ZEIT ONLINE: Mister Gere, wann wurden Sie zum Menschenfreund?

Richard Gere: Sie sehen noch jung aus, aber ich bin inzwischen 60 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter habe ich irgendwann gemerkt, dass die einzigen Momente, die uns Menschen auf lange Sicht wirklich Freude bereiten, diejenigen sind, in denen wir anderen helfen können.

ZEIT ONLINE: Wieso ist das so?

Gere: Es ist eigentlich eine große Ironie: Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man auch zurück. Zumindest bei mir hinterlässt es einen enormen Eindruck, wenn ich merke, dass ich im Kleinen oder im Großen für manche mit meinem Einsatz einen Unterschied erwirken kann.

ZEIT ONLINE: Was würden Sie Leuten sagen, die eher egoistisch denken?

Gere: Alle Menschen leiden an einem bestimmten Punkt im Leben, auf die vielfältigste Art und Weise. Diesen Schmerz haben wir alle gemeinsam. Angesichts dieser Tatsache finde ich es nahezu verrückt, wenn Leute ihr Leben als eine Insel sehen.

ZEIT ONLINE: Wer hat Sie diese Sicht gelehrt?

Gere: Meine buddhistischen Lehrer, allen voran sicherlich der Dalai-Lama. Er hat mir beigebracht, dass wir auf Erden sind, um unserem Leben Bedeutung zu verleihen – und dass dies am ehesten geht, indem man andere unterstützt. Viele haben die Verbindung zum Universum verloren und übersehen, dass eigentlich alles miteinander verbunden ist. Aber jeder, der die Welt mit offenen Augen beobachtet, merkt, dass wir uns gegenseitig helfen müssen. Wer das erkennt, gewinnt enorm viel für sich selbst.

ZEIT ONLINE: Was müssen wir Ihrer Meinung nach tun, um in eine schöne Zukunft zu blicken?

Gere: Wir dürfen die Probleme in unserer Welt nicht als gegeben hinnehmen, sondern sollten Sie überdenken. Die Finanzkrise war sehr bedauerlich, hatte aber auch etwas Gutes: Wir sind ein paar Schritte zurückgetreten und haben die Welt etwas objektiver betrachtet. Dieses kurze Vakuum, das auf den Schock gefolgt ist, war also vielleicht durchaus etwas, das uns etwas gebracht hat. Leider scheint es so, als ob wir nun sehr viel schneller wieder in unsere alten Raster verfallen, als ich mir das gedacht oder gewünscht hatte.