Gespräch mit Lancelot von NasoKrieg, so realistisch wie möglich

Authentizität und Fiktion, geht das zusammen? Der Regisseur Lancelot von Naso sagt ja. Im ZEIT-ONLINE-Interview spricht er über seinen Spielfilm "Waffenstillstand".

ZEIT ONLINE: Hat es sich ausgezahlt, dass Sie sich in ihrem ersten Spielfilm einem so unbequemen Thema wie dem Irak-Krieg widmen?

Lancelot von Naso: Wir haben bisher überwiegend gute Kritiken bekommen. Zum Amnesty-International-Filmfest eingeladen zu werden, ist für mich eine große Ehre. Die Organisation überlegt, Waffenstillstand später auch an Schulen zu zeigen. Das fände ich eine gute Sache. Wir mussten uns aber auch anhören, dass der Film keine Haltung hat. Das finde ich aber nicht. Der Film hat eine klare Botschaft.

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ZEIT ONLINE: Und wie lautet die?

Über den Film

Szene aus dem Film "Waffenstillstand"
Die Schauspieler Hannes Jaenicke (Ralf), Matthias Habich (Alain), Max von Pufendorf (Oliver), Thekla Reuten (Kim) und Husam Chadat (Husam) sitzen in ihrem Kleinbus (von links nach rechts)

Die Schauspieler Hannes Jaenicke (Ralf), Matthias Habich (Alain), Max von Pufendorf (Oliver), Thekla Reuten (Kim) und Husam Chadat (Husam) sitzen in ihrem Kleinbus (von links nach rechts)

In vielen Kriegsfilmen geht es um Heldentum, um Ehre, um Waffenbrüderschaft unter Männern. Es wird geschossen, gestorben und gemetzelt. Auch in dem deutschen Irak-Film „Waffenstillstand“ fallen Schüsse und spielt der drohende Tod eine wichtige Rolle. Doch es findet keine Verklärung statt. Der erste Spielfilm von Regisseur Lancelot von Naso wirkt ausgesprochen authentisch. Der junge Regisseur, der bislang vor allem mit Kurzfilmen auffiel, recherchierte lange und baut seine Handlung auf realen Geschehnissen auf. Am letzten Märzwochenende stellte von Naso den Film in den Niederlanden auf dem Filmfestival "Movies that matters" vor. Am 1. April feiert der Film in Berlin Premiere.

Inhalt

Der Film spielt im Irak im Kriegsjahr 2004. Amerikanische Soldaten und Aufständische kämpfen um die Stadt Falludscha. Als dort 24 Stunden lang die Waffen ruhen sollen, wittern der junge, ehrgeizige Fernsehjournalist Oliver (Max von Pufendorf) und sein Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke) eine exklusive Geschichte. Sie begleiten von Bagdad aus die Mitarbeiter einer Hilfsorganisation auf ihrer abenteuerlichen Tour ins Kriegsgebiet. Die Logistikerin Kim (Thekla Reuten ) und der Arzt Alain (Matthias Habich) versuchen Medikamente in die belagerte Stadt zu bringen, wobei alle sehr unterschiedliche Ziele verfolgen.

Von Naso: Wie verdammt schwierig es ist, im Krieg die richtige Entscheidung zu fällen. Das zeigt auch die Tanklaster-Bombardierung bei Kundus. Der deutsche Oberst hat die Entscheidung für den Luftschlag getroffen, weil sie ihm richtig erschien. Zu erwarten, dass man in den Krieg ziehen kann, ohne dass schlimme Dinge passieren, ist absolut absurd.

ZEIT ONLINE: Was im Krieg erlaubt ist und was nicht, ist ein schwieriges Thema. Sie haben den Film Schülern gezeigt. Wie waren die Reaktionen?

Von Naso: Manche glauben, dass ich ihnen die ganze Welt erklären kann, sie stellen dann Fragen zur aktuellen Politik. Ich bin aber nicht der Typ, der anderen die Welt erklären will. Ich finde es spannender, erst einmal Fragen zu stellen. Es gab aber unter den Schülern auch überraschende Reaktionen. Ein Achtklässler sagte, der Film, den er gesehen habe, der Waffenstillstand am ähnlichsten sei, wäre Indiana Jones 3.

ZEIT ONLINE: Das klingt nicht unbedingt nach einem Kompliment.

Von Naso: Von einem Achtklässler schon: Er meinte damit ja, dass der Film ihn gepackt hat. In Deutschland wird zu oft zu streng unterschieden, ob ein Film Kunst oder Unterhaltung ist. Mein Film sollte realistisch und auch politisch sein, aber dennoch Leute ins Kino locken. Der größte Unterschied zu einer Hollywood-Produktion über den Irak ist, dass Waffenstillstand kein Soldatenschicksal nacherzählt.

ZEIT ONLINE: Waffenstillstand zeigt durchaus auch packende Szenen. Ist das also nur ein Köder für Action-Fans?

Leserkommentare
  1. ...und der Schnee" eine hohe Messlatte vorgibt.

    Schade eigentlich, dass der damals nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hat: http://de.wikipedia.org/w...

    ps: Es freut mich sehr, dass junge Regisseure sich an solch ein Projekt wagen - meinen größten Respekt.

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