Film "Otto's Eleven" Mist vom Kleingeist

Otto Waalkes ist als Komiker mit unfehlbarem Gespür für Timing bekannt. Doch in seinem neuen Film "Otto's Eleven" recycelt er nur noch lustlos seinen eigenen Humor

Im ostfriesischen Watt könnte das Leben so schön sein. Der Kabeljauverkäufer Pit (Rick Kanavian) kocht seinen immergleichen Fisch, der Maler Otto (Otto Waalkes) interpretiert die wechselhafte Natur in seinen Wattkritzeleien, und der Fitnessfreak Mike (Mirco Nontschew) testet die neuesten Sportgeräte an sich selbst. Touristen gibt es hier nämlich keine. Zusammen mit dem Computerspezialisten Artur (Arnd Schimkat) und dem stets aufwändig gestylten Souvenirverkäufer Oskar (Max Giermann) leben die fünf Freunde auf der kleinen, von der Außenwelt abgeschnittenen Insel Spiegeleiland und beschließen, den nicht vorhandenen Tourismus dann doch anzukurbeln und ein Werbevideo zu produzieren.

Es kommt aber nur der korrupte Casinobesitzer Du Merzac, der weniger an den Inselattraktionen als an einem wertvollen Gemälde, einem Erbstück von Ottos Vorfahren, interessiert ist, welches er kurzerhand auch einsteckt. Wer bis zu diesem Zeitpunkt die lang gezogenen Comedyplattitüden durchgestanden hat, der wird sich auch über die Berechenbarkeit des weiteren Plots nicht wundern. Der besteht größtenteils aus sinnfreien Humoreinlagen und dem Versuch das Gemälde in Du Merzacs Casino zurückzustehlen.

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Otto hoppelt durch die Casinoflure und verhaspelt sich in Verbalobszönitäten. Natürlich stellt man zunächst sich selbst infrage: Fand man das nicht alles einmal lustig, irgendwann in den siebziger und den frühen achtziger Jahren? Oder ist das milde Verklärung, die Otto in der Erinnerung das werden lässt, was die meisten ernstzunehmenden Künstler fürchten zu sein: irgendwie kultig? Ob man seinen Humor mochte oder nicht, was Otto einst gut machte, war sein Gespür für Zeitgeist und Populärkultur gepaart mit einem perfekten Timing für Pointen. Unvergleichlich gelungen seine Michael Jackson-Parodie vor einer Rentnerin, sein Tennismatch mit Steffi Graf, seine musikalischen Interpretationen von Falco bis Nena.

Dieses Gespür hat Walkes heute verloren. Den einzigen Glücksgriff für Ottos Eleven tat er mit Max Giermann. Der aus dem TV-Parodieformat Switch Reloaded bekannte Darsteller, begeisterte die deutsche Comedy-Landschaft durch seine Stefan Raab-Interpretation. Giermann könnte mehr. Er spielt den Souvenirverkäufer überzeugend, doch bietet die Rolle ihm kaum mehr, als sich für eine ältere Dame wieder zum Raab degradieren zu lassen.

Witzig ist der Film an den wenigen Stellen, an welchen er von der Improvisation der Darsteller getragen wird. Wenn Otto im Casino die Besucher etwa mit seiner Verbalakrobatik ablenkt, während  seine Freunde das Porträt zurückholen wollen. In den allermeisten Szenen jedoch, wird jeder Ansatz von Subtilität durch eine ausführliche Erklärung des Witzes erstickt und jede längst überreizte Pointe noch einmal wiederholt. Wie oft kann man sich tatsächlich über die deutsche Betonung des französischen Namens Du Merzac freuen? Der Film versinkt tief im Watt der überspannten Humorlosigkeit.

Wie der Kabeljauverkäufer Pit auf Spiegeleieiland, dessen "internationale Spezialitäten" nur immer der gleich verkochte Fisch mit unterschiedlichen Landesfahnen ist, so arbeitet auch Otto mit seinen lauwarmen Witzen nach immer demselben Rezept. Da retten auch die Comedykollegen an seiner Seite nichts mehr, deren Humor selbst schon das Haltbarkeitsdatum überschritten hat.

Die Unterstützung von Kollegen hatte Otto nicht immer nötig. Nachdem seinen Erfolgen in den 1970er Jahren erreichte er den Höhepunkt seines Schaffens in den Rollen und Formaten der achtziger und frühen neunziger Jahren. Neben seinen Ausflügen in die Musik und in eine von Ottifanten bevölkerte Zeichentrickwelt wurde er besonders für seine Filme geliebt. Otto – Der Film aus dem Jahr 1985 erlebte vier Fortsetzungen. Seit den späten Neunzigern war es etwas ruhiger um ihn geworden. Zwar veröffentlichte er weiterhin Tonträger und betourte das Land, doch öffentlichkeitswirksam zurück meldete er sich erst 2004 mit seiner Leinwandinterpretation der 7 Zwerge.

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Es wurde der zweiterfolgreichste Film des Jahres. Sieben Millionen Zuschauer zog er an. Seitdem jedoch karikiert und recycelt Otto sich nur noch selbst. Otto’s Eleven reiht sich ein in dieses traurige Spätwerk eines talentierten Comedian. Ein Film für die ganze Familie will es sein. Dabei dürfte der ewiggleiche Klamauk nur die unter 12-Jährigen noch ansprechen. Für alle anderen gilt leider: ohne Geschmacksnerven lacht es sich besser. Oder, wie es Otto im Film selbst ausdrückt: Kleingeist macht auch Mist.

 
Leser-Kommentare
    • ismus
    • 30.11.2010 um 16:51 Uhr

    mal gut?

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    Ja klar! Aber für einen um die 30 ist es eben so wie mit dem A-Team oder Schmidteinander. Der Humor ist ein anderer.
    Es gibt natürlich eine subjektive Veränderung, d.h. ich lache nicht mehr über jeden Gag wie mit 15, dann gibt es eine objektive Humorveränderung, wohl auch Zeitgeist, der hat Höhen wie Nuhr und Tiefen wie Barth. Aber richtig ist wohl auch, dass es solche Unterschiede immer gab, also eben auch Loriot und Klamauk alá Rudi Carrel.
    Otto ist natürlich Otto und jüngeres Publikum lacht wahrscheinlich eben so herzlich, wie ich mit 15, somit ist der direkte Verglich wohl nicht fair, siehe 7Zwerge, das war ja ein voller Erfolg.
    Ich empfand Otto immer als Klamauk fürs Bürgertum, seine Gags waren gut aber nie zu hart. Über Loriot, den ich verehre, lacht wohl auch kein heutiger 20jähriger RTL-Gucker mehr, die finden eben eher Barth witzig.
    Aber vielleicht müsste Otto wieder mehr auf seine Stimme und Gitarre setzen und könnte seine Gags an heutigen sozialen Wirklichkeiten ansetzen, also ein reiferer Otto, der nicht mehr jeden Blödel macht, sondern wieder tiefere Witze fürs Bürgertum, das Harald Schmitt auch nicht mehr so bedient wie früher... So könnte uns Otto überraschen: Erfahren, politisch und ein wenig old-skool Klamauk...

    Fest seht: Otto war gut und immer noch eine "Marke"...

    Ja klar! Aber für einen um die 30 ist es eben so wie mit dem A-Team oder Schmidteinander. Der Humor ist ein anderer.
    Es gibt natürlich eine subjektive Veränderung, d.h. ich lache nicht mehr über jeden Gag wie mit 15, dann gibt es eine objektive Humorveränderung, wohl auch Zeitgeist, der hat Höhen wie Nuhr und Tiefen wie Barth. Aber richtig ist wohl auch, dass es solche Unterschiede immer gab, also eben auch Loriot und Klamauk alá Rudi Carrel.
    Otto ist natürlich Otto und jüngeres Publikum lacht wahrscheinlich eben so herzlich, wie ich mit 15, somit ist der direkte Verglich wohl nicht fair, siehe 7Zwerge, das war ja ein voller Erfolg.
    Ich empfand Otto immer als Klamauk fürs Bürgertum, seine Gags waren gut aber nie zu hart. Über Loriot, den ich verehre, lacht wohl auch kein heutiger 20jähriger RTL-Gucker mehr, die finden eben eher Barth witzig.
    Aber vielleicht müsste Otto wieder mehr auf seine Stimme und Gitarre setzen und könnte seine Gags an heutigen sozialen Wirklichkeiten ansetzen, also ein reiferer Otto, der nicht mehr jeden Blödel macht, sondern wieder tiefere Witze fürs Bürgertum, das Harald Schmitt auch nicht mehr so bedient wie früher... So könnte uns Otto überraschen: Erfahren, politisch und ein wenig old-skool Klamauk...

    Fest seht: Otto war gut und immer noch eine "Marke"...

  1. war Otto mal gut! :-)

    Was kann er denn dafür, dass wir nicht mehr zwölf sind?

  2. Ja klar! Aber für einen um die 30 ist es eben so wie mit dem A-Team oder Schmidteinander. Der Humor ist ein anderer.
    Es gibt natürlich eine subjektive Veränderung, d.h. ich lache nicht mehr über jeden Gag wie mit 15, dann gibt es eine objektive Humorveränderung, wohl auch Zeitgeist, der hat Höhen wie Nuhr und Tiefen wie Barth. Aber richtig ist wohl auch, dass es solche Unterschiede immer gab, also eben auch Loriot und Klamauk alá Rudi Carrel.
    Otto ist natürlich Otto und jüngeres Publikum lacht wahrscheinlich eben so herzlich, wie ich mit 15, somit ist der direkte Verglich wohl nicht fair, siehe 7Zwerge, das war ja ein voller Erfolg.
    Ich empfand Otto immer als Klamauk fürs Bürgertum, seine Gags waren gut aber nie zu hart. Über Loriot, den ich verehre, lacht wohl auch kein heutiger 20jähriger RTL-Gucker mehr, die finden eben eher Barth witzig.
    Aber vielleicht müsste Otto wieder mehr auf seine Stimme und Gitarre setzen und könnte seine Gags an heutigen sozialen Wirklichkeiten ansetzen, also ein reiferer Otto, der nicht mehr jeden Blödel macht, sondern wieder tiefere Witze fürs Bürgertum, das Harald Schmitt auch nicht mehr so bedient wie früher... So könnte uns Otto überraschen: Erfahren, politisch und ein wenig old-skool Klamauk...

    Fest seht: Otto war gut und immer noch eine "Marke"...

    Antwort auf "war otto"
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    ...das mit Loriot nicht an dem Alter festmachen - ich habe schon mit 16 über ihn und Emil Steinberger gelacht. Sicherlich lache ich heute über Loriot mehr als damals, weil ich viele Dinge auch besser verstehe. Und da ist eher der Knackpunkt: Ein typischer RTL-Gucker hat vielleicht nicht den "Intellekt" um das Hintergründige zu begreifen. Das heisst aber nicht dass ein anderer 20jähriger ihn nicht hat.

    Und an Loriot kommt wirklich niemand ran: Wie er eine komplette Wohung zertrümmert nur weil er ein Bild gerade hängen will ist doch göttlich. Und das Ehepaar mit dem Ei oder der Sketch mit dem Kosakenzipfel sind doch Psychologie pur..;-)

    ...das mit Loriot nicht an dem Alter festmachen - ich habe schon mit 16 über ihn und Emil Steinberger gelacht. Sicherlich lache ich heute über Loriot mehr als damals, weil ich viele Dinge auch besser verstehe. Und da ist eher der Knackpunkt: Ein typischer RTL-Gucker hat vielleicht nicht den "Intellekt" um das Hintergründige zu begreifen. Das heisst aber nicht dass ein anderer 20jähriger ihn nicht hat.

    Und an Loriot kommt wirklich niemand ran: Wie er eine komplette Wohung zertrümmert nur weil er ein Bild gerade hängen will ist doch göttlich. Und das Ehepaar mit dem Ei oder der Sketch mit dem Kosakenzipfel sind doch Psychologie pur..;-)

  3. ...das mit Loriot nicht an dem Alter festmachen - ich habe schon mit 16 über ihn und Emil Steinberger gelacht. Sicherlich lache ich heute über Loriot mehr als damals, weil ich viele Dinge auch besser verstehe. Und da ist eher der Knackpunkt: Ein typischer RTL-Gucker hat vielleicht nicht den "Intellekt" um das Hintergründige zu begreifen. Das heisst aber nicht dass ein anderer 20jähriger ihn nicht hat.

    Und an Loriot kommt wirklich niemand ran: Wie er eine komplette Wohung zertrümmert nur weil er ein Bild gerade hängen will ist doch göttlich. Und das Ehepaar mit dem Ei oder der Sketch mit dem Kosakenzipfel sind doch Psychologie pur..;-)

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    Antwort auf "Der moderne Otto"
  4. Wie oben schon erwähnt - in den 70ern und den frühen 80ern war Otto richtig gut.
    Wer ihn damals live gesehen hat, weiss, wovon ich spreche.
    Robert Gernhard hat für Otto geschrieben; Otto war selber ungeheuer kreativ.
    Aber man kann denselben Kram nicht über 30 Jahre lang auswalzen.
    Irgendjemand sollte ihm das mal sagen.

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  5. aber es ist ihm wohl egal, solange er trotzdem Geld verdient.

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