockenwicklern missbilligend mit der Zunge schnalzen und sagen: "So ein Blödsinn."

Glebs Film, das sind eigentlich zwei Filme in einem. Im Grunde genommen sieht man eine knappe halbe Stunde lang nur, wie der Friseur Haare schneidet und von dem Drehbuch erzählt, das er gerne schreiben würde. Darin geht es (wieder) um eine extrem übergewichtige Frau, die mit einem sozial verwahrlosten Ex-Polizisten verkuppelt werden soll. Vermittler ist – natürlich – ein Friseur.

Kino - Doris Dörrie über Ihren neuen Film "Die Friseuse" Berlin-Marzahn ist die Heimat von Kathi König, der molligen Heldin aus "Die Friseuse", gespielt von Gabriela Maria Schmeide.

Während Gleb den älteren Damen in seinem Salon in Hamburg-Altona Dauerwellen legt und Wimpern färbt, erzählt er unbeirrbar von "Claudia" und "Florian" und wie die beiden einmal zusammenfinden werden. Wichtig ist ihm vor allem die Rolle von Gottlieb, dem Friseur: "Er will aus Claudia eine Prinzessin machen."

Glebs euphorische Erzählungen stoßen bei seinen hanseatisch-spröden Kundinnen zunächst auf wenig Begeisterung. Doch mit jedem weiteren Besuch interessieren sie sich mehr für die Geschichte, von der man am Ende gar nicht mehr weiß, ob sie fiktiv ist oder ob Gleb sie selbst erlebt hat.