Kurzfilm "Der Verdacht" Von der zerstörerischen Kraft des Zweifels

Die Liebe einer jungen Frau wird auf die Probe gestellt, als die Dorfgemeinschaft ihren Mann des Mordes verdächtigt. Felix Hassenfratz hat den Vertrauensverfall inszeniert.

Welche Macht die Worte haben, die nicht ausgesprochen werden, das zeigt der junge Regisseur Felix Hassenfratz sehr eindringlich in seinem kurzen Film Der Verdacht . Seine Hauptdarstellerin Conny (Anne Weinknecht) stellt ihrem Mann Fragen: Warum er zu spät zu ihrer Verabredung gekommen sei? Ob er sich geschnitten habe? Ob er sie noch liebe? Das tut sie nach heftigem Ringen mit sich selbst, denn sie scheint zu spüren, dass Fragen nicht erwünscht ist. Sie erhält auch prompt nur die knappsten aller möglichen Antworten, nur ein, zwei Worte, eine Geste oder die Feststellung: "Du schwätzt zu viel."

Das Wendland Shorts Filmfestival

30 Kurzfilme hat ZEIT ONLINE seit Anfang das Jahres in Kooperation mit dem Kurzfilmfestival Wendland Shorts gezeigt. Das Festival prämiert seit 2007 jedes Jahr den besten Kurzfilm und die beste Filmidee. Es zeichnet sich durch die abgeschiedene und intime Atmosphäre im norddeutschen Lüchow-Dannenberg aus, in der junge Filmemacher mit Fachleuten und Cineasten unmittelbar ins Gespräch kommen können. Am 18. Juni ist es nun wieder soweit. Mit Beginn des diesjährigen Festivals endet die Kooperation. Ausgewählte und ausgezeichnete Kurzfilme werden Sie aber auch weiterhin regelmäßig auf ZEIT ONLINE finden.

Der Festivalleiter Dirk Roggan

Dirk Roggan hat das Wendland Kurzfilmfest gegründet. Den Ausschlag gab seine eigene - sehr erfolgreiche Teilnahme - an zahlreichen nationalen und internationalen Festivals seit 2004 mit dem von ihm produzierten Kurzfilm "Anna und der Soldat", der auch den Auftakt zu unserer Filmreihe macht. "Die besondere Note sollte die Nähe von Filmemachern, Jury und Publikum in entspanntester Umgebung sein", sagt Roggan. Dieser unmittelbare Kontakt zwischen jungen Filmemachern und Produzenten zahlte sich auch 2009 wieder aus: Eine der im vergangenen Jahr vorgestellten Filmideen wurde inzwischen umgesetzt.

Der Regisseur Felix Hassenfratz macht Filme über das Leben und die Idee, die wir uns davon machen

Der Regisseur Felix Hassenfratz macht Filme über das Leben und die Idee, die wir uns davon machen

Dem Kurzfilm war eine monatelange Recherche zu dem Dokumentarfilm Der Bäcker war's (2006) vorausgegangen. Darin zeichnete Hassenfratz nach, was mit einer Dorfgemeinschaft geschieht, in der einer von ihnen, der Bäcker, wegen Raubmords verhaftet wurde. Wie da kollektiv geschwiegen und als geschlossene Gruppe das Vertrauen entzogen wird das zeigte Hassenfratz zwei Jahre später in seinem fiktiven Film Der Verdacht . Auch hier ist der vermeintliche Täter der Bäcker. Seine Frau singt im Kirchenchor gemeinsam mit anderen Frauen der Gemeinde "Halleluja" und "Herr, lass uns nicht zweifeln!". Doch als sie fragt, wer ihren Udo für schuldig halte, nein, einfacher, wer Udo für unschuldig halte, solle die Hand heben, rührt sich keine.

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Der Verdacht ist einer von jenen Filmen, in denen sich kaum etwas rührt. Da wird höchstens auf dem Karussell im Kreis gefahren. Und doch führt dieses Nicht-Rühren zu einem Verfall des Vertrauens. Der Zweifel ist das mächtigste Zersetzungsinstrument, über das unsere Seele verfügt.

Der Kurzfilm wurde 2008 mit dem deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

Zum Film

Länge: 25 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Mit Anne Weinknecht, Heinrich Schmieder, Daniela Holtz. Buch und Regie: Felix Hassenfratz. Produktion: Mathias Casanova und die Internationale Filmschule Köln

 
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