Film "The Social Network"Facebook, die College-Klamotte

David Finchers "The Social Network" ist weder ein Film über soziale Netzwerke noch eine spannende Aufsteigergeschichte. Er ist nur äußerst öde. von 

Nicht einmal, als das erste Ziel erreicht ist, kann sich dieser Mark Zuckerberg freuen. Eine Million Menschen haben sich auf Facebook angemeldet, sind Teil seiner Erfindung geworden. Doch er sitzt auf seinem Stuhl und starrt auf den Laptop, als könne nur dieser ihn verstehen. So sehen wir ihn fast 120 Minuten lang. Bildschirme machen sein Gesicht noch blasser, einsam läuft er durch Flure, wie ein Gespenst auf Duracell. Wenn dem Regisseur David Fincher in seinem Film The Social Network eines gelungen ist, dann sind es diese Bilder: Der junge Zuckerberg vor seinem Computer, der gerade dabei ist, die Welt ein wenig neu zu gestalten.

Fincher erzählt die Erfolgsgeschichte der Internetseite Facebook, die mittlerweile nahezu jeder von 9 bis 99 mitklatschen kann. Sie beginnt im Jahr 2003 in Harvard, dieser Elitenwärmestube mit ihren Torbögen und seufzenden Holzfußböden, die Zuckerberg in Badelatschen durchquert. Und sie führt bis nach Silicon Valley, zu den Jubelmeldungen von nun einer halbe Milliarde Mitgliedern, die dem sozialen Netzwerk beigetreten sind. Mark Zuckerberg ist heute der jüngste Milliardär der Welt. Aber im Film läuft ihm erst einmal die Freundin weg.

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Aus Wut erfindet er Facemash , eine Website, auf der Fotos von Kommilitoninnen bewertet werden können. Innerhalb weniger Stunden kollabiert das Uni-Netzwerk, und Zuckerberg (gespielt von Jesse Eisenberg) wird zur Reizfigur auf dem Campus. Die Mädchen hassen ihn, die Jungs verfallen in schüchterne Bewunderung für dieses vermeintliche Genie, das selbst im Halbschlaf die komplexesten Programmieraufgaben lösen kann. Bald kommt Zuckerberg die Idee zu The Facebook , da er gelernt hat, dass Studenten nichts mehr interessiert als die Mädchen in ihrem Umfeld. Von da an geht's los, erst Harvard, dann Stanford, bald hinaus in die Welt.

Fincher zeigt diese College-Anekdoten als Rückschau, während der inzwischen milliardärgewordene Zuckerberg vor Gericht sitzt. Sein Freund Eduardo Saverin hat ihn verklagt. Der lieh Zuckerberg einst das Startkapital für Facebook, wurde später als Teilhaber aber ausgebootet. Außerdem fordern die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss Schadenersatz, weil Zuckerberg ihnen die Idee gestohlen haben soll. Die Brüder sind Witzfiguren alter Schule. Reiche Lebenslaufburschen, die, akkurat frisiert und gekleidet, ihre Körper im Ruderboot quälen, folgsam Regeln auswendig lernen und ansonsten steife Sätze sprechen wie: "Nehmen wir unsere erheblichen finanziellen Mittel und verklagen ihn."

Zuckerberg begegnet den Brüdern mit der Arroganz und den Überlegenheitsgesten eines Jungen, der glaubt, den Fortschritt auf seiner Seite zu haben. Schon zu Beginn schneidet Fincher das tumbe Verbindungsstudentengesaufe der alten Elite gegen die verdunkelten Zimmer, in denen sich ein paar Außenseiter um die einzige Lichtquelle scharen: den Computer, auf dem der Code der Zukunft blinkt. Dort, wo Fincher einen Ansatzpunkt gehabt hätte für den Zeitgeist einer Dekade, für den Aufstieg der Programmierer zu den neuen heimlichen Herrschern unserer Welt, findet The Social Network allerdings kaum zu Prägnanz – sondern bloß das alte College-Klischee, das zwischen Freak und Fatzke unterscheidet. Aber was haben wir eigentlich erwartet: den Film über soziale Netzwerke?

Das kann der Regisseur lediglich in Zahlen abbilden. Ständig ruft jemand die neusten Nutzerstatistiken durchs Zimmer: 968!, 24.000!, 75.000! Überhaupt wird ungeheuer viel geredet. Hier kommt der Film dem Sozialgeräusch auf Facebook recht nahe.

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