Scott Pilgrim (Michael Cera, li.) ist verliebt in Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead, 2.v.li.). Leider sind ihre Exfreunde im Weg © Universal Pictures

Scott Pilgrim handelt von einer Romanze, von Gitarrenduellen und Prügelszenen. In durchgedrehtem Stilmix rasen die Zeichnungen durch Pixelgrafik, Hardrock-Posen und japanische Mangas. Dennoch versprüht der Independent-Comic auf jeder Seite den unangestrengten Charme des Slackertums. Er ist, wie manche sagen, Kult.

Die Comic-Serie

Mit der Verfilmung der Serie hat sich der Regisseur Edgar Wright also viel vorgenommen. Mal abgesehen von dem Babyface des Hauptdarstellers Michael Cera und einem nur mittelmäßiges Styling, könnte man Scott Pilgrim vs. The World tatsächlich als einen gelungenen Film bezeichnen. Wright schafft es, ein wenig des Tempos der Comic-Vorlage auf Zelluloid zu retten. Die wirklichen Stars in seiner Version des Slacker-Epos sind nicht Schauspieler, sondern Effekte. Textblöcke aus Comics fegen so durch die Szenen, dass die Darsteller ihnen ausweichen müssen. Immer wieder stehlen sich Elemente aus Computerspielen in den Spielfilm: Extra-Leben schweben in der Luft, Punkte, Boni und Superwaffen. Der Thriller Inception , der im Sommer anlief, sieht dagegen aus wie ein prätentiöses Stück Kitsch-Surrealismus.

Erzielt wird die Qualität vor allem durch ein kreatives Weiterdenken der Comic-Vorlage. Wright übernimmt deren Elemente nicht sklavisch. Er versucht eher, dem Geist der Serie gerecht zu werden. Das Treppengeländer, auf dem sich einer der Widersacher Scotts zu Tode grindet, verschwindet in der Filmversion in düsteren, dramatischen Nebelschwaden. Das ist schon als Bild gelungen. Splitscreens begleiten die ununterbrochenen Telefonkonferenzen zwischen Scotts Schwester und seinem Mitbewohner. Im Heft wären solche Elemente unmöglich.

Was den Plot anbelangt, hält sich Wright dagegen bis hin zu einzelnen Dialogen an die Scott Pilgrim -Bände. Ausgangspunkt ist das Dilemma des 22-jährigen Protagonisten. Um das Herz eines Mädchens zu erobern, muss er deren sieben Exfreunde im Zweikampf besiegen – sieben epische Schlachten, die geradezu bersten vor Ironie und Übertreibung.

Die Plattheit der Story ist gewollt und Teil des Humors der Serie. Schließlich handelt es sich bei fast allem, von dem der Film erzählt, um eine Fantasie der jugendlichen Hauptfigur. Und die hat jeden Grund zur Realitätsflucht. Anfangs lebt Scott ohne Job, Freundin und sogar ohne eigenes Bett im kanadischen Toronto. Die Schlafstatt teilt er sich mit einem schwulen Mitbewohner, dessen Kreditkarte er auch benutzt. Er zupft den Bass in der erfolglosen Provinzband Sex Bob-Omb, was ihm die Verfolgung durch ein 17-jähriges Groupie einbringt. Aus Mangel an Alternativen kann er sich ihr schlecht entziehen. Ihre Nachmittage verbringen die beiden in der Spielhalle.