Nicht mal im Abspann tauchte sein Name auf, dafür war Tony Curtis' erste Rolle zu klein. Doch dann kam die Fanpost: Zehntausende Mädchen und Frauen wollten nach Robert Siodmaks Gewagtes Alibi  wissen, wer denn der smarte Junge sei, der so verführerisch mit Yvonne de Carlo über die Leinwand getanzt ist. So geht zumindest die Legende, die man sich in Hollywood bis heute erzählt.

Der Film sollte Tony Curtis' Durchbruch sein. Lange bevor so sperrige Stars wie Robert De Niro grübelnd und zweifelnd von den Schattenseiten des American Way of Life erzählten, stand Curtis für die heile Welt im Scheinwerferlicht der grellen Jupiterlampen. Curtis wurde zu einem der letzten großen Stars des alten Hollywood. Ein gut aussehender Junge, der scheinbar leichtfüßig und flamboyant den Glanz verkörperte, der nun einmal zum Zauber des Kinos dazu gehört. In seinen Augen konnte man sich leicht verlieren. Sein Charme und Charisma wirkten weit über das Zelluloid hinaus.

Doch natürlich ist das Leben ganz anders als die perfekt choreographierten Geschichten, die das Kino so gerne erzählt. Später sollte der durch alle Höhen und Tiefen des Ruhm gegangene Schauspieler in einem Interview fragen: "Wissen sie was das Problem mit Leuten wie mir ist? Wir haben sehr schnell sehr großen Erfolg ohne nachzudenken. Die Frage ist: Liegt das am Talent oder haben wir einfach verdammtes Glück?"

Er war ein Kind Amerikas, geboren 1925 als Sohn ungarischer Einwanderer. Er wuchs erst in Manhattan, später im Arbeitermilieu der Bronx auf. Sein Vater war ein ungarischer Schauspieler, der durch seinen starken Akzent keine Rollen in der neuen Heimat finden konnte.

Curtis nahm Schauspielunterricht beim legendären, exilierten Berliner Theatermacher Erwin Piscator und spielte sich durch die Off-Theater-Szene New Yorks. Statt dem tradierten Image des selbstbewussten, unbeirrbaren Leinwandhelden nach zu hängen, jonglierte er mit den Geschlechterrollen, lange bevor Serien wie Mad Men für ihre postmoderne Gender-Dekonstruktion gefeiert wurden.

Einer seiner größten Erfolge war die von Billy Wilder inszenierte Travestie-Komödie Manche mögens heiß von 1959. Zusammen mit Jack Lemmon spielt er einen flüchtigen Jazzmusiker in Frauenkostümen, der versucht, die betörende Marilyn Monroe zu verführen. Und verlässt sich dabei ganz auf die Waffen der Frauen. Statt Machogetue tröstet Curtis Monroe mit Charme und Witz. Im Amerika der prüden Fünfziger fast schon ein Tabubruch.

Zwar wird Curtis im Lauf seiner Karriere nun zunehmend auf leichte Komödien festgelegt. Nimmt damit aber auch ein zeitgenössisch emanzipiertes Männerbild vorweg, welches mit einem dem Sonnenuntergang entgegen reitenden Einzelgänger, wie etwa von John Wayne verkörpert, nichts mehr zu tun hat. In der Folge spielt Curtis mit den größten Schauspielern seiner Zeit. Darunter Kirk Douglas in Stanley Kubricks Spartakus (1960). Für seine Rolle in Flucht in Ketten an der Seite von Sidney Poitier wird er 1958 für den Oskar als beste Hauptrolle nominiert. Er bekommt ihn nicht.