Sandra BullockZwischen Himbeere und Oscar

Innerhalb von nur zwei Tagen wurde Sandra Bullock als schlechteste und als beste Schauspielerin geehrt. Ein Widerspruch, dessen sie sich selbst sehr bewusst ist. von 

Oscargewinnerin Sandra Bullock

Hübsch, sympathisch, selbstironisch - wohl auch ihre Kritiker gönnen Sandra Bullock nun die Veredelung ihres Erfolges durch den Oscar   |  © GABRIEL BOUYS/AFP/Getty Images

Der Oscar als beste Hauptdarstellerin in dem Film Blind Side - Die große Chance ist der Karrierehöhepunkt für Sandra Bullock. Sie spielt eine Mutter aus der Oberschicht, die einen obdachlosen, schwarzen Jungen in ihrer Familie aufnimmt und ihn zum Football-Profi macht. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Bislang war die 45-jährige Schauspielerin eher für Komödien und Actionfilme bekannt. Nur einen Tag vor der Verleihung des begehrten Mannes in Gold hatte sie aber auch den Schmähpreis "Goldene Himbeere" für ihre Rolle als aufdringliche Verliebte in der Komödie Verrückt nach Steve erhalten.

Cheerleader-Captain, Waldorfschülerin, Kellnerin: Die schöne Brünette fiel eher durch die Vielfältigkeit ihrer Rollen als  durch schauspielerischen Tiefgang auf. Sie wurde in Virginia geboren, wuchs aber in Nürnberg auf. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater war als Soldat in Bayern stationiert. Wenn Bullock deutsch spricht, tut sie das mit fränkischem Akzent. An der Uni studierte sie Schauspiel, danach arbeitete sie am Theater in New York. Es folgten kleine Rollen in Film und Fernsehen, bis sie 1993 als Sylvester Stallones Gespielin in Demolition Man auffiel.

Anzeige

Ihre erste große Kino-Rolle hatte sie 1994 an der Seite von Keanu Reeves in dem Action-Knaller Speed, ein Jahr später stand sie für den romantischen Liebesfilm Während Du schliefst... (1995) vor der Kamera und 1996 in der Verfilmung des John-Grisham-Romans Die Jury. In Miss Undercover spielte Bullock eine Polizistin, die während einer Misswahl verdeckt ermittelt. Der Film wurde ein kommerzieller Erfolg, Bullock drehte noch eine weitere Folge der Geschichte. Einen weiteren Publikumserfolg feierte die Schauspielerin im vergangenen Jahr als zickige Chefin mit weichem Kern in der Liebeskomödie Selbst ist die Braut. Darin drehte sie zum allerersten Mal eine Nacktszene.

Auch in diesem Detail spiegelt sich die Haltung der Schauspielerin wider: sie hat genügend Selbstsicherheit und Professionalität, um sich über ihre vermeintlichen Widersprüche hinwegzusetzen. Sie ist das nette Mädchen mit dem netten Aussehen, das dann – scheinbar unbemerkt von allen – dann doch erfolgreicher als alle anderen Mädchen ist. Was Bullock dabei so sympathisch macht, ist ihr Fähigkeit zur Selbstironie. Die goldene Himbeere holte sie sich persönlich ab – was bei weitem nicht alle Geschmähten tun.

In ihrer Dankesrede für den Oscar stellte sie am Sonntagabend die entscheidende Frage dann  selbst: "Habe ich den Preis wirklich verdient, oder habe ich Euch einfach nur lange genug zermürbt?"

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. kallewestrich: Ließen wir uns immer von Fremdgeschmäckern leiten, hätten sie uns bald alles verleidet. Das gilt auch für Bwertungen von Lehrern, Ärzten, Psychiatern, in den meisten Fällen - forget it! Selbstgefällige Wichtigtuer!

    • M.M.
    • 08. März 2010 10:44 Uhr

    Ja, das hat Stil.
    Oder: If you can't beat them, join them.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sandra Bullock | Film | Oscar | Actionfilm | Gold | Keanu Reeves
Service