Aruba-Filmfest "Richard Gere? Man bezichtigte mich, ein Double engagiert zu haben"
Der italienische Produzent Guiseppe Cioccarelli wollte ausgerechnet in den Kleinen Antillen ein Symposium für Stars und Filmschaffende gründen. Am 8. Juni war es soweit. Ein Gespräch über die Umsetzung einer ziemlich verrückten Idee
© Aruba

Wer möchte hier noch ins Kino, wo es doch auch draußen aussieht wie in einer Filmkulisse: die Insel Aruba in den Kleinen Antillen
ZEIT ONLINE: Mr. Cioccarelli, wie bitte kommt man als Italiener darauf, auf der Karibikinsel Aruba ein internationales Filmfestival zu veranstalten?
Guiseppe Cioccarelli: Ich bin als Filmproduzent vor drei Jahren hierhergezogen, weil meine Familie hier eine schönere Zeit als im hektischen Rom hat, wenn sie zwischen zwei Projekten auf mich warten muss. Mit meinem besten Freund auf der Insel, Jonathan Vieira, und den hiesigen Behörden habe ich dann irgendwann angefangen zu überlegen, wie man mehr internationale Filmproduktionen zum Drehen hier auf diese Insel bringen könnte. Von dem Zeitpunkt an war das Festival als Idee nicht mehr weit entfernt.
ZEIT ONLINE: Wie stampft man ein Festival aus dem Nichts?
Cioccarelli: Vor genau einem Jahr begannen wir mit den Planungen und sicherten uns zuerst die Unterstützung von Tourismusverband und Behörden. Dann ernannten wir die Filmfestival-Ikone Claudio Massenza zum künstlerischen Leiter. Er war lange Jahre für das Programm der Venedig-Filmfestspiele zuständig und kümmert sich auch heute noch um die Selektion in Rom. Wir köderten ihn damit, ihn gleichzeitig zum Präsidenten, Direktor und Deus ex Machina unseres Festival machen zu wollen. (lacht) Er musste quasi zusagen.
ZEIT ONLINE: Er war dann wohl auch dafür verantwortlich, dass ein Star wie Richard Gere Ihre Einladung zum Festival annahm.
Cioccarelli: Klar, Claudio ist unser Motor. Er ist nicht nur Vollprofi und Gentleman, sondern eben auch mit vielen Stars eng befreundet. Uns alleine wäre es wohl sehr schwer gefallen, jemanden wie Gere im ersten Jahr hierher zu locken. Aber Claudios Einladung ist er gerne gefolgt – eben weil sie seit Jahrzehnten befreundet sind.
ZEIT ONLINE: Was sind Ihre Langzeitziele, die all diesen Aufwand einmal rechtfertigen sollen?
Cioccarelli: Wir wollen eine intime Atmosphäre schaffen und mit diesem Charme die unterschiedlichsten Bereiche fördern: Wir wollen den Tourismus ankurbeln, das Kulturprogramm fördern, Filmproduktionen anlocken und die hiesige Jugend für das Medium begeistern. Sie sollen das Filmgeschäft lieben lernen, um selbst etwas auf die Beine zu stellen.
ZEIT ONLINE: Wie sah denn die Filmlandschaft in Aruba bislang aus?
Cioccarelli: Es gibt ein paar wenige Kinosäle, die alle demselben Besitzer gehören. Da werden dann natürlich auch nur Blockbuster gezeigt, weil die bei der Hitze noch die meisten Zuschauer anziehen. Als wir mit der Idee eines Festivals auf ihn zukamen, war er aber sofort als Unterstützer dabei. Für ihn ist das Festival eine gute Möglichkeit, sein Programm zu erweitern und neue Besucher anzulocken.
ZEIT ONLINE: Und wie haben Sie das Ganze finanziert?
Cioccarelli: Alle großen Einrichtungen Arubas haben zusammengelegt. Da niemand so richtig wusste, wie man sich ein Filmfestival vorzustellen hat oder was das überhaupt genau ist, hat man uns auch immenses Vertrauen geschenkt. Langfristig lastet natürlich entsprechender Druck auf uns, den Anforderungen auch gerecht zu werden.
ZEIT ONLINE: Wie gefällt Ihnen nun die Stimmung, knapp zur Halbzeit Ihres ersten Festivals?
Cioccarelli: Ach, man erlebt so viel Witziges. Zuerst hat mir niemand in Aruba geglaubt, dass Richard Gere wirklich auftauchen würde. Und dann, als er da war, bezichtigte man mich, ein Double engagiert zu haben. (lacht) Wir merken auch, dass viele Inselbewohner noch sehr zurückhaltend auf das Programm reagieren. Es kommen eher Touristen. Jonathan, der hier aufgewachsen ist, hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, allen hier zu erklären, was genau ein Filmfestival ist.
ZEIT ONLINE: Wie macht er das?
Cioccarelli: Er geht ins lokale Fernsehen, spricht über die Filme und zeigt, wie Filmfestivals in anderen Städten aussehen. Wir haben auch einen ganzen Tag des Festivals lokalen Produktionen gewidmet: Kurzfilme, Dokumentationen und Spielfilme aus Aruba, Curacao, Barbados und anderen Inseln der Gegend. Es ist verblüffend, wie hochwertig manche dieser Filme produziert sind.
ZEIT ONLINE: Was wünschen Sie sich, welcher Eindruck nach dem ersten Festival bleibt?
Cioccarelli: Unter den Einheimischen eine Begeisterung für die Sache an sich. Und von unseren internationalen Festivalgästen, dass sie die Schönheit und den Charme dieser Insel genauso lieben lernen wie ich.
Das Gespräch führte Johannes Bonke
- Datum 10.06.2010 - 13:45 Uhr
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Dieses Festival habe ich mir 7 Tage mal genau angeschaut. Also, für ein INTERNATIONALES Festival müssen die Organisatoren noch sehr viel tun. Grundsätzlich ist dieses Event professionell umgesetzt - dies wäre auch erschreckend wenn es nicht so wäre - da es sich ja um das Team vom Filmfestival Rom/Venedig handelt. Ich schätze, das Team rund um Dieter Kosslick könnte auch ein Festival in Timbuktu hervorragend umsetzen. Aber darum geht es nicht. Wo waren die ganzen Verleiher, Produzenten etc. die ein solches Festival ausmachen? Nicht da! Da hilft auch ein Richard Gere nicht weiter. " A converstaion with...Richard Gere" am zweiten Tag war ein Desaster. Nur amerikanische Hausfrauen und Schulkinder aus Aruba. Absolut uninformativ und überfüssig. "A conversation with...Griffin Dunne" hingegen hatte, ein paar Tage später, endlich mal Festivalcharakter. Ich wünsche den Organsisatoren für 2011 mehr Internationalität. Ich fliege auf jeden Fall wieder hin - die Insel ist ein Traum...
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