Film "Paranormal Activity 2" Horror-Kopie mit Nachtsicht-Funktion

Der zweite Teil des Erfolgsthrillers "Paranormal Activity" verliert viel von den ursprünglichen Qualitäten. Er wirkt professioneller, lässt aber das Blut nicht mehr gefrieren

 

Der erste Teil von Paranormal Activity aus dem Jahr 2007 zeichnete sich durch eine sehr minimalistische Produktion aus. Für nur 15.000 Dollar und in nur sieben Tagen hatte der Regisseur Oren Peli sein Kammerspiel über ein Paar gedreht, das von einem bösartigen Geist verfolgt wird. Spezialeffekte waren nicht nötig, denn der Dämon ist in dem Film nie zu sehen. Die beiden erfrischend unbekannten Hauptdarsteller, Katie Featherston als Katie und Micah Sloat als Micah, arbeiteten völlig ohne Drehbuch. Auf eine Kamera-Crew wurde ganz verzichtet, denn Katie und Micah filmten sich mit nur einer einzigen Amateurkamera gegenseitig. Trotzdem spielte der Streifen fast 200 Millionen Dollar ein. Mit Blair Witch Project teilt er sich den Titel des profitabelsten Independent-Films aller Zeiten.

Derartiger Erfolg ruft Nachahmer auf den Plan. Noch im Jahr des Kinostarts von Paranormal Activity wurde der Abklatsch Paranormal Entity gedreht und ausschließlich per DVD vertrieben – ein Mockbuster , wie man solche Kopien von Blockbustern nennt. Es war das erste Mal, dass ein solcher mehr kostete als das Original. Angeblich soll er über ein vier- bis fünfmal so hohes Budget verfügt haben.

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Nun läuft der zweite Teil von Paranormal Activity an, und er ist nicht – wie so häufig der Fall – eine flaue Kopie des ersten Teils, sondern eine flaue Kopie der Kopie: Paranormal Activity 2 orientiert sich deutlich an dem Mockbuster Paranormal Entity . Anstatt der im Original verwendeten tragbaren Kamera wurde in den beiden Folgefilmen vorwiegend mit an der Decke angebrachten Kameras aufgenommen, die auch über eine Nachtsicht-Funktion verfügen. Beide Male wurde das Paar durch eine Familie ersetzt, was unter Vermarktern den Ruf hat, beim Publikum besser anzukommen. Für die Hauptrollen wurden schlankere Schauspielerinnen ausgewählt als Katie Featherston.

Diese Übereinstimmungen von Paranormal Activity 2 mit Paranormal Entity könnten als trotzig-ironischer Kniff einen Reiz entfalten, doch leider wurde auch die Handlung banalisiert, wie es eigentlich nur für Mockbuster üblich ist. Wo Peli im ersten Teil die komplexe Dreiecksbeziehung zwischen den Schauspielern, der Kamera und einem unsichtbaren Bösen auslotete, variiert das Drehbuch-Team des zweiten Teils eher Muster des Spukhaus-Genres, wie man sie aus Landhaus der toten Seelen (1976), Amityville Horror (1979) oder Poltergeist (1982) kennt. Auch in Paranormal Activity 2 wird die Normalität einer Familie durch das Übernatürliche gestört. Die Insignien der amerikanischen Mittelklasse – Pool, Plasmafernseher und Küchentheke – sind die ersten Angriffsflächen des Dämons. Als souveräner Patriarch versucht Ehemann David immer wieder, seine Frau zu beruhigen. Doch neben der Hausherrin spüren auch der Hund, die mexikanische Putzfrau und die Stieftochter Ali die drohende Gefahr.

Der zweite Teil spielt zur selben Zeit wie der erste. Das erkennt der Zuschauer am eingeblendeten Datum – Herbst 2006 – und daran, dass sowohl Katie als auch Micah noch einmal in Nebenrollen mitspielen. Wer den ersten Teil gesehen hat, weiß, dass das zu einem späteren Erzähl-Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen wäre. Der Reiz von Paranormal Activity 1 und 2 liegt nicht in der Überraschung, eher im Hinauszögern des Unabwendbaren bis hin zum Unerträglichen. Der Regisseur von Teil 2, Tod Williams, nutzt dafür geschickt den rhythmischen Wechsel zwischen Handheld- und Überwachsungskameras. Doch die äußerst seltene Qualität authentischen Horrors, die selbst Stephen Spielberg beim Anschauen des Erstlings das Blut in den Adern gefrieren ließ, gelingt nicht. Beim Herumtollen mit einer der schicken, neuen Kameras im Pool der Familie sagt Micah: „Ich werde meine Freundin gegen diese Kamera eintauschen – sie hat mehr Funktionen.“ Prägnanter könnte er das Dilemma der immerhin drei Millionen Dollar teuren Fortsetzung kaum formulieren. Der natürliche Charme der einst unbekannten Darstellerin Katie Featherston wurde ausgetauscht durch mehr und bessere Kameras.

Immerhin: Die Kopie zweiter Ordnung ist erfolgreicher als der Mockbuster. Knapp zwei Wochen nach der Premiere in den USA hat Paranormal Activity 2 dort mehr als 45 Millionen Dollar eingespielt.

 
Leser-Kommentare
  1. Hm.. ich muss sagen ich habe selten einen so gut gemachten Film gesehen, der ohne grosse Specialeffects auskam.
    Fand auch den Trick der Handlungsverknüpfung mit Teil 1 super.
    Hatte keine grossen Erwartungen mit denen ich ins Kino bin, da ich einen einfachen Abklatsch des ersten Teils erwartet hatte.. aber die Personen zu sehen, die auch im ersten Teil Erwähnung fanden.. und im Nachhinein Erlklärungen für den ersten Teil zu bekommen fand ich sehr toll.
    Und Gänsehaut kam stellenweise auch auf.
    Klar wurden Klischees bedient.. aber davon lebt Hollywood. Und gut fand ich, dass keine "models" schauspielern, sondern Menschen wie man sie auf der Strasse trifft.

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