Fernsehen Regierungssprecher Wilhelm wird neuer BR-Intendant

Ulrich Wilhelm, der bisherige Sprecher der Kanzlerin, wird Intendant des Bayerischen Rundfunks. Kritiker sehen die Unabhängigkeit des Senders in Gefahr.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hat die Wahl zum Intendanten des Bayerischen Rundfunks (BR) mit 90 Prozent der Stimmen gewonnen. Der Chef des Bundespresseamtes setzte sich im BR-Rundfunkrat mit großer Mehrheit gegen den BR-Landtagskorrespondenten Rudolf Erhard durch.

Er werde sein Amt in Berlin spätestens im Juli aufgeben, wenn sein Nachfolger als Regierungssprecher gefunden sei. Mindestens ein halbes Jahr wolle er zwischen der alten und der neuen Aufgabe vergehen lassen. Wilhelm galt bereits seit Monaten als Favorit für die Nachfolge von Intendant Thomas Gruber. Der CSU-Mann fand auch in der Opposition Zustimmung.

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Der Jurist und Journalist folgt im BR zum 1. Februar 2011 auf Gruber, der nach neunjähriger Amtszeit den Intendantenposten schon elf Monate vor Vertragsende freimacht. Gruber hatte die Kandidatur Wilhelms wesentlich gefördert. "Mein Vertrauen in den Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks bleibt ungebrochen", sagte der scheidende Hausherr, der sich 2001 ebenfalls gegen einen Mitbewerber hatte durchsetzen müssen.

Die Wahl Wilhelms war teilweise umstritten: Die medienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Tabea Rößner, kritisierte die Wahl Wilhelms als falsches Signal. "Diese Entscheidung klingt nicht nach Staatsferne, sondern nach Staatsnähe und Amigowirtschaft", sagte Rößner. Auch die Landtagsgrünen und die Freien Wähler hatten den direkten Wechsel von der Spitze des Bundespresseamtes auf die Führungsposition des öffentlich-rechtlichen Senders kritisiert. Nicht zuletzt deshalb hatten vier der insgesamt 47 Rundfunkratsmitglieder mit Erhard einen Kandidatenvorschlag aus den Reihen des BR gemacht.

Wilhelm bekannte sich nach der Wahl zur Staatsferne des Senders. "Ich habe deutlich gemacht, dass sich die Aufgaben ganz klar unterscheiden", sagte der künftige Intendant. Als solcher habe er die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schützen und das werde er auch tun. Die Staatsferne werde von ihm "verkörpert, geschützt und bewältigt", versprach der neue Chef des viertgrößten ARD-Senders mit 3000 festen Mitarbeitern.
 

 
Leser-Kommentare
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    • 06.05.2010 um 21:40 Uhr

    BR = staatsfern? Ja natürlich! Aber: regierungsnah!

    Ich habe mir sagen lassen, es gibt normalerweise genau 2 Möglichkeiten, einen der begehrten Jobs beim BR zu ergattern:
    1. Man hat Verwandtschaft, die dort ein Pöstchen hat.
    2. Man ist bei der CSU.

    Iss nicht so schlimm, denn die BR-Mitarbeiter haben anscheinend so schöne Arbeitsbedingungen, dass sie aus ihrer Relaxtheit heraus stets liberal im Sinne der Presse-/Medienfreiheit agieren können.
    Und regt sich auch keiner hier drüber auf, denn das war immer schon so und das wird auch so bleiben: bayrisches Brauchtum.

  1. Wir werden sehen, was ein Intendant Wilhelm aus dem tatsächlich sehr liberal gewordenen BR macht. Allerdings ist dieser Sender nicht liberal in seinen Nachrichtensendungen.
    Eigentlich dürften Personen wie er in einer ordentlichen Demokratie in der Politik keine Karriere machen. Wenn das zugehörige Personal denn demokratisch wäre.

  2. der am 6.5.2010 um 20.13 Uhr ins Netz gestellte Artikel
    "Regierungssprecher Wilhelm wird BR-Intendant"
    kann man am 7.5.2010 um 8.11 Uhr nur unter Kultur "meistgelesener Artikel" auffinden.

    Genau so stelle ich mir "Alibi-Journalismus" vor und ehrlich gesagt dieses Verhalten meiner doch immer noch irgendwie geliebten "Zeit" tut mir ein bisschen Weh.

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