Gespräch mit Clint Eastwood "Bis mich jemand aus dem Verkehr zieht"
Er ist 79, doch aufhören will Clint Eastwood nicht. Gerade läuft sein jüngster Film "Invictus" in den Kinos. ZEIT ONLINE erzählt er, was er an Mandela bewundert und was er von sich selbst als Leiche hält.
© Johannes Eisele dpa/lbn

2007 kam Clint Eastwood nach Berlin. Damals wurde sein Film "Letters From Iwo Jima" außer Konkurrenz auf der Berlinale gezeigt
ZEIT ONLINE: Sie sind jetzt in einem Alter, in dem es die meisten von uns etwas lockerer angehen würden. Warum arbeiten Sie weiterhin so viel?
Clint Eastwood: Ich habe eigentlich geplant, dass ich in diesem Alter nicht mehr arbeiten muss. Aber niemand kann sein Leben so richtig planen. Mir macht die Arbeit mehr Spaß denn je, und ich bin in einem Alter, in dem ich größere Herausforderungen annehmen kann, weil ich mehr Erfahrung habe und mehr Wissen. Natürlich vergisst man in meinem Alter auch so einiges. Aber ich bin sehr glücklich, dass ich mein Leben lang in einem Beruf arbeiten durfte, der mir sehr gefällt, und ich werde damit weitermachen, bis mich jemand aus dem Verkehr zieht.
ZEIT ONLINE: Nach Gran Torino hatten Sie aber angekündigt, Sie wollten nicht mehr vor der Kamera stehen?
Eastwood: Na ja, das hatte ich schon bei Million Dollar Baby gesagt. Ich hatte mir damals überlegt, ob ich nicht aufhören sollte, weil der Film ein so großer Erfolg wurde. Es gibt immer wieder Schauspieler, die ins Abseits driften, und das wollte ich nicht. Dann kam Gran Torino, eine spannende Rolle, für die ich einen Mann meines Alters spielte. Ich habe also entschieden, es nochmals zu tun. Sehr wahrscheinlich werde ich weiterhin behaupten, dass ich aufhöre, aber man weiß ja nie, vielleicht kommt wieder eine tolle Rolle.
ZEIT ONLINE: Welche Kriterien muss eine solche Rolle erfüllen?
Clint Eastwood wurde 1930 in San Francisco geboren. Seine Karriere begann er 1958 in der Western-Serie Cowboy, in der er acht Jahre lang mitspielte. In den sechziger Jahren wurde er als wortkarger Held der Italo-Western populär: Für eine Handvoll Dollar, Für ein paar Dolllar mehr (1964/65) und Zwei glorreiche Halunken (1966), der bis heute zu den beliebtesten Filmen überhaupt gehört. Der Erfolg brachte ihm dann auch Rollen in Hollywood ein, darunter waren etliche Kassenerfolge wie Dirty Harry (1971) und Die Brücken am Fluss (1995). Bereits 1968 gründete Eastwood seine eigene Produktionsfirma und 1970 führte er erstmals Regie. Sechs Mal war Eastwood für den Oscar nominiert, vier Mal erhielt er ihn - jeweils zwei für Erbarmungslos (1993) und Million Dollar Baby (2005), beides Filme, die er produziert und in denen er Regie geführt hatte.
Eastwood: Es muss eine Rolle sein, die sich richtig anfühlt und meinem Alter entspricht. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, wie viele tolle Rollen es für einen Mann meines Alters gibt, ich bin ja bereits 38...
Als ich angefangen habe, Filme zu machen, war ich immer davon überzeugt, dass ich es irgendwann satt haben würde, mich selber auf der Leinwand zu sehen, und aufhören würde. Aber bisher ist dieser Zeitpunkt nicht gekommen.
ZEIT ONLINE: Gerade haben Sie Invictus gedreht. Was hat Sie an dieser Geschichte so fasziniert?
Eastwood: Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war ich sehr überrascht. Ich fand Nelson Mandela schon immer eine beeindruckende Figur, aber wie er dieses Sportevent genutzt hat, um ein Land zu vereinen, das in unglaublich großen Schwierigkeiten steckte und kurz vor dem Ausbruch eines Bürgerkrieges stand, ist einfach genial. Dass jemand, der jahrelang im Gefängnis eingesperrt war, mit so viel Einfallsreichtum und Mut in die Welt treten würde, das konnte niemand ahnen.
ZEIT ONLINE: Er hat damit praktisch seine Karriere aufs Spiel gesetzt.
Eastwood: Absolut. Die Springboks waren Underdogs. Sie hatten bereits seit Jahren keine internationalen Spiele mehr gespielt, weil sie wegen des Apartheid-Regimes gesperrt wurden. Der einzige Grund, warum sie überhaupt am Turnier teilnehmen durften, war, weil sie die Gastgebernation waren. Niemand konnte damit rechnen, dass die Springboks wirklich gewinnen, aber Mandela war so davon überzeugt, dass er große politische Risiken auf sich genommen hat. Seine Mitarbeiter haben ihm immer wieder gesagt, er verschwende seine Zeit damit. Für sie war es offensichtlich, dass es nicht funktionieren würde. Und er hat alle eines Besseren belehrt.
ZEIT ONLINE: Haben Sie ihn getroffen?
Eastwood: Ja, und ich war sehr beeindruckt. Er ist ein unglaublich charismatischer Mann. Wenn er den Raum betritt, dann setzt er dieses Millionen-Dollar-Lächeln auf, und man muss einfach mitlächeln.
ZEIT ONLINE: Sie haben sich in erster Linie für Mandela als Figur interessiert. Hat Sie der Rugby-Aspekt abgeschreckt oder zusätzlich interessiert?
Eastwood: Ich bin nicht mit Rugby aufgewachsen und wusste darum auch nicht allzu viel darüber. Ich habe mich aber im Vorfeld mit vielen Menschen unterhalten, die diesen Sport schon ihr Leben lang betreiben. Natürlich wollte ich die Rugbysequenzen so glaubwürdig wie möglich darstellen, weil der Sport Nelson Mandela sehr inspiriert hat. Aber um ehrlich zu sein: Wenn Mr. Mandela Poker gespielt hätte, um sein Land zu vereinen, hätte ich auch das gemacht.
ZEIT ONLINE: Das wäre aber vermutlich einfacher zu drehen gewesen.
Eastwood: Ja, ich hatte mich schon früh dafür entschieden, richtige Rugbyspieler und nicht Schauspieler zu zeigen. Wir haben also die Teams zusammengestellt und sie einfach spielen lassen. Sie haben keine Rücksicht genommen und mit vollem Körpereinsatz gespielt. Die größte Herausforderung war darum, den Spielern nicht im Weg zu stehen - nicht gerade ungefährlich.
ZEIT ONLINE: Eine der Schlüsselszenen ist, als Matt Damon als Francois Pienaar in Mandelas winziger Zelle steht. War das auch für Sie eine emotionale Szene?
Eastwood: Ich habe fast angefangen zu weinen: Alles war so eng und klein, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich meine Kameras da reinbringen sollte. Nein, natürlich hat es mich sehr berührt, diese winzige Zelle ohne Toilette zu sehen. Allein der Gedanke, dass jemand 27 Jahre in so einer kleinen Zelle verbringen und bei der Hitze in einer Salzmine arbeiten muss, ist einfach nur verstörend. Und dann aus dieser Erfahrung so offen und vergebend herauszukommen, das ist fast unmöglich und darum sehr beeindruckend.
ZEIT ONLINE: Da könnten sich andere eine Scheibe davon abschneiden.
Eastwood: Das habe ich mir auch öfter gedacht, als ich zu Nelson Mandela recherchierte. Er hat so viel Kreativität und Energie an den Tag gelegt, um Menschen zusammenzubringen. Die meisten Politiker reden einfach nur und sitzen tatenlos herum. Mandela ist eine einzigartige Person, und ich hoffe, dass dieser Film andere Menschen dazu motiviert, genauso kreativ zu werden.
ZEIT ONLINE: Gibt es Entscheidungen in Ihrer Karriere, die Sie bereuen?
Eastwood: In den fünfziger Jahren habe ich für Universal gearbeitet. Ich habe damals auf verschiedenen Sets herumgelungert und Regisseure beobachtet. Teil meines Jobs war aber auch, ab und zu in einem dieser Filme eine Leiche zu spielen. Etwa 13 Tote habe ich in der Zeit dargestellt. Manchmal werden diese Filme noch im Fernsehen gezeigt. Wenn meine Leiche zu sehen ist, verlasse ich immer das Zimmer. Ich bereue es nicht, aber noch mal sehen muss ich es auch nicht.
ZEIT ONLINE: Sie sind bekannt dafür, so wenige Takes wie möglich zu drehen. Warum?
Eastwood: Mein Ziel ist es, eine Szene in einem Anlauf drehen zu können. Meistens muss ich zwar öfter drehen, schon weil ich verschiedene Kameraeinstellungen ausprobieren will, ich entscheide aber immer sofort, ob ein Take gut genug ist oder nicht. Wenn man eine Szene 30 oder 40 Mal dreht, ist man schließlich total verloren und weiß nicht genau, was man sucht. Und ich würde gerne von mir behaupten, dass ich weiß, was ich in einer Szene suche.
ZEIT ONLINE: Viele Schauspieler mögen Ihre Arbeitsweise sehr.
Eastwood: Es gibt wohl zwei Gründe, warum ein Regisseur so viele Takes dreht. Entweder weiß er nicht, was genau er in der Szene haben will, oder er weiß nicht genau, wie die nächste Einstellung aussehen wird. Das heißt, der Regisseur schlägt einfach Zeit tot, bis ihm eine Idee kommt, und die Schauspieler schlagen dann eben auch Zeit tot. Das ist ein Problem. Man missbraucht dabei die Schauspieler nicht wirklich, weil sie ja dafür da sind, aber man missbraucht ihr Vertrauen. Ich habe mit Regisseuren gearbeitet, die so arbeiten, und das macht einen als Schauspieler sehr unsicher.
ZEIT ONLINE: Sie haben in Ihrer Karriere vier Oscars gewonnen. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen?
Eastwood: Früher hieß es immer: "Und der Gewinner ist ..." Jetzt haben sie das zum Glück geändert, und es heißt: "Die Statue geht an ..." Man muss sich vor Augen halten, dass es Auszeichnungen sind, die auf einer Wahl beruhen. Es ist nicht wie bei einem Profisportler, der ein Rennen gewinnen muss. Es ist einfach nur Geschmackssache. Natürlich genieße ich es, wenn ich eine Auszeichnung erhalte. Es ist, wie wenn einem jemand anerkennend auf die Schulter klopft. Doch ich sage mir immer wieder: "Denk dran, sie könnten alle falsch liegen.“
Das Gespräch führte Sarah Elena Schwerzmann.
- Datum 31.03.2010 - 11:26 Uhr
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Ich würde sagen der Herr Mandela ließ seine Handlungen eher von Klugheit als von Milde und Nachsicht leiten. Was hätte ihm eine Abrechnung gebracht? Die Weißen bestrafen? Oder gleich vertreiben?
Im besten Fall wären sie alle ausgewandert, im schlimmsten hätten sie sich verbissen gewehrt. Keine schöne Perspektive, immerhin muß ja irgendwer die Steuern zahlen um den schwarzen das schöne Leben zu garantieren, dass der ANC ihnen versprochen hat.
Vergeben und vergessen ist da aber sicher nichts, der ANC singt immer noch sein "Wir werden frei sein, wenn wir die Buren getötet haben" Lied. Irgendwann wird man die Weißen nicht mehr brauchen....
Also ich weiss nicht wie sie erzogen wurden, aber mir wurde immer gesagt, dass es klug sei nachgiebig und milde zu handeln. Für mich ist das ein und das selbe.
mfg
Also ich weiss nicht wie sie erzogen wurden, aber mir wurde immer gesagt, dass es klug sei nachgiebig und milde zu handeln. Für mich ist das ein und das selbe.
mfg
"Ich bin ja bereits 38"
wahrscheinlich als Ironie, so fühlt er sich und klingt auch so...
wahrscheinlich ironisch, so fühlt er sich...und so klingt er auch.
Eastwood hat Humor. Ich glaube das war ein Gag
wahrscheinlich als Ironie, so fühlt er sich und klingt auch so...
wahrscheinlich ironisch, so fühlt er sich...und so klingt er auch.
Eastwood hat Humor. Ich glaube das war ein Gag
wahrscheinlich als Ironie, so fühlt er sich und klingt auch so...
wahrscheinlich ironisch, so fühlt er sich...und so klingt er auch.
Eastwood hat Humor. Ich glaube das war ein Gag
Also ich weiss nicht wie sie erzogen wurden, aber mir wurde immer gesagt, dass es klug sei nachgiebig und milde zu handeln. Für mich ist das ein und das selbe.
mfg
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