Goldene HimbeereSandra Bullock gewinnt den Anti-Oscar

Sie gilt als Favoritin für den Oscar, aber in der Nacht vor seiner Verleihung erhielt sie auch die "Goldene Himbeere". Bullock holte sich den Schmähpreis persönlich ab.

Die schlechteste Schauspielerin des vergangenen Jahres - und zugleich die beste? Sandra Bullock Ende Februar auf einer Preisverleihung

Die schlechteste Schauspielerin des vergangenen Jahres - und zugleich die beste? Sandra Bullock Ende Februar auf einer Preisverleihung  |  © Jason Merritt/Getty Images für NAACP

Mutiger Probelauf für den Oscar: In der Nacht vor der Glamour-Gala lieferte Oscar-Anwärterin Sandra Bullock einen preisverdächtigen Auftritt als "schlechteste Schauspielerin" des Jahres. Die 45-Jährige schreckte nicht davor zurück, Hollywoods Schmähpreis in Form einer Goldenen Himbeere persönlich in Empfang zu nehmen. Auf hohen Absätzen, mit perfekt vorbereiteter "Dankesrede" schritt Bullock zur Tat: "Dies ist eine ganz besondere Auszeichnung", scherzte sie auf der himbeerrosafarben angestrahlten Bühne eines kleinen Theaters in Hollywood.

700 Filmfans, die die auch Razzie genannten Schmähpreise zum 30. Mal austeilten, zollten der ihrer Meinung nach miesesten Aktrice lautstarken Applaus. Bullock hatte an der freundlichen Erniedrigung sichtlich Spaß.

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Die Razzie-Verleiher hätten bestimmt nur für sie gestimmt, wegen ihres Versprechens, tatsächlich zu erscheinen, witzelte Bullock. Mit ihrem Auftritt könnte sie Hollywood-Geschichte machen und am gleichen Wochenende zur besten und zur schlechtesten Schauspielerin gekürt werden. Die zweifelhafte Himbeer-Ehre wurde Bullock für ihre Darstellung als aufdringliche Verliebte in der Komödie Verrückt nach Steve zuteil. Bei der Oscar-Gala am Sonntag galt sie als Favoritin für den Preis als beste Darstellerin im Sportdrama "Blind Side - Die große Chance".

Bullocks schriller Auftritt als die nervige Kreuzworträtsel-Erfinderin Mary, die auf einen Kameramann (Bradley Cooper) scharf ist, war von den Kritikern einstimmig verrissen worden. "Eine nicht anschaubare, unerträgliche, unlustige Farce, in der Sandra Bullock den Tiefpunkt ihrer Karriere erreicht", schrieb der Kritiker des Rolling Stone.

"Ich dachte, niemand hätte sich den Film angeschaut", seufzte Bullock. "Mein Gefühl sagt mir, dass ihr ihn auch nicht alle gesehen habt", grinste sie die Zuschauer an. Das wolle sie nun ändern. In einem Leiterwagen schleppte sie einige hundert Kopien von "Verrückt nach Steve" mit. "Schaut Euch den Film doch erst mal an und entscheidet dann, ob ich wirklich so schlecht war." Wenn nicht, dann komme sie im nächsten Jahr zurück und gebe ihre Trophäe wieder ab.

"Eigentlich mag ich Sandra als Schauspielerin, aber diese Rolle war richtig Mist und das weiß sie selbst", sagte Juror John Mullich. Mitleid habe er allerdings nicht. "Dieser Preis wird ihrer Karriere nicht das geringste schaden, aber wir haben riesigen Spaß daran", rechtfertigte der 48 Jahre alte Schauspieler die Vergabe des Schmähpreises.

Die Razzies, die von dem Cineasten John Wilson als Gegenstück zur glanzvollen Oscar-Verleihung ins Leben gerufen wurden, werden traditionell einen Tag vor den Academy Awards verliehen. Die "Himbeere" wird üblicherweise von den Nominierten gemieden. "Man braucht eine Menge Mut, Nerven und Humor, um unseren Preis anzunehmen. Den anderen, diesen Oscar, das ist einfach, da geht doch jeder hin", frotzelte Wilson. Vor Bullock holte sich nur "Catwoman" Halle 2005 am Vorabend der Oscar-Gala überraschend ihre Razzie ab und bedankte sich auf der Bühne überschwänglich.

Der deutsche Filmemacher Uwe Boll hatte im vorigen Jahr die unrühmliche Trophäe für das "schlechteste bisherige Lebenswerk" gewonnen und obendrauf noch ein weiteres Plastik-Früchtchen als schlechtester Regisseur für seine Filme Postal und Schwerter des Königs - Dungeon Siege. Boll revanchierte sich mit einem bissigen Video. Der Mainzer Horror-Meister wäre gern, wie er zuvor versichert hatte, persönlich bei der Spottpreis-Gala erschienen, doch Dreharbeiten in Südafrika gingen vor.

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Leserkommentare
  1. Sowas finde ich Klasse! Auch wenn sicher wieder jemand sagt, sie habe das nur aus Karrieregründen gemacht.

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    Also auch von mir grossen Respekt für diese Aktion. Wer so viel Selbstironie besitzt und auch einen absoluten Antioscar persoenlich entgegennimmt, verdient wirklich Respekt. Jeder darf auch mal schlecht sein, auch mal "Mist" produzieren. Aber dadurch, dass man oder in diesem Fall Frau dazu steht, zeigt sich wirkliche Größe. Meiner Ansicht nach hat sie mit diesem Verhalten ihren Oscar sogar noch bedeutsamer gemacht.

  2. Da ist er ja wieder. Der gute Uwe Boll. Natürlich wäre er gern erschienen. :) Wahrscheinlich hätte er wieder einen Boxkampf angefangen, wie beim letzten Mal als er sich öffentlich der Kritik an seinen Werken gestellt hat. Ach ich hab ihn einfach gern. Es gibt wenige Menschen, die von ihrem Selbstbewusstsein so verblendet sind.
    (Kleiner Filmtipp: Das BollWerk "House of the Dead". Der unfreiwillig lustigste Film der Filmgeschichte! :)

    Zu Sandra: Großen Respekt! Ist schon irgendwie bedenklich, dass das anscheinend nur Frauen schaffen...

  3. Also auch von mir grossen Respekt für diese Aktion. Wer so viel Selbstironie besitzt und auch einen absoluten Antioscar persoenlich entgegennimmt, verdient wirklich Respekt. Jeder darf auch mal schlecht sein, auch mal "Mist" produzieren. Aber dadurch, dass man oder in diesem Fall Frau dazu steht, zeigt sich wirkliche Größe. Meiner Ansicht nach hat sie mit diesem Verhalten ihren Oscar sogar noch bedeutsamer gemacht.

    Antwort auf "Hut ab Frau Bullock"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Sandra Bullock | Film | Bradley Cooper | Hollywood | Oscar | Schauspieler
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