2007 kam Clint Eastwood nach Berlin. Damals wurde sein Film "Letters From Iwo Jima" außer Konkurrenz auf der Berlinale gezeigt © Johannes Eisele dpa/lbn

ZEIT ONLINE: Sie sind jetzt in einem Alter, in dem es die meisten von uns etwas lockerer angehen würden. Warum arbeiten Sie weiterhin so viel?

Clint Eastwood: Ich habe eigentlich geplant, dass ich in diesem Alter nicht mehr arbeiten muss. Aber niemand kann sein Leben so richtig planen. Mir macht die Arbeit mehr Spaß denn je, und ich bin in einem Alter, in dem ich größere Herausforderungen annehmen kann, weil ich mehr Erfahrung habe und mehr Wissen. Natürlich vergisst man in meinem Alter auch so einiges. Aber ich bin sehr glücklich, dass ich mein Leben lang in einem Beruf arbeiten durfte, der mir sehr gefällt, und ich werde damit weitermachen, bis mich jemand aus dem Verkehr zieht.

ZEIT ONLINE: Nach Gran Torino hatten Sie aber angekündigt, Sie wollten nicht mehr vor der Kamera stehen?

Eastwood: Na ja, das hatte ich schon bei Million Dollar Baby gesagt. Ich hatte mir damals überlegt, ob ich nicht aufhören sollte, weil der Film ein so großer Erfolg wurde. Es gibt immer wieder Schauspieler, die ins Abseits driften, und das wollte ich nicht. Dann kam Gran Torino, eine spannende Rolle, für die ich einen Mann meines Alters spielte. Ich habe also entschieden, es nochmals zu tun. Sehr wahrscheinlich werde ich weiterhin behaupten, dass ich aufhöre, aber man weiß ja nie, vielleicht kommt wieder eine tolle Rolle.

ZEIT ONLINE: Welche Kriterien muss eine solche Rolle erfüllen?

Eastwood: Es muss eine Rolle sein, die sich richtig anfühlt und meinem Alter entspricht. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, wie viele tolle Rollen es für einen Mann meines Alters gibt, ich bin ja bereits 38...

Als ich angefangen habe, Filme zu machen, war ich immer davon überzeugt, dass ich es irgendwann satt haben würde, mich selber auf der Leinwand zu sehen, und aufhören würde. Aber bisher ist dieser Zeitpunkt nicht gekommen.

ZEIT ONLINE: Gerade haben Sie Invictus gedreht. Was hat Sie an dieser Geschichte so fasziniert?

Eastwood: Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich sehr überrascht. Ich fand Nelson Mandela schon immer eine beeindruckende Figur, aber wie er dieses Sportevent genutzt hat, um ein Land zu vereinen, das in unglaublich großen Schwierigkeiten steckte und kurz vor dem Ausbruch eines Bürgerkrieges stand, ist einfach genial. Dass jemand, der jahrelang im Gefängnis eingesperrt war, mit so viel Einfallsreichtum und Mut in die Welt treten würde, das konnte niemand ahnen.

ZEIT ONLINE: Er hat damit praktisch seine Karriere aufs Spiel gesetzt.

Eastwood: Absolut. Die Springboks waren Underdogs. Sie hatten bereits seit Jahren keine internationalen Spiele mehr gespielt, weil sie wegen des Apartheid-Regimes gesperrt wurden. Der einzige Grund, warum sie überhaupt am Turnier teilnehmen durften, war, weil sie die Gastgebernation waren. Niemand konnte damit rechnen, dass die Springboks wirklich gewinnen, aber Mandela war so davon überzeugt, dass er große politische Risiken auf sich genommen hat. Seine Mitarbeiter haben ihm immer wieder gesagt, er verschwende seine Zeit damit. Für sie war es offensichtlich, dass es nicht funktionieren würde. Und er hat alle eines Besseren belehrt.

ZEIT ONLINE: Haben Sie ihn getroffen?