Cannes "Männer und Schönheit passen nicht zusammen"

Aus Büchern kann man Schauspielerei nicht lernen, sagt Luke Grimes im Interview. In Cannes ist der Jungstar aus Hollywood in Cam Archers Film "Shit Year" zu sehen.

Luke Grimes, 26 Jahre alt, in Cannes

Luke Grimes, 26 Jahre alt, in Cannes

ZEIT ONLINE: Herr Grimes, Sie gelten in den USA als angesagter Newcomer, stehen dabei allerdings noch vor der wichtigen Entscheidung, wie Sie sich selbst in Zukunft vermarkten wollen. Werden wir Sie eher in kontrovers diskutierten Arthouse-Filmen wie Shit Year sehen?

Luke Grimes:Ich wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn ich weiter einfach nur die Rollen spielen könnte, die mir wirklich am Herzen liegen. Aber die Realität sieht ja oft anders aus. Ich brauche aber nicht viel zum Leben, insofern hoffe ich schon, die feine Linie zwischen Kunst und dem, was man zum Leben braucht, gut meistern zu können.

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ZEIT ONLINE: Ihr aktueller Film Shit Year besteht aus überwiegend fragmentarischen, fast traumhaft anmutenden Szenen. War dieser zusammenhanglose Stil von Anfang an klar?

Grimes: Ja. In gewisser Weise hatte ich das auch erwartet: Ich kannte Cam Archers (der Regisseur von Shit Year, Anm. d. Redaktion) frühere Filme, und die Dialoge im Drehbuch deuteten schon darauf hin, dass er eine andere Welt für den Film erschaffen wollte. Denn so sprechen Menschen normalerweise nicht. Bei der Produktion war auch vieles außergewöhnlich. Da ich Cam voll und ganz vertraute, beschloss ich einfach, all das zu tun, was er wollte. Ich wusste, dass er etwas Großartiges daraus machen würde.

ZEIT ONLINE: Wie viel Improvisation wurde Ihnen abverlangt?

Grimes: Es wurde nicht nur viel improvisiert, sondern auch vieles am Drehtag noch umgeschrieben. Das Drehbuch hatte anfangs eine narrativere Struktur als der finale Film, weil Cam im Schneideraum die Szenen völlig umgestellt hat. Er hat sich im Verlauf der Entstehung völlig verändert. Ich habe den Film gestern hier bei der Premiere in Cannes zum ersten Mal gesehen. Mir gefiel, dass man den beiden Protagonisten zusehen kann, wie sie einfach nur spielen. Wie sie ihre Nähe genießen und die Altersdifferenz irrelevant wird.

 

 

 

ZEIT ONLINE: Ihre Stellung im Film kann als Personifikation ultimativer Schönheit beschrieben werden. Eine alternde Schauspielerin kann nicht ablassen, Sie zu berühren, zu spüren, Sie anzusehen. Zu viel Schönheit wird in Hollywood oft auch als Negativ-Kriterium für wirklich gute Rollen ausgelegt. Haben Sie eine ähnliche Erfahrung bereits gemacht?

Grimes: Es gab in der Tat schon Rollen, die ich nur wegen meines Aussehens nicht bekommen habe. Aber das ist in Ordnung. Ich finde es seltsam für einen Mann, über Schönheit zu sprechen. Irgendwie passt das nicht zusammen. Es ist eine harte Frage, die Sie mir da stellen.

ZEIT ONLINE: Sie müssten den Umgang damit doch eigentlich gewohnt sein: Der Star-Fotograf Mario Testino hat Sie zum Beispiel höchst elegant für das Cover des V-Magazins abgelichtet.

Grimes: Ja. Er hat mich auf einer Party angesprochen und mich gefragt, ob ich dazu bereit wäre. Das habe ich gemacht, weil es gut für meine Schauspielkarriere ist. Ich habe generell kein Problem damit, will aber andererseits auch nicht darauf reduziert werden, wie ich aussehe. Da sollte sich im Zusammenhang mit meiner Person schon noch mehr abspielen.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie, der Sohn eines Pastors aus Ohio, denn eigentlich bei der Schauspielerei gelandet?

Grimes: Ob Sie es glauben oder nicht: Ich war früher richtig religiös, habe in der Kirche Schlagzeug gespielt, bin dort aufgewachsen. Aber dann gab es da noch meine lebhafte Vorstellungskraft und die Lust an der Performance an sich. Ich dachte mir irgendwann, etwas völlig anderes zu machen und aus Ohio wegzuziehen. Ich ging nach New York und studierte dort für zwei Jahre Schauspiel an der American Acadamy of Dramatic Arts.

ZEIT ONLINE: Was hat Ihnen das gebracht?

Grimes: Eine sehr wichtige Erkenntnis: das Selbstvertrauen in mich selbst und die Zuversicht, es in diesem Geschäft vielleicht wirklich zu etwas bringen zu können. Durch Bücher kann man Schauspielerei nicht lernen.

ZEIT ONLINE: Junge Schauspieler haben oft das Problem, Ihre eigene Eitelkeit nicht für eine Rolle zurückstecken zu können. Sind Sie darüber schon hinaus?

Grimes: Ich habe das vor allem durch die Arbeit mit Ellen Barkin gelernt. Sie lässt sich förmlich in Szenen fallen, blind, bedingungslos, furchtlos, ohne Rücksicht auf ihr Aussehen. Sie tut, was nötig ist, um die Rolle zu spielen. Sie atmet sie förmlich ein, ohne Eitelkeit, ohne Hemmungen. Das ist etwas, was ich bei meiner nächsten Rolle unbedingt beachten will.

ZEIT ONLINE: Sie leben inzwischen seit sechs Jahren in Los Angeles. Keine Angst, nur einer von vielen zu sein?

Grimes: Die Konkurrenz in meinem Alter ist so groß, dass ich mir rein theoretisch sogar die Möglichkeit vorstellen könnte, nie wieder eine Rolle zu bekommen. Nun glaube ich zwar auch, dass der Zweifel unbegründet ist, aber so ganz kann ich diese Furcht nicht verdrängen. Aber vielleicht ist gerade das ja auch der Motor, der mich weiter antreibt.

Das Gespräch führte Johannes Bonke

 
Leser-Kommentare
  1. "yeah ... another world being created"
    "not the way people normally speak...you know..."

    während er sich im Ohr pult.

  2. Der Kerl sagt: "Ich finde es seltsam für einen Mann, über Schönheit zu sprechen. Irgendwie passt das nicht zusammen. Es ist eine harte Frage, die Sie mir da stellen."

    Einfach ein paar Worte streichen, und schon hat man die schöne plakative Überschrift "Männer und Schönheit passen nicht zusammen".
    Wen juckt es schon, dass er etwas völlig anderes gesagt hat, nämlich dass "Männer" und "über Schönheit reden" nicht zusammen passen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    gut ausgebildete Menschen im Berufsleben zu finden

    die Zeitungen scheinen eben auch von dem Problem betroffen zu sein, PISA lässt grüßen, können weder lesen, noch schreiben noch das gesprochene Wort verstehen

    gut ausgebildete Menschen im Berufsleben zu finden

    die Zeitungen scheinen eben auch von dem Problem betroffen zu sein, PISA lässt grüßen, können weder lesen, noch schreiben noch das gesprochene Wort verstehen

  3. gut ausgebildete Menschen im Berufsleben zu finden

    die Zeitungen scheinen eben auch von dem Problem betroffen zu sein, PISA lässt grüßen, können weder lesen, noch schreiben noch das gesprochene Wort verstehen

    Antwort auf "BILD-Niveau?"
  4. Nur wegen der Überschrift habe ich das Interview gelesen-
    dachte ich finde Rechtfertigungen für fehlendes Haupthaar und Plautze- wollte mir ein T-shirt mit dem Titelzitat drucken lassen- aber da es nicht echt ist....

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