"Avatar"-Produzent Jon Landau "Wir sind Pioniere der Kinogeschichte"
"Avatar" ist der erfolgreichste Film aller Zeiten und gewann drei Oscars. Er war aber auch eine der teuersten Produktionen. Jon Landau über die Lust am Risiko und sein Vertrauen ins Kino
© Jason Merritt/Getty Images

Strahlender Sieger? Der Produzent Jon Landau erhielt im Januar den "Best Action"-Award für "Avatar" und gilt auch als Favorit für die Oscarverleihung am Sonntagabend
Mit neun Nominierungen und einem Einspielergebnis von mehr als zwei Milliarden Dollar galt James Camerons Science Fiction Epos Avatar als Favorit für die diesjährigen Oscars. Drei konnte er am Ende gewinnen. Wenige Tage vor der Verleihung sprachen wir mit James Camerons Langzeitproduzent Jon Landau über seinen Siegeszug, die Zukunft von 3D und sein Gespür für visionäre Blockbuster.
ZEIT ONLINE: Avatar hat weltweit bislang mehr als zwei Milliarden Dollar eingespielt und ist damit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Zu welchem Zeitpunkt der Produktion wussten Sie, dass Sie ein Ass im Ärmel haben?
Jon Landau: Ich war schon immer vom Erfolg des Films überzeugt, aber mit so einem Ergebnis hat niemand von uns gerechnet. Ich wache immer noch jeden Morgen auf und wundere mich aufs Neue.
ZEIT ONLINE: Mit den Einnahmen dürften Sie und James Cameron endgültig für alle Zeiten ausgesorgt haben.
Landau: Vor allem ist es ein schönes Gefühl, wenn deine Ideen, an denen du jahrelang arbeitest, auch beim Konsumenten ankommen.
ZEIT ONLINE: Wie schon bei Ihrem Film Titanic zweifelten Kritiker auch während der Entstehung von Avatar, ob sich die immensen Herstellungskosten an der Kinokasse auszahlen würden. Hatten Sie während dieser Zeit auch manchmal Ängste, dass Sie, wenn Sie scheitern, geschätzte 200 Millionen Dollar in den Wind blasen?
Landau: Nein. Ich konnte mir die Chancen vorab gut ausrechnen. James Cameron wollte Regie führen, das Drehbuch war stark – und die ersten Setdesigns waren phänomenal. Ich wusste, dass ich im schlechtesten Falle bei Null herauskommen werde.
ZEIT ONLINE: Sie arbeiten nun seit fünfzehn Jahren mit James Cameron, doch bis auf Titanic, Avatar und Steven Soderberghs Solaris haben Sie keinerlei andere Filme produziert. Wieso nicht? Einen guten Riecher scheinen Sie doch zu haben!
Landau: Den habe ich vielleicht gerade deshalb. Ein guter Film hat immer mit Leidenschaft zu tun. Und die muss bei mir entflammt sein, dass ich eine Produktion wirklich gut meistern kann. Deshalb konzentriere ich mich lieber auf wenige Filme, anstatt meine Energie in vielen halbherzigen Versuchen zu verbrennen.
ZEIT ONLINE: Avatar gilt als Meilenstein der Technik. In welche Richtung wird sich das Kino Ihrer Meinung nach entwickeln?
Landau: Die Entertainment-Industrie wird in den nächsten Jahren völlig auf 3-D umrüsten. Das gilt meiner Meinung nach nicht nur für das Kino, sondern auch für das Fernsehen, unsere Computer und Mobilfunkgeräte. Dazu kommt, dass Filme im Stil von Avatar in Zukunft deutlich kostengünstiger und schneller entwickelt werden können. Wir haben für diesen Film viel Zeit verloren, weil es einige der Techniken und Module schlichtweg einfach noch nicht gab.
"'Pioniere der Kinogeschichte'? Ich glaube, dass wir diese Bezeichnung durchaus verdient haben."
ZEIT ONLINE: Welche Rolle würden Sie sich und James Cameron dafür zuschreiben?
Landau: "Pioniere der Kinogeschichte"? Ich glaube, dass wir diese Bezeichnung durchaus verdient haben. Mit Avatar haben wir das visuelle Kinoerlebnis auf ein neues Niveau gehoben, das viele andere Filmemacher nun nutzen können und auch werden.
ZEIT ONLINE: Dabei hat die Kinobranche doch über Jahre vergeblich versucht, 3-D auf breiter Ebene durchzusetzen. Wieso sollte es nun auf einmal so flächendeckend um sich greifen?
Landau: Erstens, weil einen 3-D-Film zu produzieren inzwischen genauso simpel ist wie einen herkömmlichen 2-D-Film. Zweitens behindern uns die 3-D-Brillen nicht mehr in unserem Seherlebnis. Der Ton hatte es uns ja vorgemacht und sich vom 2-D zum 3-D-Surround entwickelt.
ZEIT ONLINE: Gerüchte besagen, dass Sie Titanic überarbeiten und in 3-D in die Kinos bringen wollen.
Landau: Ja, das haben wir in der Tat vor.
ZEIT ONLINE: Aber kann ein Film aus dem Jahre 1997 wirklich mit den Erwartungen der heutigen Zuschauer mithalten? Titanic galt seinerzeit zwar auch als Meilenstein, wirkt heute allerdings aus technischer Sicht doch etwas veraltet.
Landau: Deshalb lassen wir uns auch Zeit. Rein theoretisch könnten wir den Film innerhalb von sieben Wochen von 2-D in 3-D umwandeln, aber wir werden sehr viel behutsamer vorgehen. Sie werden sich wundern, wie nah wir damit an die Qualität eines heute hergestellten 3-D-Films kommen werden.
ZEIT ONLINE: Inwiefern hat sich Ihre Arbeit als Produzent mit dem Voranschreiten der Technik verändert?
Landau: Früher habe ich mir überlegt, wie wir an realen Orten einen Dreh möglich machen können. Heute muss ich mir überlegen, wie wir in einem leeren Studio eine völlig neue Welt erschaffen.
ZEIT ONLINE: Also ist die Herausforderung gestiegen?
"Science Fiction und Fantasy-Filme bieten das größte Kassenpotenzial"
Landau: In gewisser Weise schon. Für Avatar mussten wir zum Teil für bestimmte Instrumente neue Namen entwickeln, weil es sie vorher noch nicht gab, wir sie aber ja irgendwie bezeichnen mussten. Das hat unsere Art zu denken in den letzten Jahren völlig verändert. Die Technik ermöglicht es mir als Produzent noch stärker als früher, bislang unbetretenes Terrain zu erkunden.
ZEIT ONLINE: Dazu hat die Kinogeschichte bewiesen, dass Science-Fiction- und Fantasy-Filme das größte Kassenpotenzial bieten. Pioniergeist und Unternehmertum geben sich in diesem Genre also die Hand.
Landau: Vollkommen richtig: wenn Sie sich den Chart der erfolgreichsten Filme aller Zeiten ansehen, sind etwa 16 von 20 Filmen diesem Genre zuzuordnen. Der Herr der Ringe, Star Wars, Fluch der Karibik oder Avatar – sie alle belegen, dass Menschen in erster Linie ins Kino gehen, um der Realität zu entfliehen. Sie wollen neue Welten erforschen, und genau diese Möglichkeit bieten ihnen Science-Fiction- und Fantasy-Filme. Der technische Fortschritt eröffnet dafür immer wieder neue Möglichkeiten.
ZEIT ONLINE: Gleichzeitig haben die neuen Medien aber auch der Raubpiraterie Tür und Tor geöffnet. Vermag 3-D die Leute zurück ins Kino zu bringen?
Landau: Ach, die Kinobranche wird sich immer wieder neu erfinden. Das Medium hat nun schon über achtzig Jahre überlebt, obwohl schon oft der Untergang vorhergesagt wurde. Zum ersten Mal wurde bei der Einführung des Fernsehens gejammert, später war es dann die drohende Gefahr der VHS-Kassette, von der DVD und dem Kabelfernsehen gar nicht zu sprechen. Und wo stehen wir heute? Avatar macht zwei Milliarden innerhalb weniger Wochen. Insofern werden all diese Ängste auch in Zukunft an mir abprallen.
Das Gespräch führte Johannes Bonke
- Datum 08.03.2010 - 07:56 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Persönlich gefällt mir an dem Film das Ende nicht, denn es gibt irgendwie Hoffnung in unserer Welt könnte sich was ändern und Natur und Indigene, noch in den Wäldern lebende, könnten sich tatsächlich gegen große Unternehmen wehren. Tatsächlich fehlt die "Message" am Ende des Films: und jetzt änder dein Verhalten!
Bei all den Milliarden könnten auch die Macher davon was stiften!
Weiteres nachzulesen unter:
http://www.facebook.com/?sk=messages&ref=mb#!/group.php?gid=264955246052&ref=ts
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren