Dokumentarfilm The Making of "Kinshasa Symphony"Seite 2/2
Händels Messias, Mozarts Requiem, Beethovens Neunte Sinfonie – "das ist universale Musik", sagt Pascal Capitolin, Tonmann des Teams. Capitolins Arbeit konnte man zuvor unter anderem in Trip to Asia hören, dem Dokumentarfilm über die Asien-Tournee der Berliner Philharmoniker. Was die kongolesischen Sinfoniker auf ihren billigen Instrumenten zeigten, sagt Capitolin, sei universale Hingabe an ihre Musik.
Anders als bei Trip to Asia hat Capitolin während der Dreharbeiten im Kongo seine liebe Mühe, die Proben des Orchesters akustisch einzufangen. Kinshasas allgegenwärtiger Sound aus Autohupen, Rumbamusik, Marktgeschrei, Motorenbrummen dringt wie feiner Sand durch jede Tür und jede Mauerritze. Die Musiker des OSK haben längst gelernt, Ravels Bolero oder die Ode An die Freude vor der Geräuschkulisse einer Autowerkstatt zu proben. Wie lange würde es ein Sinfoniker aus Berlin, New York oder London unter solchen Arbeitsbedingungen aushalten? "Gar nicht", sagt Capitolin.
Am Ende machen die drei Berliner dann doch unfreiwillig Bekanntschaft mit Kongos Staatsmacht. Während eines Straßendrehs werden sie von Mitarbeitern des Geheimdienstes ANR in dessen Hauptquartier abgeführt. Für Kongolesen eine Horrorvorstellung, für die drei eine, so Wischmann, "interessante Erfahrung". Die Herren vom ANR vergewissern sich, dass es dem Team um Kultur, nicht um kongolesische Politik geht, und verabschieden sie mit einem freundlichen "Sie-können-natürlich-drehen-was-Sie-möchten".
Was sie auch tun – kurzzeitig mit der Unterstützung eines zweiten Drehteams – und schließlich mit mehr als 100 Stunden Rohmaterial nach Berlin zurückkehren.
Übrig geblieben sind nun 95 Minuten Film: eine wunderbare und bewegende Dokumentation über den irrwitzigen Alltag von sehr ungewöhnlichen Musikern, über eine irrwitzige Stadt und über die Kraft von Beethovens Neunter.
Übrig bleibt auch ein bitterer Nachgeschmack. Sechs Mitglieder des OSK hatten die Filmemacher zur Premiere nach Berlin eingeladen. Zwei von ihnen, der erste Geiger und eine Flötistin, beide wichtige Protagonisten im Film, erfuhren kurz vor dem Abflug aus Kinshasa, dass ihre Visa-Anträge abgelehnt worden sind. Kongo gilt als Land mit "hohem Migrationsdruck". Soll heißen: Jeder Antragsteller steht unter dem Generalverdacht der illegalen Einwanderung. Dagegen half im Fall der beiden Musiker offenbar nicht einmal eine Einladung zur Berlinale. Für die beiden wäre es die erste Reise nach Europa gewesen. Sie hätten gerne den Film gesehen und vielleicht ein Konzert besucht, Beethoven ausnahmsweise mal in Berlin gehört, statt in Kinshasa.
- Datum 18.02.2010 - 11:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schwerbehinderte ist... (siehe Staff Benda Bilili - http://bit.ly/9hXOh5)
ist das wie vielleicht befürchtet.
Sondern die Postmoderne erhält (erfreulicherweise) Einzug in Afrika - so würde ich das bezeichnen
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