Dokumentarfilm The Making of "Kinshasa Symphony"
Über ein Jahr lang begleiteten die Filmemacher Claus Wischmann, Martin Baer und Pascal Capitolin immer wieder die Musiker eines Sinfonieorchesters im Kongo bei der Arbeit. Nach ungewöhnlichen Dreharbeiten hatte "Kinshasa Symphony" Premiere auf der Berlinale.
"Könnt Ihr vergessen!" So lautete die einhellige Reaktion Kongo-erfahrener Kollegen, als Regisseur Claus Wischmann und Kameramann Martin Baer im Herbst 2008 ihr Projekt eines Dokumentarfilms in Kinshasa vorstellten. In der kongolesischen Hauptstadt sind Kameraleute und Fotografen Freiwild für Polizisten und Soldaten. Konfisziertes Gerät rücken sie allenfalls gegen Dollarscheine wieder heraus. Und bei aller Freundlichkeit, mit der einem Zivilisten sonst im Alltag begegnen: Eine gezückte Kamera kann einen kleinen Volksaufstand auslösen.
Es sei denn, man genießt den spirituellen Beistand durch den Enkel eines Propheten. Die Musiker des Orchestre Symphonique Kimbanguiste (OSK) sind Anhänger Simon Kimbangus. Dessen religiöse Vision einer schwarzen Renaissance erschreckte vor über 80 Jahren die belgischen Kolonialherren so sehr, dass sie ihn im Gefängnis verenden ließen. Kimbangu ist der Großvater des OSK-Gründers und Dirigenten Armand Diangienda. Und mit der Hilfe des Nachfahren eines Propheten, Märtyrers und Nationalhelden wird auch das Leben eines Filmteams in Kinshasa sehr viel einfacher.
Während der Dreharbeiten sind also zunächst nicht korrupte Polizisten oder aggressive Passanten das Problem, sondern es ist der ganz normale Alltag einer Mega-City mit Malaria-Mücken, Stromausfällen, kokelnden Müllhaufen und offener Kanalisation. "Plötzlich bekommt man ein Gefühl dafür, wie unglaublich erschöpfend der Alltag in dieser Stadt ist", sagt Kameramann und Ko-Regisseur Baer. "Wie viel Zeit und Kraft die Leute aufwenden müssen, um einen Liter Trinkwasser zu organisieren, einen Tank Benzin, ein paar Stunden Strom am Abend."
Der Tagesablauf der Musiker diktiert das Arbeitspensum des Filmteams: Früh um fünf die Cellistin auf den Markt begleiten. Sich bei 30 Grad im Schatten dem Orchester-Direktor an die Fersen heften, der Holz für einen neuen Bass kauft. Sich mit der Flötistin und einem Dutzend anderer Fahrgäste ins Sammeltaxi quetschen. Den Bratschisten filmen, wie er in haarsträubenden Kletteraktionen ebenso haarsträubende Stromleitungen für die Orchesterbeleuchtung anzapft. "Wir haben alles gedreht, was sich bewegt hat", sagt Baer, der täglich bis zu zehn Stunden mit der Kamera herumläuft und nach mehr als drei Wochen Drehzeit mit einer frozen shoulder, einer blockierten Schulter, erst mal reif für die Insel ist.
Zumal Kinshasa für Kameraleute noch eine besondere Herausforderung bereithält: das Licht.
Der Himmel über Afrika mag in der Serengeti strahlend blau sein, in Kinshasa ist er meistens milchweiß. Die Hautfarbe der Kinois hingegen ziemlich dunkel. "Zu großer Kontrastumfang" heißt dieses Problem im Fachjargon. Die Lösung: möglichst wenig Himmel im Bild.
Ein "großer Kontrastumfang" entsteht auch, wenn ein Filmteam aus einem der reichsten Länder in einem der ärmsten Länder die Kamera auf ein afrikanisches Orchester hält, das europäische Klassik spielt. Was hat Mozart im Kongo verloren, fragt man sich unwillkürlich? "Aber", sagt Baer, der zuletzt zwei Filme über deutschen Kolonialismus in Afrika gedreht hat, "wir wundern uns doch auch nicht, dass chinesische Pianisten europäische Klassik spielen."
- Datum 18.02.2010 - 11:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schwerbehinderte ist... (siehe Staff Benda Bilili - http://bit.ly/9hXOh5)
ist das wie vielleicht befürchtet.
Sondern die Postmoderne erhält (erfreulicherweise) Einzug in Afrika - so würde ich das bezeichnen
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