Dokumentarfilm Alkohol, der tägliche BegleiterSeite 2/2
Dass sie ein ernsthaftes Problem, sogar eine Krankheit haben, merken sie erst, als sie direkt damit konfrontiert werden. Wenn zum Beispiel der Ehemann einer Betroffenen die versteckten Kräuterschnäpse findet und sie fragt, ob sie wieder trinke, ist sie entsetzt – über sich selbst, wie sie sagt. Sie wird trocken, will ihr Leben in den Griff bekommen und wird dann doch wieder schwach – mehr als einmal. Sie betrügt ihren Mann damit viele Jahre hinweg, denkt sie habe alles im Griff und übt damit im Prinzip nichts anderes als Selbstbetrug. Dann scheitert ihre Ehe.
Aber warum trinken diese Menschen, wenn sie andererseits auf keinen Fall vor ihrer Umwelt als Süchtige erkannt werden möchten? Einen Grund können die wenigsten nennen. Herr Sch. etwa sagt, ihm sei es immer gut gegangen, Probleme habe er selten gehabt. Die persönliche Erklärung für seinen Alkoholismus ist: "Ich hab' gesagt, wenn ich keine Probleme hab', bin ich kein Alkoholiker. Und wenn ich kein Alkoholiker bin, kann ich so viel saufen, wie ich will." Mit seinen überspitzten und selbstironischen Reflexionen stellt Sch. eine Ausnahme dar. Seine Stimme ist wichtig, sie bietet dem Zuschauer die Möglichkeit, sich selbst dem Thema zu öffnen. Und tatsächlich ertappt man sich dabei, wie man anfängt, den eigenen Familien- und Freundeskreis zu hinterfragen.
"Die Erzählungen der Alkoholiker schwankten oft zwischen Banalität und Unglaublichkeit", sagt die Regisseurin Carolin Schmitz. So erzählt Sch. etwa, dass er in seinem Computerbetrieb immer eine Hand voll frankierter Umschläge vorbereitet hatte, um einen Grund zu haben, kurz vor Ladenschluss des Supermarktes die Kunden kurz alleine zu lassen und sich für den Abend mit Alkohol zu versorgen. Die Briefe müssten ja noch raus.
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In völliger Zurückhaltung und Distanz lässt Carolin Schmitz ihre unsichtbaren Protagonisten auch von den Momenten ihres Lebens erzählen, in denen es schwer wurde, "Normalität aufrecht zu erhalten und gleichzeitig zu trinken", sagt die Regisseurin. Stellenweise ist es schwierig, die Geschichten der Betroffenen den wechselnden Stimmen zuzuordnen. Dennoch entsteht der Eindruck, man habe in kürzester Zeit sechs Leben kennengelernt. Und das mit einer Offenheit und Klarheit, die beeindruckt, selbst wenn man das Kino schon längst verlassen hat.
- Datum 25.07.2011 - 11:18 Uhr
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Solche Beiträge sollte es schon seit Jahren geben. Leider fällt gerade jungen Leuten das Abgrenzen gegen diese grausame Droge sehr schwer.
Es wäre sehr gut, wenn dieser Film zur besten Sendezeit mal bei RTL oder SAT 1 laufen würde. Wird aber wohl nicht passieren, denn da herrschen andere Interessen vor.
Wenn man sich aber mal überlegt, wieviel Theater um sog. Drogenmissbrauch gemacht wird und wie sehr diese Thema vernachlässigt wird, wird man schnell herausfinden, woran das liegt.
Scheint ja wirklich ein Highlight zu sein dieser Film. Verzichtet er doch, wenn man der Besprechung glauben kann, und warum auch nicht, auf klischeehafte Schuldzuweisungen und vor allem auf das Übliche "So sind doch wir alle".
Dieser Film erinnert mich an die Zeit als ich 4 Monate in einem Getraenkemarkt gearbeitet habe. Da gab es eine gewisse Stammkundschaft.
Dazu zaehlte beispielsweise eine Frau, die kurz vor Ladenschluss kan, eine Flasche Schnaps kaufte, sie unter der Jacke versteckete und rausging. Seitdem achte ich auf Menschen mit glasigen Augen und grossen Traenenbeuteln. Andere hatten immer eine gute Erklaerung parat, wie z.B. "Na hoffentlich haben wir heute gutes Wetter zum Grillen." Ander kamen ca um 9 Uhr und kauften die erste Flasche Korn und kamen manchmal schon um 11 wieder um die naechsten 2 zu kaufen, wobei sie sich kaum noch auf dem Fahhrad halten konnten. Dazu nur: "Die Unterschicht versauft das Kindergeld!" Andere kamen um 7 Uhr frueh um sich 2-3 Sechserpacks Kuemmerling oder Bitterling Mini-Flaeschchen zu kaufen, die man gut heimlich trinken kann. Kleine Sektflaschen waren morgens auch immer gefragt. Manchmal kam auch ein Bankangestellter von der Bank nebenan mittags um billigen Wein fuer seine Weinschorle zu kaufen. Manche kamen auch 4-5 mal am Tag um sich nur eine Flasche Bier zu kaufen um damit spazieren zu gehen. Einige waren so dreist und schickten ihre Kinder mit irgendwelchen Ausweisen. Streng riechende Obdachlose gabs auch manchmal u.s.w... Das waren nur die "Ausnahmeerscheinungen", vom allgemeienen Alkoholkonsum mal abgesehen. Erwaehnte ich das in meinem Freundeskreis, hiess es: "Ihr Russen seid doch die Sauefer." Aber wenigstens mit Anstand und Stil und nie allein.
... nicht wirklich an.
Am interessantesten erscheint mir die vordergründige Trennung von Bild und Ton, die über die Filmlänge den gewünschten Effekt, eine hintergründige Zusammengehörigkeit im Unterbewussten zu verankern, bewirkt. Ähnliche suggestive Konzepte sind aus Propagandafilmen oder auch von psychologischen Experimenten/Heilverfahren bekannt.
Ich würde mir diesen Film nur alleine oder mit ausgesuchter Begleitung anschauen, da ich sicher bin, dass er eine stärkere Wirkung erzielt, als die Kommentare (auf die Beschreibung hin!) hier andeuten.
Alles Gute
Kai Hamann
Alkohol reduziert die Wahrnehmung und das "Denken" auf die primitiven Ebenen der triebhaften Zone, wo unsere Biologie das Zepter schwingt und die Impulse unser persönliches Wertesystem ignorieren können, ohne das es uns weiter auffällt. Dieses "Freiheits"gefühl ist eines der entscheidenden Momente, die das Betrunkensein so angenehm anfühlen lassen.
Betrunken ignorieren wir die Hemmungen, die unser Selbstwertgefühl und der Respekt vor Mitmenschen zwngsläufig auslösen.
Unsere Risikobereitschaft gleicht der eines Kleinkindes, dass noch kaum eine Gefahr kennt.
Alkohol lässt die Werte, die uns zu Menschen machen, im Dunst verschwinden.
Alkohol lässt uns gleichgültig werden für die Liebe und ihre hohen Kriterien. Er lässt uns gleichgültig werden für die Botschaften unserer Seele und unsere Mitmenschen.Sie lässt uns sonst geliebte Menschen wie Nützlinge behandeln.
Alkohol kann dafür sorgen, dass eine Gesellschaft, deren Lebensfreude davon abhängt, in eine dumpfe Primitivität versinkt und anfällig wird für die unmenschliiche Barbarei eines Nationalsozialismus.
Alkohol lässt die Grenzen, wo es von angenehm zu gefährlich übergeht,übersehen, weil wir für die entsprechenden Kriterien kein Interesse mehr haben.
Ein beeindruckendes Beispiel für den gesellschaftlichen Umgang mit Problemen.Durch Alkolismus entstehen jährlich Milliardenschäden, unzählige Menschen werden ins Elend gestürzt,keinesfalls nur die Alkoholiker,sondern deren Angehörige, das trägt die Allgemeinheit, vor allem,diejenigen, die mit einem Alkoholiker zusammenleben.
Verdienen daran tut der Staat selbst und diejenigen, die diese Angebote machen.Mächtig genug sind sie, wirksame Maßnahmen zu ergreifen.
Jeder, der damit verdient, sollte zum Ausgleich nur einen Monat in dem Bereich arbeiten,die Folgen dieser Sucht auszubaden. Und sich dann einer Diskussion mit den Opfern dieser Sucht stellen müssen....
so siehts aus, alles andere waere zu kompliziert.
Alkohol ist schon seit vielen hundert oder sogar tausend Jahren der Schmierstoff des Getriebes, welches menschliches Zusammenleben heisst.
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