Welche Macht die Worte haben, die nicht ausgesprochen werden, das zeigt der junge Regisseur Felix Hassenfratz sehr eindringlich in seinem kurzen Film Der Verdacht . Seine Hauptdarstellerin Conny (Anne Weinknecht) stellt ihrem Mann Fragen: Warum er zu spät zu ihrer Verabredung gekommen sei? Ob er sich geschnitten habe? Ob er sie noch liebe? Das tut sie nach heftigem Ringen mit sich selbst, denn sie scheint zu spüren, dass Fragen nicht erwünscht ist. Sie erhält auch prompt nur die knappsten aller möglichen Antworten, nur ein, zwei Worte, eine Geste oder die Feststellung: "Du schwätzt zu viel."

Dem Kurzfilm war eine monatelange Recherche zu dem Dokumentarfilm Der Bäcker war's (2006) vorausgegangen. Darin zeichnete Hassenfratz nach, was mit einer Dorfgemeinschaft geschieht, in der einer von ihnen, der Bäcker, wegen Raubmords verhaftet wurde. Wie da kollektiv geschwiegen und als geschlossene Gruppe das Vertrauen entzogen wird das zeigte Hassenfratz zwei Jahre später in seinem fiktiven Film Der Verdacht . Auch hier ist der vermeintliche Täter der Bäcker. Seine Frau singt im Kirchenchor gemeinsam mit anderen Frauen der Gemeinde "Halleluja" und "Herr, lass uns nicht zweifeln!". Doch als sie fragt, wer ihren Udo für schuldig halte, nein, einfacher, wer Udo für unschuldig halte, solle die Hand heben, rührt sich keine.

Der Verdacht ist einer von jenen Filmen, in denen sich kaum etwas rührt. Da wird höchstens auf dem Karussell im Kreis gefahren. Und doch führt dieses Nicht-Rühren zu einem Verfall des Vertrauens. Der Zweifel ist das mächtigste Zersetzungsinstrument, über das unsere Seele verfügt.

Der Kurzfilm wurde 2008 mit dem deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

Zum Film

Länge: 25 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Mit Anne Weinknecht, Heinrich Schmieder, Daniela Holtz. Buch und Regie: Felix Hassenfratz. Produktion: Mathias Casanova und die Internationale Filmschule Köln