Film "Unstoppable – Außer Kontrolle"Mit Rechtschaffenheit gegen Godzilla

Der Film "Unstoppable" von Tony Scott ist ein solider Beinahe-Katastrophen-Film. Seine Botschaft: Die richtige Entscheidung diktiert nicht das Geld, sondern das Gewissen.

Will Colson (Chris Pine, links) und Frank Barnes (Denzel Washington) formen ein Team, wie es häufig im Kino zu sehen ist: der eine jung und unerfahren, der andere ein Routinier

Will Colson (Chris Pine, links) und Frank Barnes (Denzel Washington) formen ein Team, wie es häufig im Kino zu sehen ist: der eine jung und unerfahren, der andere ein Routinier

Top Gun von 1986, hat es neuerdings mit Zügen. Erst vergangenes Jahr lief sein Remake von Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 im Kino. Da war der Zug Austragungsort des psychologischen Duells zwischen den Stars Denzel Washington und John Travolta.

Tony Scott, der Regisseur des Fliegerklassikers

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Der Star in seinem jüngsten Film Unstoppable - Außer Kontrolle wiegt 4,5 Kilotonnen, ist fast einen Kilometer lang und gibt höllischen Lärm von sich – ein Güterzug, der von niemandem gesteuert wird. Das Gefährt ist mit giftigen Chemikalien beladen und rast mit mehr als einhundert Stundenkilometern auf seine Entgleisung inmitten einer Großstadt zu. Nur zwei einfache Bahnangestellte – Denzel Washington als Frank Barnes und Chris Pine als Will Colson – können die Katastrophe aufhalten.

Diese Ausgangssituation mag konstruiert scheinen, doch der Film erzählt eine wahre Geschichte . Am 15. Mai 2001 fuhr durch den amerikanischen Bundesstaat Ohio ein unbemannter Güterzug, der giftige Phenolsäure geladen hatte. Die Bahnangestellten Jesse Knowlton, Terry Forson und Jon Hosfeld brachten ihn damals im Alleingang zum Stehen. Sogar die für den Buddy-Film typische Zusammensetzung des Rettungsteams aus einem Veteranen und einem Greenhorn entspricht der Wirklichkeit . Und selbst Hosfeld – der dritte im Bunde –ähnelt dem sympathischen Hinterwäldler Ned (Lew Temple) im Film.

Realismus prägt auch die Bildsprache von Unstoppable . Zentral sind Aufnahmen aus dem westlichen Pennsylvania, wo die Crew anstelle des benachbarten Ohios drehte. Das traditionsreiche Kohlerevier wird im Übergang vom Spätsommer zum Frühherbst gezeigt – die Farben changieren zwischen dem Gelb der ersten welken Blätter und den Rottönen des Rosts und der Ziegel verfallender Industrieanlagen.

In diese nostalgische Stimmung hat Scott kunstvoll Fernsehbilder geschnitten. 2001 hatte CNN die drohende Katastrophe live übertragen. In der Kinoversion sieht man immer wieder Interviews, Nachrichtenmoderatoren und natürlich TV-Aufnahmen von der Rettungsaktion, vor den Mattscheiben sitzen dann bangende Kollegen und Angehörige der Helden.

Für die Spannung sorgt der unaufhaltsame Güterzug. Sein Auftauchen wird jedes Mal von einem Brüllen begleitet, als wäre er ein Monster wie Godzilla. Immer wieder droht er, mit anderen Zügen zu kollidieren. Im Kinosessel festkrallen möchte man sich dann. Schließlich sieht man wie aus der Perspektive der Opfer das tonnenschwere, führerlose Gefährt  auf sich zudonnern ohne ausweichen zu können. Kommt es zum Crash, rast das Ungetüm stets weiter als wäre nichts gewesen. Bahnwaggons zersplittern wie Glas, Autos werden wie Spielbälle umhergeworfen, Glieder zerquetscht.

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Der Beharrlichkeit des Eisenkolosses steht nur diejenige des rechtschaffenen amerikanischen Arbeiters entgegen. Um Geld zu sparen, würden die Eisenbahnunternehmer – Prototypen amerikanischer Kapitalisten – den sicheren Tod von Hunderten in Kauf nehmen. Gegen den Willen der Bosse treffen die Helden die richtige Entscheidung – und begleichen damit ausstehende Rechnungen. Ihr Sieg ist nicht zuletzt auch einer der Main Street über die Wall Street, wie ihn Scott schon in Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 zum Thema machte.

Der Regisseur Tony Scott – Bruder von Ridley Scott – hat mit dem im besten Sinne konservativen Film sicher kein herausragendes Einzelwerk geschaffen. Vielmehr wurde ein solides Oeuvre fortgesetzt, das Filme wie Der Fan (1996), Staatsfeind Nr. 1 ( 1998) und Mann unter Feuer (2004) umfasst. Einen weiteren Höhepunkt könnte das Lebenswerk erst mit dem zweiten Teil von Top Gun finden, der im Gespräch ist.

 
Leserkommentare
  1. "Die richtige Entscheidung diktiert nicht das Geld, sondern das Gewissen."

    So, so, das Gewissen als Grundlage der Ethik oder Moral.

    Verzeihen Sie, dass mir das so aufstößt, aber Sie irren. Nicht, dass Geld Moral (meistens) diktieren dürfe. Doch Gewissen darf es ebenso wenig. Vielleicht eine Frage des Alters oder des phil. Wissens, das noch fehlt, ich weiß es nicht:

    Norbert Hoerster: Ethik und Interesse. Ditzingen 2003: Reclam.

    Besser als Kitsch wie "Unstoppable", wo mich bereits die Kinowerbung erschütterte, fand ich ja "Unthinkable", wo die ethische Frage ähnlich gut hollywoodbesetzt, dafür kontroversver, weil unangenehmer und wirklichkeitsnaher diskutiert wird.

  2. Tony Scott macht Spaß aber "Runaway Train" wird immer der beste Zug-Film bleiben ;)

  3. 3. aha...

    "Die richtige Entscheidung diktiert nicht das Geld, sondern das Gewissen."

    Wenn diese Aussage stimmen würde, hätte man den Castor-Zug nicht aufhalten müssen. Man hätte es schon garnicht auf den Weg gebracht.

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