Dokumentarfilm Herr Wichmann von der CDU kämpft wieder
Vor der Bundestagswahl 2002 begleitete der Regisseur Andreas Dresen den glücklosen CDU-Politiker Henryk Wichmann durch den Wahlkampf. Nun dreht er eine Fortsetzung.
Herr Wichmann von der CDU ist wieder da. Genau genommen war er nie weg, doch bald wird der Brandenburger Politiker erneut auf der Kinoleinwand erscheinen. Im Frühjahr und Sommer 2002 begleitete der Regisseur Andreas Dresen ( Halbe Treppe , Wolke 9 ) den damaligen Wahlkämpfer Henryl Wichmann dabei, wie er sich in der dünn besiedelten Uckermark vergeblich um ein Bundestagsmandat bemühte.
Die Dokumentation Herr Wichmann von der CDU wurde von der Kritik als äußerst realistisches Porträt des politischen Alltags gelobt. Man sah, wie der junge, weitgehend unbekannte Politiker gegen die Stimmung der Wähler, die Tücke umkippender Sonnenschirme und flatternder Broschüren kämpfte. Bei der Bundestagswahl 2002 kam Wichmann schließlich auf 21,3 Prozent der Zweitstimmen und verlor damit haushoch gegen den SPD-Kandidaten Markus Meckel (49,3 Prozent).
Nun will Dresen zeigen, wie die Geschichte weiter geht. Auch bei seiner zweiten Dokumentation steht Wichmann im Fokus. Allerdings nicht mehr als Wahlkämpfer, sondern als Landtagsabgeordneter der Opposition im Potsdamer Landtag. Der Gedanke, erneut mit Wichmann zu drehen, sei ihm Ende 2009 gekommen, sagt Dresen.
Lange Sitzungen, die Eröffnung eines Wahlkreisbüros, scheinbar endlose Dienstfahrten durch die Weiten Brandenburgs – warum sollte man sich das abends im Kino anschauen? "Man kann auf unterhaltsame Art erfahren, wie Politik funktioniert", sagt der Regisseur. Oft spielten in der Politik Klischees eine Rolle, er wolle die "alltägliche Fronarbeit" eines Abgeordneten zeigen. "Wir werden auch viel Scheitern sehen." Ebenso wie im ersten Wichmann-Film gehe es um den Zustand der Demokratie. "Wir wollen zeigen, dass Oppositionspolitik zu einer Demokratie dazugehört."
In Brandenburg regieren SPD und Linke, daher musste es ein Abgeordneter der anderen Fraktionen sein. Zu dem gebürtigen Templiner Wichmann habe sich im Laufe der Zeit ein gutes Verhältnis entwickelt. "Das macht die Sache sehr viel einfacher", sagt Dresen, betont aber: "Es geht aber nicht darum, ein parteipolitisches Statement abzugeben."
Wichmanns heutiger Wahlkreis umfasst Teile des Landkreises Uckermark, der einer der größten Deutschlands ist, allerdings dünn besiedelt ist und mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Durch den ersten Film sei seine Bekanntheit gestiegen, sagt Wichmann, der heute in Lychen lebt. "Autogrammwünsche kommen immer noch." Der damalige Student ist nun Jurist und hat drei Töchter. Nach dem ersten Film habe sich sein Politikstil verändert, sagt er. "Ich höre den Menschen mehr zu. Es geht nicht darum, ihnen fertige Lösungen zu präsentieren." Der zweite Film über ihn wird vermutlich im ersten Halbjahr 2012 in die Kinos kommen.
- Datum 13.09.2010 - 15:29 Uhr
- Quelle dpa
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