Restaurierung von "Metropolis" Die Vergangenheit sichtbar machen

Die stillen Helden der “Metropolis”-Restaurierung: Wie zwei Trickfilmtechniker aus Berlin dem Stummfilmklassiker seine Natürlichkeit zurückgaben.

Die Trickfilmer in ihrem Atelier: in mühevoller Kleinarbeit haben Rainer Engel und Christian Malterer die wieder entdeckten Szenen von "Metropolis" restauriert

Die Trickfilmer in ihrem Atelier: in mühevoller Kleinarbeit haben Rainer Engel und Christian Malterer die wieder entdeckten Szenen von "Metropolis" restauriert

In einem Erkerzimmer in Berlin-Spandau trifft die Zukunft des Films auf die Vergangenheit. Die beiden Tricktechniker Rainer Engel und Christian Malterer sind Experten dafür, wie man einen Film nach Ende der Dreharbeiten digital mit allerhand Tricks versieht. Sie wurden engagiert, um die vor zwei Jahren in Buenos Aires wiederentdeckten Filmrollen von Fritz Langs Metropolis wieder sichtbar zu machen.

Engel und Malterer haben sich erst vor zwei Jahren selbstständig gemacht, ihre Firma befindet sich im ersten Stock eines Altbaus. Wer aus dem Fenster schaut, sieht eine Aral-Tankstelle. Als sie den Auftrag bekamen, den bedeutendsten Filmfund der letzten Jahre mit zu restaurieren, hätten sie sich "eher still gefreut", sagen sie.

Die beiden haben die sogenannten Inserts von Metropolis gebastelt, jene Sequenzen, die geschriebene Zettel, Warnschilder oder Bücher zeigen – in spanischer Sprache. Fritz Lang hatte diese Szenen eigens für die spanischsprachigen Zuschauer produziert. Besonders aufwändig war die Sequenz, in der eine Einladungskarte in deutscher Sprache zu sehen ist. Engel und Malterer mussten sie in acht Einzelschritten animieren. Besonders stolz sind sie auf den Trick, der die Schrift aussehen lässt, als wäre sie mit Tinte geschrieben. Auch die vier verschiedenen Schattenarten der Karte seien knifflig gewesen, da einmal kurz eine Hand darüber streift. Zehn Tage Arbeit für eine Szene, die nur ein paar Sekunden dauert.

Mithilfe digitaler Technik haben die beiden dem gesamten Film seine Natürlichkeit zurückgegeben. Durch die Korrekturen, die zuvor nötig waren, um die vielen Materialfehler des Films zu beseitigen, war dem Film etwas verloren gegangen, das die Kameraleute und Fotografen das Korn nennen: die natürliche Maserung eines jeden Films, die durch chemische Reaktion der Filmemulsion entsteht.

Von Hand haben Engel und Malterer bestimmt, wie grob oder wie fein das Korn im Originalfilm von Fritz Lang ist und dieses Korn dann auf die zuvor digital restaurierten Bilder übertragen. Ein Aufwand, der bisher für kaum einen alten Film betrieben wurde. Auch wenn es vermutlich keiner der Premierengäste erkennen würde den beiden Filmtechnikern ist dieses Detail sehr wichtig. Es ist, als wäre ein zerstörtes Haus mit einem Mörtel nach historischem Rezept wieder aufgebaut worden.

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