"22 Bullets" Der Buhmann mit dem guten Herzen

In "22 Bullets" überlebt ein Pate seine eigene Exekution und übt blutige Rache. Richard Berry recycelt das Gangsterfilm Genre. Das hat Jean Reno nicht verdient.

In Richard Berrys Rache-Epos 22 Bullets gibt Jean Reno den kugelresistenten Gangster Charlie Matteï. Der Pavarotti-liebende Pate hat sich entschlossen, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Von nun an soll seine ganze Aufmerksamkeit nur noch der Familie gelten. Doch es kommt anders. Ein Exekutionskommando streckt ihn mit 22 Schüssen nieder. Der Marseiller Mafioso überlebt, sucht seine Mörder auf und bringt einen nach dem anderen um.

Schwermut steht Jean Reno. Der böse Mann mit dem guten Herz und den eisernen Prinzipien ist eine Rolle, die der Franzose spielt wie kein anderer. Trotz gelegentlicher Gastspiele in Komödien (Die Besucher) sind es Figuren wie der schweigsame Auftragskiller Léon, mit seiner düsteren aber anziehenden Aura, die den Zuschauern im Gedächtnis bleiben. Ein harter Hund mit wunderbar weichen Augen.

Wie von einem Rachefilm zu erwarten, wird in 22 Bullets gequält, gepeinigt und geschunden. Schädel werden eingetreten und Gesichter mit kochendem Wasser übergossen. Kreativ? Nun ja. In jedem Fall überzogen und für die Handlung unnötig.

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Der Regisseur Richard Berry beschränkt sich in seinem neuen Actionfilm darauf, Genre-Versatzstücke aus Klassikern des Gangsterfilms zu recyceln. Wie Matteï vom Laufburschen der Bosse zum gefürchteten Paten von Marseille aufsteigt, erinnert zu stark an den jungen Henry Hill (Ray Liotta) aus Scorseses Goodfellas.

Und auch Coppolas Der Pate landet in Berrys Recyclingtonne. Zwar wacht niemand schreiend neben einem blutigen Pferdekopf auf, aber heutzutage einem schwerverletzten Mafioso im Krankenhaus die Lichter auszupusten, ist ja so was von 1972! Viel Neues bekommt man bei Berry nicht geboten.

Zuletzt fällt Matteïs kleiner Sohn den Feinden in die Hände. Richard Berry zwingt seinen Hauptdarsteller, sich auf dem Weg zum Happy End buchstäblich durch eine Wand aus Stacheldraht zu schinden.

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Dennoch: 22 Bullets ist schön anzuschauen. Optisch überzeugt der Film mit düsteren Bildern in warmen Farbtönen. Souverän inszeniert Berry halsbrecherische Verfolgungsjagden durch die kurvigen, steilen Straßen Marseilles und lässt in Feuergefechten die Kugeln fliegen. Die Action ist großartig. Es sind vielmehr die Szenen dazwischen, die die Handlung ins Schlingern bringen. 

Mehr Bäng!, weniger Bla! hätte dem Film gut getan. Was als packender Thriller beginnt, versandet schnell in langatmigen Szenen, die den Schwung aus der Action nehmen. Der Film ist so durchschnittlich, dass das Zuschauen fast ein bisschen wehtut: Das hat Jean Reno nicht verdient. Trotz des großartigen Hauptdarstellers hat 22 Bullets ganz eindeutige Ladehemmungen.

 
Leser-Kommentare
  1. Grammatikfehler in der Überschrift (, der sich im Text wieerholt). Es muss heißen "Der Buhmann mit dem guten Herzen". Bitte schnell ändern, liebe ZEIT. Gebt Ihr wenigstens Deutsch eine Chance. Danke

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    Ich schreibe schon lange keine Hinweise/Korrekturen mehr, weil sie vergebliche Liebesmüh sind.
    In der "ZEIT" finden sich vermehrt sprachliche Dünnbrettbohrer und inhaltliche Dumpftexter.

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  2. Ich schreibe schon lange keine Hinweise/Korrekturen mehr, weil sie vergebliche Liebesmüh sind.
    In der "ZEIT" finden sich vermehrt sprachliche Dünnbrettbohrer und inhaltliche Dumpftexter.

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    [...] Inhaltlich hat nach meinem Eindruck noch keiner was Wesentliches zu den betreffenden Themen beigetragen...

    Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/lv

    [...] Inhaltlich hat nach meinem Eindruck noch keiner was Wesentliches zu den betreffenden Themen beigetragen...

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  3. normal krieg ich keinen abgang, wenn ich mal einen rechtschreibfehler finde, wie manch anderer hier im forum. um dann auch noch ganz gehässig groß an den verfasser zu schreiben!(das bezieht sich nicht auf den zweiten kommentar)
    ABER der regisseur heißt scorsesE!! *wein-schrei*

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    Redaktion

    Das ist wohl wahr! Wir haben ihm seinen richtigen Namen zurückgegeben. Danke.

    Redaktion

    Das ist wohl wahr! Wir haben ihm seinen richtigen Namen zurückgegeben. Danke.

  4. Jean Reno hat wahrscheinlich sogar sehr gut verdient. Als Hauptdarsteller dieses Films. Ihren Recycling-Vorwurf in allen Ehren, Frau Bensmail. Aber was haben sie erwartet?
    Mafia-Gemetzel ala Matrix? Mit Super-Zeitlupe? Oder gar Lichtschwerter in der KillBill-Ausführung? Gleich ein ganz neues Gangsterfilmgenre? "Mehr Bäng!" - das ist mir ja doch sehr undifferenziert.

    Nein, Jean Reno verkörpert in dieser Rolle das, was er am besten kann. Und er macht es immer noch am Besten. Die ehrenwerte Gesellschaft hat eben Traditionen. Und genau deswegen ist das keine "Ladehemmung". Natürlich mag "Ronin" (von Ihnen übrigens unerwähnt) im direkten Vergleich stimmiger, schneller und besser besetzt gewesen sein, aber das wäre ein Äpfel-Birnen-Vergleich.

    Gerade die langsamen Kamerafahrten und die stilvoll arrangierten Bilder Südfrankreichs (klar, hat Jason Statham in Transporter I auch gehabt) passen doch wunderbar zum Film.

    Reno hat schon schlechtere Filme drehen müssen.
    Zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden.

  5. 6. ------

    "In '22 Bullets' überlebt ein Pate seine eigene Exekution und übt blutige Rache."

    Zugegeben, eine fremde Exekution zu überleben wäre auch keine so große Leistung. Aber: Wenn Jean Reno Godzilla überleben kann, dann überlebt er alles.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • bob13
    • 05.12.2010 um 12:54 Uhr

    ...dass er da ja auch dabei war.
    ein sehr schöner kommentar!
    danke!

    • bob13
    • 05.12.2010 um 12:54 Uhr

    ...dass er da ja auch dabei war.
    ein sehr schöner kommentar!
    danke!

    • bob13
    • 05.12.2010 um 12:54 Uhr

    ...dass er da ja auch dabei war.
    ein sehr schöner kommentar!
    danke!

    Antwort auf "------"
  6. [...] Inhaltlich hat nach meinem Eindruck noch keiner was Wesentliches zu den betreffenden Themen beigetragen...

    Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke. Die Redaktion/lv

    Antwort auf "Es ist so wahr"

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