Kurzfilm "Nachtgebet" Eine Deutsche muss in Jerusalem Unverständnis lernen

Eine junge Deutsche, ein Palästinenser und ein israelischer Arzt: In Doreens Richlins Kurzfilm "Nachtgebet" lernen wir viel über unsere Naivität im Umgang mit dem Nahost-Konflikt.

Für welch komplexe Themen auch Kurzfilme geeignet sein können, zeigt Doreen Richlin in Nachtgebet . Auf nur 19 Minuten Länge bringt sie die Ambivalenz eines der konfliktreichsten weltpolitischen Themen zum Ausdruck. Anna ist eine junge Deutsche, die als Lehrerin im Westjordanland arbeitet. Nach einer israelischen Militäraktion bringt sie ihren schwer verletzten Kollegen Ali in das einzige Krankenhaus, das sie kennt. Und das liegt in Westjerusalem.

Anna ist selbst durch den Angriff verstört und verletzt. So wirft sie dem Krankenhauspersonal vor, sich schlecht um Ali zu kümmern, weil er ein Palästinenser ist. Ein Arzt, der ein Jahr in Deutschland studiert hat, kommt mit ihr ins Gespräch. Es wäre zu viel, von gegenseitigem Verständnis zu sprechen. Doch es kommt zwischen den beiden zumindest zu einer Verständigung.

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Anna (Henriette Heinze) wirkt beinahe naiv aufgrund ihres eigenen Schocks und in den Dialogen, die sie weitgehend auf Englisch führen muss. Das Schlimmste an ihrem Leben unter Palästinensern sei zu sehen, wie schon die Kinder Waffen tragen. Die diensthabende Krankenschwester bringt es auf den Punkt: " Couldn't you find a better place to be a saint ?"

Das Wendland Shorts Filmfestival

30 Kurzfilme hat ZEIT ONLINE seit Anfang das Jahres in Kooperation mit dem Kurzfilmfestival Wendland Shorts gezeigt. Das Festival prämiert seit 2007 jedes Jahr den besten Kurzfilm und die beste Filmidee. Es zeichnet sich durch die abgeschiedene und intime Atmosphäre im norddeutschen Lüchow-Dannenberg aus, in der junge Filmemacher mit Fachleuten und Cineasten unmittelbar ins Gespräch kommen können. Am 18. Juni ist es nun wieder soweit. Mit Beginn des diesjährigen Festivals endet die Kooperation. Ausgewählte und ausgezeichnete Kurzfilme werden Sie aber auch weiterhin regelmäßig auf ZEIT ONLINE finden.

Der Festivalleiter Dirk Roggan

Dirk Roggan hat das Wendland Kurzfilmfest gegründet. Den Ausschlag gab seine eigene - sehr erfolgreiche Teilnahme - an zahlreichen nationalen und internationalen Festivals seit 2004 mit dem von ihm produzierten Kurzfilm "Anna und der Soldat", der auch den Auftakt zu unserer Filmreihe macht. "Die besondere Note sollte die Nähe von Filmemachern, Jury und Publikum in entspanntester Umgebung sein", sagt Roggan. Dieser unmittelbare Kontakt zwischen jungen Filmemachern und Produzenten zahlte sich auch 2009 wieder aus: Eine der im vergangenen Jahr vorgestellten Filmideen wurde inzwischen umgesetzt.

Es ist vom Drehbuchautor Dror Dayan geschickt angelegt, die Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und Israelis nicht unmittelbar, sondern über Anna zu inszenieren. Sie macht uns den Konflikt, der in seiner Komplexität sowieso schwer vermittelbar ist, zumindest zugänglicher. Sie stellt Fragen, wie sie jedem, der nur Nachrichten aus Israel und den palästinensischen Gebieten konsumieren kann, durch den Kopf gehen. Das Verständnis für die Beweggründe der Konfliktparteien bleibt trotz der Zugänglichkeit freilich begrenzt. Am Ende der Nacht müssen wir uns mit Anna anhören: " We don't really have a choice ."

Zum Film

Länge: 19 Minuten. Mit Henriette Heinze, Lior Raz, Nirit Sommerfeld. Regie: Doreen Rechin, Buch und Kamera: Dror Dayan, Produktion: Alexander Sellschopp und Risingstar Film & Video/Berlin

 
Leser-Kommentare
    • Fifty4
    • 15.06.2010 um 8:57 Uhr

    Ein Einzelschicksal macht den großen Konflikt kompliziert. Heraus kommt: Es gibt keine Lösung!

    Verständlich wird der Nahostkonflikt nur, wenn man sich vergegenwärtigt, dass hier Politiker am Werk sind, die schon als Kinder nicht gelernt haben zu teilen, sondern von ihren Erziehern eher angehalten worden sind, im Sandkasten auf andere mit der Schaufel einzudreschen um sich durchzusetzen.

    Erst wenn diese armseeligen Horrorgestalten, wie die eines Netanjahu, ausgewechselt sind, wird es einen Frieden geben. Vorher nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist schon interessant, dass man immer wieder Netanyahu als Aggresivling verunglimpft (siehe den Kommentar von Fifty4). Verglichen mit der palästinensischen Seite ist der Mann geradezu ein Gandhi: Die Hamas, die Gaza kontrolliert, strebt erklärtermaßen die Vernichtung des jüdischen Volkes an (vgl. Artikel 7 der Hamas-Charta). Der Vorsitzende der vermeintlich moderaten Fatah, die das Westjordanland kontrolliert, hat in seiner Doktorarbeit den Holocaust geleugnet und ist genau wie die Hamas bis heute nicht bereit, neben dem palästinensischen auch einen jüdischen Staat anzuerkennen.

    Ein komplizierter Konflikt? Weniger als so mancher naive Beobachter in Deutschland denkt.

    Es ist schon interessant, dass man immer wieder Netanyahu als Aggresivling verunglimpft (siehe den Kommentar von Fifty4). Verglichen mit der palästinensischen Seite ist der Mann geradezu ein Gandhi: Die Hamas, die Gaza kontrolliert, strebt erklärtermaßen die Vernichtung des jüdischen Volkes an (vgl. Artikel 7 der Hamas-Charta). Der Vorsitzende der vermeintlich moderaten Fatah, die das Westjordanland kontrolliert, hat in seiner Doktorarbeit den Holocaust geleugnet und ist genau wie die Hamas bis heute nicht bereit, neben dem palästinensischen auch einen jüdischen Staat anzuerkennen.

    Ein komplizierter Konflikt? Weniger als so mancher naive Beobachter in Deutschland denkt.

  1. 2. Israel

    Tatsächlich ist es so, daß die Politiker welche an der Macht sind, sozusagen "traumatisiert" sind. Sie mussten einige Kriege als Soldaten mitmachen und mussten in ständiger Wachsamkeit gegenüber den Nachbarn leben. Die jüngeren Generationen sehen diese Problematik anders.
    sie wollen durchwegs in Frieden leben und wären zu mehr Kompromissen bereits, allerdings sind sie auch bereit ihr Heimatland mit der Waffe zu verteidigen.
    Die andere, eher unbekannte Seite ist die, daß schwierige, weder im Westjordanland noch im Gaza durchführbare Operationen in Israel durchgeführt werden.
    solche Sachen werden aber gerne unter den Teppich gekehrt.
    allerdings hat Irael bewiesen, daß sie unter vernünftigen Bedingungen (siehe Ägypten, Jordanien) bereit ist, Frieden zu schließen.

  2. Es ist schon interessant, dass man immer wieder Netanyahu als Aggresivling verunglimpft (siehe den Kommentar von Fifty4). Verglichen mit der palästinensischen Seite ist der Mann geradezu ein Gandhi: Die Hamas, die Gaza kontrolliert, strebt erklärtermaßen die Vernichtung des jüdischen Volkes an (vgl. Artikel 7 der Hamas-Charta). Der Vorsitzende der vermeintlich moderaten Fatah, die das Westjordanland kontrolliert, hat in seiner Doktorarbeit den Holocaust geleugnet und ist genau wie die Hamas bis heute nicht bereit, neben dem palästinensischen auch einen jüdischen Staat anzuerkennen.

    Ein komplizierter Konflikt? Weniger als so mancher naive Beobachter in Deutschland denkt.

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