Zum Tod von Dennis Hopper Der wunderbar aasigste Bösewicht von allen
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Absturz und Wiederauferstehung

 Dennis Hopper war nun ein wohlhabender Mann. Und weil Hollywood die Erfolgreichen liebt, schloss es den verlorenen Sohn wieder in seine Arme. Mit einem Pool kreativer Freunde zieht er für ein weiteres Herzensprojekt nach Peru, um einen der ebenso tiefsinnigsten wie durchgeknalltesten Filme des amerikanischen Kinos überhaupt zu drehen: The Last Movie (1970/71), eine bitterböse Parabel auf die Ausbeutung eines lateinamerikanischen Landes. Zugleich ist es ein Film über die Achtlosigkeit und Brutalität des Filmemachens selbst geworden. Denn in dem Film-im-Film-Stoff stellt ein Filmteam die ursprünglich abgeschiedene Welt eines Andendorfes brachial auf den Kopf. Die Einwohner verlieren ihren Glauben an die eigenen Gottheiten und bestaunen lieber die Wunder der Lichtspiele.

Während der Dreharbeiten werden vor und hinter der Kamera Drogen eingeschmissen. Wankende Schauspieler und eine berauschte Kamera sind keinesfalls als stilistische Mittel gedacht, sondern dokumentieren die heillose Auflösung der Wirklichkeit am Set. Die Produktionsfirma tobt, als Hopper die delirierenden Bilder nicht umschneiden will. Der Film wird aus den Kinos zurückgezogen.

Für Jahre versinkt Hopper in einem Nebel aus Whiskey, Koks und Apathie. Schon als Kind schnüffelte Hopper, der am 17. Mai 1936 in in Dodge City geboren wurde, am Tank des großväterlichen Trucks. Als Teenager war er bereits ein ausgereifter Alkoholiker. In den 60er und 70er Jahren gibt es wohl keine Substanz die Hollywoods Outlaw nicht geschnüffelt, geraucht oder sich in die Venen gejagt hätte. Als Francis Ford Coppola ihn für Apocalypse Now (1976-79) verpflichtet, muss der Regisseur schnell erkennen, dass dieser verpeilte Junkie bestenfalls als irrer Kriegsfotograf mit möglichst wenig Text einzusetzen ist und keinesfalls als handlungstragender Green Beret wie ursprünglich geplant.

Es ist David Lynch, der Dennis Hopper eines Tages aus der Psychiatrie zerrt, ihm buchstäblich eine Sauerstoffmaske aufsetzt und ihn als „fuck you, fucking fuck- Frank Booth in Blue Velvet (1986) besetzt. So nüchtern und klar wie vielleicht nie zuvor in seinem Leben gibt Hopper den schmatzenden Sadisten. Spätestens mit diesem ekelhaften Kerl wird Dennis Hopper zum neuen Schurken des amerikanischen Kinos. Er verkörpert das Monströse, Enthemmte, Zugedröhnte, Geile, Kaputte auf der Leinwand.

Und wie in den meisten der Produktionen seit seiner Wiederentdeckung, Red Rock West (1993) oder Speed (1994), war er als solches kaum totzukriegen.  Von jetzt an steht dieser Schurke an Amerikas weiß gestrichenen Vorgartenzäunen, blickt von dort in die guten Stuben und das Allerheiligste des Mittelstandes und findet immer einen Weg hinein.

Dennis Hopper, der aasigste Bösewicht von allen, der wagemutige Filmemacher, Maler, Bildhauer, Fotograf und Kunstsammler ist am 28. Mai 2010 an Krebs gestorben.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein treffender Nachruf auf diesen großen Künstler!

  2. Die Welt bräuchte mehr von dieser Sorte!

  3. ... Dennis Hopper ist aber "erst" am 29. Mai gestorben.

    http://de.wikipedia.org/w...

  4. ... dauert es, bis man begreift, dass sie wirklich gegangen sind.

    So zeitlos immer da sind nur wenige.

  5. in all seinen Filmen hat mich der Mann völlig fasziniert -
    am besten für mich in Blue Velvet mit I.Rosselini -
    Bis bald Dennis
    you´´l be not alone in the dark

  6. besonders Roland Klicks "White Star" (1983) empfehlen, dort ließ Hopper wie in kaum einem anderen Film seinem durchgeknallten Genie freien Lauf.

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